Call for Papers

Ausgabe 35 (Dezember 2018) von bwp@:

Ökonomisierung in der Bildung und ökonomische Bildung

Seit den 1990er Jahren findet der Begriff Ökonomisierung zunehmend Eingang in Bildungs- und Gesell­­schaftsdiskurse. In kritischer Perspektive ist hiermit ein Eindringen von Prinzipien und Mechanis­men kapitalistischer Wirtschaft in verschiedene gesellschaftliche Bereiche gemeint. Insbesondere im Kontext der Neoliberalismuskritik gilt Ökonomisierung als gesellschaftlicher Regulationsmodus, der in der radikalen Form des Ökonomismus auch dort um sich greift, wo Marktlogik und Effizienzkalkül zweck­widrig sind, wie im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssektor.

Die Berufsbildung hat es in unterschiedlicher Hinsicht mit Ökonomisierung zu tun: Als äußerer Kontext, wenn es um die Frage effizienter berufsbildungspolitischer und -institutioneller Steuerung geht (z. B. Neue Steuerungskonzepte, New Public Management, Privatisierungen beruflicher Bildung), als innerer curricular und didaktisch gestaltbarer Unterrichtsgegenstand im Zusammenhang mit Ökonomie und Ökonomik (z. B. Kalkulation, Optimierung, Rationalisierung) und als Ziel beruflicher Sozialisation (z. B. Selbstrationalisierung, unternehmerische Selbstbildung). Das, was die verschiedenen Ebenen, die der berufsbildungspolitischen Bedingungen der Ökonomisierung, die der curricularen und didaktischen Gestaltung des ökonomischen Unterrichts und die der beruflichen Sozialisation, miteinander verbinden könnte, ist eine Verständigung über Auffassungen von Ökonomie und Ökonomisierung, die eine kriti­sche Reflexion von Möglichkeiten und Grenzen der Ökonomisierung verschiedener gesellschaftlicher Bereiche und die Frage nach alternativen Verständnissen von Ökonomie und Ökonomisierung und deren kritisch-emanzipatorisches Potenzial miteinschließt.

Angesichts dessen, dass die Berufs- und Wirtschaftspädagogik eine ihrer Aufgaben darin sieht, künf­tige Lehrer/-innen darin zu befähigen, aus einer „ethisch legitimierten und selbstreflexiv kontrollierten Perspektive Urteile zu bilden“ (Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik 2014, S. 5), kann sich die Auseinandersetzung mit Ökonomie und Ökonomisierung nicht mehr nur auf die Frage nach dem Er­werb fachwissenschaftlicher Kenntnisse der Wirtschaftswissenschaften konzentrieren, sondern muss auch wirtschaftliche Entscheidungen und Handlungen im Kontext politischer, sozialer und ethischer Problemstellungen differenziert aufnehmen, mit dem Ziel, ökonomische Verhältnisse und Prozesse der Ökonomisierung in sozialer und ökologischer Verantwortung kritisch beurteilen und gestalten zu kön­nen.

Aus dieser Perspektive ergibt sich eine Verbindung zwischen Ökonomisierung und ökonomischer Bil­dung.

Mit dieser Ausgabe von bwp@ möchten wir vom Standpunkt der Berufs- und Wirtschaftspädagogik aus die beiden Aspekte „Ökonomisierung“ und „ökonomischen Bildung“ in ihrer Verschränktheit thematisie­ren. Der Begriff „Verschränktheit“ zeigt an, dass es uns ausdrücklich nicht um isolierte Darstellungen einzelner Theorieansätze, Prozesse, Maßnahmen oder Phänomene der „Ökonomisierung“ oder „öko­no­mischen Bildung“ geht, sondern der Ausgangspunkt der einzureichende Artikel soll der innere Zu­sammenhang von Prozessen der „Ökonomisierung und der ökonomischen Bildung“ auf den nach­stehenden Ebenen sein.

A: Reflexion und Theorie

Für diese Ebene sind Beiträge erwünscht, die sich aus bildungstheoretischer Perspektive grundlegend mit Theorien und Konzepten der Ökonomisierung und ihrer Handlungsprinzipien (bspw. Wettbewerb, Privatisierung, Steuerung, Leistungsrationalität, Selbstverantwortung) auseinandersetzen. Gewünscht sind sowohl begriffs- und konzeptanalytische Beiträge wie auch Abhandlungen, die historische und aktuelle Ökonomisierungsdiskurse und deren Bedeutung für die ökonomische Bildung nachzeichnen und reflektieren.

B: Politik und Gestaltung

Diese Ebene fokussiert auf bildungspolitische und -planerische Abhandlungen. Es werden Beiträge erwartet, die ökonomische Prinzipien (bspw. Effizienz, Leistungsorientierung), Konzepte (bspw. Diffe­ren­zierung des Schulsystems) oder Regeln/Vorgaben (bspw. Bildungsstandards, Curricula, Schul­evaluation) erörtern und bewerten, die zu strukturellen Vorgaben im ökonomischen Bildungsbereich wur­den oder voraussichtlich werden.

C: Institution und Organisation

In der Rubrik „Institution und ihre Organisation“ werden Abhandlungen aufgenommen, die sich mit der Transformation ökonomischer Struktur- und Handlungsprinzipien auf die Bildungsinstitution und ihrer inne­ren Verfasstheit beschäftigen. Angesprochen ist die ökonomische Durchdringung von institutio­nel­len Rahmenbedingungen (bspw. interne Verwaltung), Führungsstrukturen (bspw. Schulleitungs­hierar­chie) Schulkonzepten (bspw. Marketingstrategie) sowie Schullehrplänen (bspw. Geschäftspro­zess­orien­tierung).

D: Ökonomische Lerngegenstände

Unter dieser Rubrik erwarten wir Beiträge, die sich auf einer curricularen und/oder didaktischen Ebene mit Fragen der Funktionen, der Ziele und der Gegenstände kaufmännischer, ökonomischer oder sozio­ökonomischer Bildung auseinandersetzen Dies können theoretisch-konzeptionelle Beiträge, empirische Untersuchung oder konstruktive Entwürfe sein. Die Abhandlungen sollen in jedem Fall eine kritische Refle­xion und Rekonstruktion des Ökonomischen im Sinne der oben ausgeführten Verschränkungs­idee mit umfassen.

E: Lehr-Lernprozesse aus ökonomischer Perspektive

Die Lehr-/Lernprozessebene adressiert Beiträge, die nach der ökonomischen Durchdringung des unter­richtlichen Planens und Handelns fahnden. Es soll Aufschluss darüber gegeben werden, welches öko­no­mische Verständnis sich in Konzepten und Modellen der Planung (bspw. Planungseffizienz, Output­orientierung), Durchführung (bspw. Ökonomieverständnis im Planspieleinsatz) und Evaluation (bspw. Prüfungseffektivität, Lernerfolgskontrollen) von Unterricht niederschlägt. In dieser Rubrik werden auch Abhandlungen aufgenommen, die sich mit den sozialisatorischen Einflüssen der Ökonomisierung auf die Lehrenden und Lernenden befassen (bspw. unternehmerische Selbstbildung, Konsumorientierung).

 

Interessenten bitten wir, uns spätestens bis zum

21. Mai 2018

ein maximal halbseitiges Abstract (bitte nicht mehr als 200 Wörter!) ausschließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.

Die Abstracts werden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
  • Fragestellung / Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
  • Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungsbericht etc.)
  • Aufbau des Textes
  • Zuordnung zu einem der drei möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskus­sions­beitrag oder Berichte & Reflexionen, siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der Sie nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrich­tung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin bzw. zum Autor bzw. zu den Autoren und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate.

Wir informieren Sie bis spätestens 10. Juni 2018, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 12. September 2018 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).

Online gehen wird Ausgabe 35 im Dezember 2018.

Karin Büchter, Tade Tramm und Jens Klusmeyer
(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber von bwp@ Nr. 35)

 

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