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 bwp@ Ausgabe Nr. 9 | Dezember 2005
Betrieb als Lernort

Betriebliche Bildungsarbeit und das Wissen der Unternehmung – eine sozialkonstruktionistische Untersuchung


 

 

Abstract

Die Diskussionen um das Wissen der Unternehmung haben in den letzten 15 Jahren sowohl in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als auch in der Unternehmenspraxis Formen angenommen, die eine Erfassung dieser Phänomene als ‚Wissensdiskurs' nahe legen. Der Beitrag fasst die Ergebnisse einer unter Bezugnahme auf die sozialwissenschaftliche Methode der Diskursanalyse durchgeführten Studie zum betrieblichen Wissensdiskurs zusammen.

Der Beitrag beleuchtet zunächst den sozialkonstruktionistischen Bezugsrahmen der Analyse und ordnet diese Perspektive in den Kontext konstruktivistischer Positionen ein. Die Varianten des Sozialkonstruktionismus werden dabei als postmoderne Ausleger des konstruktivistischen Paradigmas interpretiert. Anschließend wird kurz in die Foucault'sche Diskurstheorie eingeführt, die als theoretischer Ausgangspunkt und Interpretationsfolie der Untersuchung dient. Diskurse werden hier als Aussagesysteme definiert, die einer bestimmten Formation angehören und die eine über Wort- und Satzgrenzen hinausgehende Machtwirkung entfalten.

Anschließend wird dargestellt, wie dieser Wissensdiskurs mittels einer Foucault'schen Diskursanalyse als Variante sozialkonstruktionistischer Forschung untersucht werden kann. Dabei stehen inbesondere Macht-Wissens-Formationen in Bezug auf die betriebliche Bildungsarbeit im Mittelpunkt. Es kann gezeigt werden, dass der Wissensdiskurs ein flexibles, kognitiv sehr leistungsfähiges, selbstorganisationsfähiges ‚Innovationssubjekt' hervorbringt, insofern aber gleichzeitig alle dieser Beschreibung nicht zuordenbare Mitarbeiter/innen ausgrenzt und dass eindeutige Ausschlussmechanismen vom Wissensdiskurs in Bezug auf die berufliche Berufsausbildung nachweisbar sind. Leitbild für die Entwicklung beruflicher Kompetenzen ist im Wissensdiskurs eher eine universalistische Form der Personalentwicklung unter Betonung informeller selbstorganisierter Lernprozesse.

Seit Beginn der 1990er Jahre wird das Thema ‚Wissen der Unternehmen' in Wissenschaft und Unternehmenspraxis verstärkt diskutiert. Die Diskussion hatte im Verlauf dieser letzten 15 Jahre unterschiedliche Schwerpunkte: von Überlegungen zur Verwirklichung eines ‚Lernens' von Organisationen über managementprozessorientierte Wissensmanagementkonzepte bis hin zu informationstechnischen Umsetzungsformen und Tools. Die Beschäftigung mit diesen Themen in Führungsetagen und Beratung kumulierte in einer Flut von Publikationen unterschiedlichster Art und Güte. Heute hat sich die Euphorie über die Thematik zwar durchaus abgekühlt, die Beschäftigung mit dem Thema ‚Wissen der Unternehmung' scheint jedoch trotzdem auf dem Weg eine nachhaltige Wirkung zu entfalten.


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