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Call for Papers
Ausgabe 52 (Juni 2027) von bwp@:
Basiskompetenzen in der berufsbezogenen Bildung
Der Begriff der Basiskompetenzen hat in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Zugleich besteht weder in der Berufsbildungsforschung noch in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik bislang ein einheitliches Begriffsverständnis. Je nach wissenschaftlicher Tradition und Anwendungskontext werden Bezeichnungen wie Basiskompetenzen, basale Kompetenzen, Grundkompetenzen, Foundational Skills, Basic Skills, Core Competences oder auch Ausbildungsreife/-fähigkeit verwendet, die sich in Umfang und Abgrenzung erheblich unterscheiden.
Weitgehend Konsens besteht darin, dass grundlegende Lese-, Schreib- und mathematische Kompetenzen (Literacy und Numeracy) zu den Basiskompetenzen zählen. Darüber hinaus werden zunehmend naturwissenschaftliche, soziale und emotionale sowie selbstregulatorische Kompetenzen als grundlegende Voraussetzungen erfolgreichen Lernens und Handelns diskutiert.
Für die Berufsbildung besitzen Basiskompetenzen eine besondere Bedeutung. Sie bilden wichtige Voraussetzungen für berufliches Lernen, den Erwerb beruflicher Handlungskompetenz sowie für erfolgreiche Bildungs- und Erwerbsverläufe. Digitalisierung, der Einsatz generativer KI, demografischer Wandel, Fachkräftesicherung sowie kontinuierliche Qualifizierungsanforderungen erhöhen die Anforderungen an grundlegende Kompetenzen. Gleichzeitig stellen Basiskompetenzen eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration dar.
Die veränderten Anforderungen und Handlungserfordernisse, die sich aus gesellschaftlichen Transformationsprozessen ergeben, bleiben in diesem Zusammenhang häufig unberücksichtigt. Insbesondere für die berufliche Bildung stellt sich daher die Frage, wie junge Menschen auf die sich wandelnden Anforderungen der Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet werden können. Eine systematische Verknüpfung dieser Diskussion mit Fragen des Umgangs mit und der Förderung von Basiskompetenzen ist bislang jedoch nur in begrenztem Umfang erkennbar.
Obwohl Basiskompetenzen zunehmend Gegenstand internationaler Vergleichsstudien, bildungspolitischer Strategien und wissenschaftlicher Forschung sind, bestehen in der Berufsbildung weiterhin erhebliche konzeptionelle, diagnostische und didaktische Herausforderungen. Dazu gehören insbesondere Fragen der begrifflichen Fundierung, der Kompetenzmodellierung, der Diagnostik, der Förderung sowie ihrer Bedeutung in unterschiedlichen Lernorten und Bildungsphasen der Berufsbildung.
In der Ausgabe 52 von bwp@ möchten wir konzeptionelle, historische, empirische und methodische Beiträge ebenso wie reflektierte Praxisbeiträge zusammenführen, die sich mit Basiskompetenzen in der Berufsbildung auseinandersetzen. Willkommen sind Artikel zur kaufmännischen, gewerblich-technischen und personenbezogenen Berufsbildung sowie zum Übergangssystem. Besonders willkommen sind Beiträge, die Basiskompetenzen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten der Berufsbildung in den Blick nehmen. Hierzu zählen insbesondere die duale Berufsausbildung einschließlich der überbetrieblichen Bildungsstätten, der Übergang von der Schule in den Beruf, die betriebliche Aus- und Weiterbildung sowie die arbeitsbezogene Bildung beziehungsweise das Lernen im Kontext beruflicher Arbeit. Darüber hinaus sind Beiträge zu Basiskompetenzen in der Höheren Berufsbildung sowie im Zusammenhang mit Reskilling- und Upskilling-Prozessen ausdrücklich erwünscht. Alle Beiträge sollten einen klaren Bezug zur Berufsbildung aufweisen.
I. Basiskompetenzen konzeptualisieren: Begriffliche, theoretische und historische Perspektiven und ihre Bedeutung für die berufliche Bildung
Dieser Themenschwerpunkt widmet sich der konzeptionell-begrifflichen Fundierung von Basiskompetenzen. Beiträge können unterschiedliche Begriffsverständnisse vergleichen und deren Konsequenzen für Forschung, Bildungspolitik und Berufsbildungspraxis diskutieren. Von besonderem Interesse sind Beiträge, die das Verhältnis von Basiskompetenzen zu Beruflichkeit, beruflicher Handlungskompetenz und beruflicher Identitätsentwicklung theoretisch reflektieren.
Beispielhafte Themen sind:
- Begriffliche Abgrenzung von Basiskompetenzen, Grundkompetenzen, Foundational Skills, Basic Skills und verwandten Konzepten
- Verhältnis von allgemeinen (domain-general), berufsbezogenen (domain-related) und berufsspezifischen Kompetenzen (domain-specific)
- Basiskompetenzen als Voraussetzung oder Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz
- Verhältnis von Basiskompetenzen und Beruflichkeit
- Bedeutung von Basiskompetenzen für die Entwicklung beruflicher Identität und/oder Selbstwirksamkeit
- Kompetenzmodelle und theoretische Zugänge
- historische Entwicklung des Begriffs
II. Basiskompetenzen diagnostizieren als Voraussetzung für die Förderung in der beruflichen Bildung
Basiskompetenzen gewinnen sowohl für die schulische als auch für die betriebliche und außerbetriebliche Bildungsarbeit an Bedeutung. Voraussetzung hierfür sind geeignete Kompetenzverständnisse bzw. -modelle und diagnostische Verfahren in der beruflichen Bildung.
Beiträge können sich unter anderem mit folgenden Themen befassen:
- Kompetenzmodellierung von Basiskompetenzen in der beruflichen Bildung
- Operationalisierung von Basiskompetenzen in der beruflichen Bildung
- Kompetenzmessung, Screeningverfahren, Beobachtungsverfahren, standardisierte Tests und profilanalytische Verfahren als Voraussetzung für die Förderung in der Berufsbildung
- Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher und informeller Diagnostik in Schule und Betrieb
- Lehrkräfte und Ausbilder:innen als diagnostizierende Praktiker:innen
III. Wege der Förderung von Basiskompetenzen in der beruflichen Bildung
Die Förderung von Basiskompetenzen stellt eine zentrale Herausforderung für alle Bereiche der Berufsbildung dar. Von Interesse sind Beiträge, die Förderansätze theoretisch begründen, empirisch untersuchen oder praktische Erfahrungen reflektieren.
Beispielhafte Themen sind:
- Integrative Förderung von Basiskompetenzen im beruflichen Lernen (z.B. in Lernsituationen, Förderarchitekturen, Integration in Stundenpläne)
- Förderung von Basiskompetenzen außerhalb beruflichen Unterrichts (z.B. Zusatzunterricht)
- Response-to-Intervention (RTI) oder Multi-Tiered Systems of Support (MTSS) in der Berufsbildung
- individualisierte Förderkonzepte in der Berufsbildung
- lernortübergreifende Förderstrategien
- Förderung in Schule, Betrieb und außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen
IV. Basiskompetenzen: Forschungsmethodische Perspektiven
Gesucht werden Beiträge, die methodische Entwicklungen oder Forschungsdesigns zur Untersuchung von Basiskompetenzen vorstellen oder reflektieren. In besonderer Weise sind auch Beiträge gewünscht, die den Gestaltungsbeitrag der Forschung reflektieren.
Dazu zählen beispielsweise:
- Entwicklung und Validierung von Kompetenzmodellen
- Interventionsstudien
- Längsschnittstudien
- Mixed-Methods-Ansätze
- internationale Vergleichsstudien
- Sekundäranalysen
- Design-Based Research
- systematische Reviews
- Meta-Analysen
V. Basiskompetenzen: Gesellschaftliche Perspektiven
Basiskompetenzen werden zunehmend auf unterschiedlichen Ebenen der Bildungs- und Beschäftigungspolitik diskutiert. Die Beiträge in dieser Rubrik sollten einen klaren Bezug zur beruflichen Bildung aufweisen. Aus dieser Perspektive können beispielsweise folgende systemische Aspekte behandelt werden:
- Basiskompetenzen und Bildungsstandards
- Basiskompetenzen in Curricula
- Basiskompetenzen in Qualifikationsrahmen
- Basiskompetenzen und gesellschaftliche Teilhabe
- Basiskompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit
- Basiskompetenzen im digitalen Wandel
- Basiskompetenzen angesichts generativer KI
- internationale Vergleichsperspektiven
- bildungspolitische Strategien
- Inklusion und Chancengerechtigkeit
Beiträge aus der Praxis
Ausdrücklich eingeladen sind Praktikerinnen und Praktiker aus Schulen, Betrieben sowie außerbetrieblichen Bildungs- und Qualifizierungseinrichtungen, Beiträge für die Rubrik „Aus der Praxis“ einzureichen.
Gesucht werden Beiträge, die
- praxiserprobte Konzepte zur Förderung oder Diagnostik von Basiskompetenzen vorstellen,
- Erfahrungen, Herausforderungen und Gelingensbedingungen reflektieren,
- die Übertragbarkeit von Konzepten auf andere Institutionen und Kontexte diskutieren oder
- kritisch-kontroverse Perspektiven auf das Themenfeld eröffnen.
Eine explizite theoretische Fundierung ist möglich, jedoch keine Voraussetzung. Im Mittelpunkt stehen nachvollziehbare Praxiserfahrungen und deren Reflexion.
Nicht Gegenstand der Ausgabe
Nicht Gegenstand der Ausgabe sind Beiträge
- zu Basiskompetenzen ohne Bezug zur Berufsbildung, zum Beispiel Förderung in der frühkindlichen Bildung oder in der Sekundarstufe,
- zur allgemeinen Erwachsenenalphabetisierung und Grundbildung ohne Bezug zur beruflichen Bildung,
- zum nachhaltigen beruflichen Handeln als Basiskompetenz, da dieses Themengebiet bereits Gegenstand mehrerer früherer bwp@-Ausgaben war,
- zu digitalen Kompetenzen oder zum Einsatz digitaler Technologien, sofern diese nicht ausdrücklich im Zusammenhang mit Basiskompetenzen in der beruflichen Bildung konzeptualisiert, untersucht oder diskutiert werden,
- zur Demokratiekompetenz und zum Demokratielernen, sofern der Schwerpunkt nicht auf Basiskompetenzen in der beruflichen Bildung liegt,
- zur allgemeinen Sprachförderung, vor allem in Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache, ohne Bezug zur beruflichen Bildung,
- zur Förderung mathematischer Kompetenzen ohne Bezug zur beruflichen Bildung,
- zur Hochschulbildung und Bildung von Lehrkräften, auch mit Blick auf Basiskompetenzen,
- zu allgemeinen Schlüsselkompetenzen, Future Skills oder Persönlichkeitsentwicklung ohne explizite Einordnung als Basiskompetenzen,
- S. reiner Projektbeschreibungen ohne konzeptionelle, theoretische oder empirische Reflexion.
Interessent:innen an Ausgabe 52 von bwp@ bitten wir, uns spätestens bis zum
13. November 2026
ein ca. einseitiges Exposé (Vorlage: https://www.bwpat.de/vorschau/expose_vorlage_bwpat52.docx) ausschließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.
Die Exposés werden anhand folgender Kriterien bewertet:
- Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
- Fragestellung / Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
- Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungsbericht etc.)
- Aufbau und geplante Gliederung des Textes
- Zuordnung zu einem der möglichen bwp@-Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskussionsbeitrag, Berichte & Reflexionen oder Aus der Praxis), siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).
Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der wir nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin/zum Autor bzw. zu den Autor:innen sowie die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate.
Wir informieren Sie bis 4. Dezember 2026, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 16. März 2027 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).
Die Ausgabe 52 wird im Juni 2027 online gehen.
Karl Wilbers, H.-Hugo Kremer, Stefanie Hiestand & Marcel Schweder
(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber:innen von bwp@ Nr. 52)

