Call for Papers

Ausgabe 33 (Dezmeber 2017) von bwp@:

Entwicklungsbezogene (Praxis-)Forschung

Die Berufs- und Wirtschaftspädagogik steht in gesellschaftlicher Verantwortung. Sie ist in diesem Sinne gleichermaßen der Aufklärung vorfindlicher Verhältnisse wie der Unterstützung pragmatischer Gestaltungsbemühungen auf allen Ebenen und in allen Bereichen beruflicher Bildung verpflichtet. Dies kann unmittelbar oder mittelbar erfolgen, in unterschiedlicher Distanz zu den gestaltenden und verantwortlichen Akteuren der Praxis. In jedem Fall aber muss sich berufs- und wirtschaftspädagogische Forschung (und übrigens natürlich auch Lehre) der Frage nach der Relevanz ihrer Arbeit für die Praxis stellen, und sie muss jenseits bloßer Deklamation darlegen und nachweisen können, in welcher Weise ihre Befunde zu einer Verbesserung dieser Praxis beitragen können.

Zumindest in analytischer Hinsicht hilft die Dichotomie von Grundlagenforschung und angewandter For­schung dabei, unterschiedliche Strategien zu identifizieren, sich in diesem Theorie-Praxis-Feld wissen­schaftlich zu positionieren. Gleichermaßen werden auch immer wieder die Grenzen und Probleme einer derartigen Dichotomisierung aufgedeckt. Offensichtlich wird an den Universitäten derzeit vor dem Hintergrund wissenschafts- und hochschulpolitischer Kriterien eine empirisch-analytisch angelegte, zunehmend spezialisierte und international vernetzte Berufsbildungsforschung favorisiert, die einem naturwissenschaftlich ausgerichteten Wissenschaftsverständnis folgt. Dabei scheint die Frage nach der Einbindung und Einlassung dieser Forschung auf die Herausforderungen der Praxis zunehmend in den Hintergrund zu treten oder im Sinne der Rede vom „Entdeckungs- und Verwertungszusammenhang“ aus dem Begründungskontext der Wissenschaft ausgegrenzt zu werden.    

In dieser Situation scheint es uns wichtig, mit dieser Ausgabe von bwp@ berufs- und wirtschaftspädagogische Forschung zusammenzuführen und zu reflexiver Standortbestimmung anzuregen, die in bewusster und betonter Nähe zur Berufsbildungspraxis forscht, die sich der Komplexität und Dynamik dieser Praxis stellt und sich auf konkrete Entwicklungs- oder Gestaltungsprobleme der Praxis einlässt. Es geht dabei um Forschung, die sich in der Bearbeitung solcher Problemstellungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wissenschaftliche Methoden und wissenschaftliche Rationalitätsstandards bezieht und aus der Analyse bzw. Reflexion von Entwicklungs- oder Gestaltungsprozessen zur Erarbeitung von neuartigen Problemlösungen beiträgt und transferfähige wissenschaftliche Erkenntnisse generiert. Die Reflexion über die Rolle des Wissenschaftlers in diesem Prozess, insbesondere über Nähe und Distanz zum Feld, über das Verhältnis von wissenschaftlichem Wissen und Praktikerwissen und schließlich über die Transferierbarkeit der Forschungsergebnisse und damit über deren gesellschaftlichen Nutzen über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus, ist konstitutiv für diese Forschung. Die An- und Einbindung in Entwicklungsprozesse der Praxis bietet Potenziale für pragmatisch wie theoretisch wichtige Erkenntnisse. Zugleich aber stößt diese Forschung   im Schein klassischer Gütekriterien offenbar an ihre Grenzen – oder kann als Herausforderung begriffen werden, solche Gütekriterien kritisch zu überprüfen und ggf. neu zu fassen.

Dieserart entwicklungsbezogene Forschung hat vielfältige Traditionen und Entwicklungslinien in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik: Aktions- und Handlungsforschung im Kontext von Pragmatismus und Kritischer Theorie, Schulversuchs- und Modellversuchsforschung, etwa in Form des Kollegschulversuchs in NRW oder großer BLK-Modellversuchsprogramme in den 90er und frühen 2000er Jahren, Technologische Forschung oder „Modus-2-Forschung“ und in jüngerer Zeit im methodologischen Rahmen des Design-Based Research.

Mit dieser Ausgabe von bwp@ geht es uns darum, den Diskurs um eine entwicklungsbezogene (Praxis-)Forschung aufzunehmen und zu strukturieren. Hierbei soll gleichermaßen Platz sein für methodologisch orientierte Beiträge zur Begründung und konzeptuellen Klärung des Gegenstandsbereichs im systematischen und historischen Kontext als auch für Beiträge, die systematische Reflexionen im Kontext konkreter Projekte entfalten. Insbesondere bitten wir um

  • Beiträge zu wissenschaftstheoretischen und methodologischen Überlegungen zur Begründung einer entwicklungs- oder gestaltungsorientierten Berufsbildungsforschung in Abgrenzung aber auch in synergetischer Bezugnahme auf andere Paradigmen. Damit erhoffen wir uns Beiträge, die sich aus unterschiedlichen Positionen und Forschungserfahrungen mit einer entwicklungsbezogenen (Praxis-)Forschung auseinandersetzen.
  • Beiträge zur Methodik, zu den Standards und Gütekriterien einer entwicklungs- oder gestaltungsorientierten Berufsbildungsforschung. Hierbei könnte die individuelle Perspektive von besonderem Interesse sein, also die Frage nach der Rolle und dem Selbstverständnis des Forschers im Spannungsfeld von Engagement und distanzierter Objektivität, aber auch institutionelle Fragen zur Verankerung einer entwicklungsbezogenen Berufsbildungsforschung und den damit verbundenen Implikationen.
  • Beiträge zu Erträgen, Erfolgen (und Misserfolgen) gestaltungs- und entwicklungsorientierter Praxisforschung aus unterschiedlichen Kontexten (Schulen, Betriebe, Hochschulen, andere außerschulische Kontexte; Mikro-, Meso-, Makroebene). Hierbei erwarten wir über reine Berichte hinausgehende Reflexionen auf methodischer oder methodologischer Ebene und gerne auch Reflexionen von Praxis zur Einbindung in Forschungs- und Entwicklungsprogramme.

Interessenten bitten wir, uns spätestens bis zum

22. Mai 2017

ein maximal halbseitiges Abstract (bitte nicht mehr als 200 Wörter!) ausschließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.

Die Abstracts werden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
  • Fragestellung / Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
  • Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungsbericht etc.)
  • Aufbau des Textes
  • Zuordnung zu einem der drei möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskussionsbeitrag oder Berichte & Reflexionen, siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der Sie nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrich­tung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin bzw. zum Autor bzw. zu den Autoren und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate.

Die Kommunikation bitten wir ausschließlich über die Redaktionsadresse (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) zu führen und nicht die HerausgeberInnen zu kontaktieren, da wir andernfalls das verdeckte Reviewverfahren nicht gewährleisten können.

Wir informieren Sie bis spätestens 8. Juni 2017, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 8. September 2017 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).

Online gehen wird Ausgabe 33 im Dezember 2017.

Tade Tramm, H.-Hugo Kremer und Gabi Reinmann
(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber von bwp@ Nr. 33)