Call for Papers

Ausgabe 36 (Frühjahr/Sommer 2019) von bwp@:

Historiografische Berufsbildungsforschung

Sich mit der Geschichte der Berufsbildung zu befassen, heißt, Entstehungs- und Entwicklungsprozesse zu ergründen und sich Gewissheit darüber zu verschaffen, was berufliche Bildung in der Vergangenheit war und wie sie realisiert wurde. Der Sinn historiographischer Berufsbildungsforschung besteht darin zu verstehen, wann und warum die berufliche Bildung und ihre Gegenstände wie entstehen, wodurch sie sich verändern und warum sie überdauern. Aktuelle Diskussionen und Forschungen über die künftige Entwicklung und Gestaltung von beruflicher Bildung, die den historischen Gehalt, ihr Gewordensein und ihre Generierungszusammenhänge berücksichtigen, können gegenwärtige Besonderheiten der beruflichen Bildung sowie Gründe und Prozesse ihres Zustandekommens differenzierter nachvollziehen und begründen.

Historiographische Berufsbildungsforschung gehörte nie zu den prominenten Bereichen in Forschung und Lehre der Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Die kontinuierlichen Lamenti über ihren marginalen Status haben bislang nicht dazu geführt, dass dieser Schwerpunkt innerhalb der Berufsbildungsforschung und der universitären Ausbildung an Bedeutung gewonnen hat. Damit hat sich bislang auch die Hoffnung, die historiographische Forschung berufs- und wirtschaftspädagogischer Gestalt könne die weitgehend brachliegende Selbstreflexion der Disziplin antreiben, nicht realisiert.

Im Widerspruch dazu steht, dass kontinuierlich historiographische Forschungsbefunde in Form von Qualifizierungsarbeiten, Sammelbänden oder Aufsätzen publiziert werden. Unklar ist jedoch, ob und inwieweit diese rezipiert werden und in die aktuelle Forschung und Lehre der Berufsbildung einfließen.

Mit dieser Ausgabe von bwp@ wollen wir anhand von Einzelbeiträgen einen Einblick in die Geschichtlichkeit der Berufsbildung und ihre einzelnen Bestandteile, in die Forschungsrelevanz der historiographischen Berufsbildungsforschung sowie in die Bedeutung der Historiographie für aktuelle Auseinandersetzungen mit Positionen, Strukturen, Prozessen und Alltagswelten in der Berufsbildung geben.

Uns interessieren systematische Beiträge zur Historiographie von Berufsbildung, die sich auf wissenschaftstheoretische und methodologische Fragen konzentrieren, aber vor allem interessieren uns Beiträge, die Forschungsergebnisse präsentieren. Die Forschungsbeiträge sollten verdeutlichen, mit welchem erkenntnistheoretischen Interesse historiographisch geforscht wird, anhand welcher Methoden die Forschungen durchgeführt werden und welcher Erkenntnisgewinn aus den historiographischen Rekonstruktionen für die Berufsbildungsforschung und -diskussion gezogen werden kann. Einen besonderen Wert legen wir zudem auf die Arbeit mit Originalquellen.

 

Die Beiträge können folgenden drei Schwerpunkten oder ihren Schnittbereichen zugeordnet werden.

A) Ideen und Diskurse über Berufsbildung

Die Geschichte der Berufsbildung manifestiert sich in Ideen, Programmatiken, Positionen und Diskursen beispielsweise zu ‚einheimischen‘ Grundbegriffen der Berufs- und Wirtschaftspädagogik (z.B. Beruf, Bildung, Arbeit, Ökonomie, Technik), zu einzelnen Gegenständen oder zu konkreten Problemen und Fragestellungen. Ideen- und diskurshistorische Rekonstruktionen können Bedingungen und Prozesse der Entstehung, der Veränderung und der Hartnäckigkeit von Sichtweisen und ‚Theorien‘ über Berufsbildung, ihre Kategorien und Bestandteile verdeutlichen. Sie können die historische Verflochtenheit der Berufsbildung mit dem jeweiligen historischen Zeitgeist und daraus abgeleitete Folgerungen analysieren. Gleichzeitig können Analysen von Ideen- und Diskurslinien die Frage nach ermöglichenden oder einengenden Hypotheken und Zäsuren im gegenwärtigen Denken über Berufsbildung aufwerfen.

B) Strukturen und Prozesse der Berufsbildung

Rekonstruktionen von Strukturen, Prozessen, Konstellationen und Konflikten in der beruflichen Bildung können der Sozialhistoriographie der Berufsbildung zugeordnet werden. Hierzu zählen beispielsweise Studien, die die Entwicklung, Ausdifferenzierung oder auch Reduzierung von Berufsbildungsstrukturen in ihren kulturellen, sozialen, ökonomischen und regionalen Kontexten historiographisch analysieren. Dies können organisationale Strukturen (z.B. Einrichtungen, Lernorte, Administrationen), institutionellen Strukturen (z.B. Recht, Ordnungen, Curricula, Personal) oder personelle Strukturen (z.B. Lehrpersonen, Ausbildungspersonal, Fachkräfte) sein. Von besonderem Interesse sind hier auch historiographische Analysen von Akteurshandeln sowie von politischen Konstellationen, von Prozessen der Aushandlung und Durchsetzung von Interessen und ihren Einfluss auf Entwicklungsrichtungen der beruflichen Bildung im Bildungs- und Beschäftigungssystem, insbesondere im Hinblick auf Durchlässigkeiten und Schließungen.

C) Subjekte und Alltagswelt der Berufsbildung

Historiographische Rekonstruktionen der Berufsbildung können sich nicht auf makrohistoriographische Fragen danach beschränken, wie über die Berufsbildung der Jugend gedacht wurde, und wie die Strukturen ihrer Beschulung und Erziehung verhandelt, organisiert und durchgeführt wurden. Eine Ergänzung dazu und ebenso erhellend können auch mikrohistoriographische Perspektiven auf die Subjekte und ihre Alltagswelten in der Berufsbildung sein. Hierbei geht es beispielsweise um Wahrnehmungen, Erlebnisse und Erfahrungen, um Einstellungen und Interessen von Jugendlichen im Berufsbildungsalltag sowie um berufsbiographische Entwicklungen. Relevant hierbei sind historische Hinweise auf Zusammenhänge zwischen sozialen, kulturellen und ökonomischen Kontexten von Jugendlichen und ihren Berufsbildungsentscheidungen und -wegen. Ebenso sind die Erkenntnisse über das Denken, Fühlen und Handeln von Akteuren in der unmittelbaren beruflichen Bildung und in ihrer organisationalen und lokalen Vernetztheit von Belang.

Zu den genannten drei (Schnitt-)Bereichen erbitten wir in erster Linie Forschungsbeiträge. Berücksichtigt werden auch Diskussionsbeiträge oder Beiträge im Format „Berichte und Reflexionen“ (siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Interessenten bitten wir, uns spätestens bis zum

6. Dezember 2018

ein maximal halbseitiges Abstract (bitte nicht mehr als 200 Wörter; mit 3-6 Schlüsselwörtern versehen) ausschließlich an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden – andernfalls ist ein blind review nicht möglich!

Die Abstracts werden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • Relevanz des Themas / Bezug zum Call for paper
  • Fragestellung/Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
  • Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungsbericht etc.)
  • Aufbau des Textes
  • Zuordnung zu einem der drei möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskussionsbeitrag oder Berichte & Reflexionen, siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@ Homepage beim Call for Papers zu findende Formatvorlage (http://www.bwpat.de/cfp-aktuell), der wir nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zum/r Autor/in bzw. zu den Autoren und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate. Wir werden versuchen, Sie bis spätestens 20.12.2018, zu informieren, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird.

Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 22. März 2019 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage, die wir Ihnen mit Annahme Ihres Abstracts zusenden werden).

Online wird Ausgabe 36 im Juni 2019 gehen.

Karin Büchter, Anna Lambert (Gastherausgeberin), Mathias Götzl (Gastherausgeber) und Franz Gramlinger
(Inhaltlich verantwortliche HerausgeberInnen von bwp@ Nr. 36)



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