Call for Papers

Ausgabe 51 (Dezember 2026) von bwp@:

Drop-outs in der beruflichen Bildung

Im aktuellen Datenreport (BIBB 2025, S. 227) wird berichtet, dass im letzten Jahr für 18 Prozent der Ausbildungsplatzbewerber:innen Vermittlungsbemühungen eingestellt wurden, da sie unbekannt verblieben sind. Wer als unbekannt Verbliebene bezeichnet werden kann, wie sich der als unbekannt bezeichnete Verbleib darstellt und was danach folgt, ist bislang kaum systematisch erforscht. Unklar ist auch, inwieweit es sich bei den unbekannt Verbliebenen um im internationalen Kontext sogenannte NEETS (Not in Education, Employment or Training) handelt und / oder um jene, die eigeninitiativ einfach nur eine nachschulische Bildungsoption oder Beschäftigung jenseits von formalisierten Vermittlungsprozessen in Ausbildung gewählt haben. Am Ende der Statuspassage im Anschluss an die allgemeinbildende Schulzeit verbleiben letztendlich immerhin 16,7 Prozent der Erwachsenen im Alter von 25-30 Jahren ohne einen beruflichen oder akademischen Abschluss. (Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung 2024, Tab.B5-1web). Im Kontext dieser Herausforderungen für Jugendliche am Übergang Schule-Beruf erscheint auch der Übergang von der Jugendphase in den Erwachsenenstatus insgesamt destandardisiert und als dauerhafter Orientierungsprozess (Stauber & Walther 2006).

Mit dieser Ausgabe von bwp@geht es uns um Drop-outs in der beruflichen Bildung. In der Bildungs- bzw. Schulforschung sind Drop-outs (Ricking et al., 2009; Stamm, 2012) Jugendliche, die aus dem (Aus-)Bildungssystem ausgestiegen sind, die Schule, nachschulischer Übergang oder Ausbildung freiwillig oder unfreiwillig abgebrochen haben, weil sie sich aufgrund von veränderten subjektiven Lern- und Lebenskonzepten, von sozialen oder psychischen Belastungen, Desintegrations- und Diskriminierungserfahrungen anders orientiert und entschieden haben oder lernmüde und lernwiderständig geworden sind. Das Aussteigen oder Herausfallen aus schulischer und beruflicher Bildung bedeutet für junge Menschen eine Herausforderung im Umgang mit – gemessen an biographischen Normalitätsvorstellungen – Umbrüchen bzw. diskontinuierlichen oder auch riskanten Lebensläufen.

In der Berufsbildungsforschung gehören das freiwillige und unfreiwillige Aufhören, in Form von Maßnahmenabbruch im Übergangssystem, Ausbildungsabbruch bzw. Vertragslösung zu relevanten Diskussions- und Forschungsgegenständen. Allerdings richtet sich das Hauptinteresse schwerpunktmäßig an Fragen nach unmittelbaren Gründen im Entscheidungsprozess kurz vor dem Ausstieg, nach der Optimierung von Orientierungs- und Entscheidungskompetenzen der Jugendlichen sowie von Qualität und Professionalität im Übergang und in Ausbildung. Wenig Beachtung finden längere subjektive Anläufe, biographische Hintergründe, aktuelle Lebenskontexte, Zukunftsrationalitäten, (nach-)schulische und ausbildungsbezogene Erfahrungen, Wahrnehmungen und Deutungen hinsichtlich von Personen und Ereignissen in Schule, im Übergang oder in Ausbildung, die eine Rolle beim Drop-out spielen.

Wir möchten in dieser Ausgabe von bwp@Beiträge versammeln, die das mit „unbekannt verblieben“ Gemeinte beleuchten und Erkenntnisse dazu liefern, um wen es sich hierbei handelt, und was über die unbekannt Verbliebenen bekannt ist. Erwünscht sind Beiträge, die sich vor allem theoretisch und empirisch-analytisch mit dem Phänomen Drop-out in der (nach-)schulischen und beruflichen Bildung befassen.

Uns interessiert vor allem die subjektive Perspektive der unbekannt Verbliebenen bzw. Drop-outs, ihr biographischer, lebensweltbezogener, schulisch-/ausbildungsbedingter Weg, ihre Perspektiven auf und Sinnzuschreibungen an sowie Bewertungen von Schule und Ausbildung als institutionelle Kontexte von Orientierungen und Entscheidungen zum Ausstieg.

Nicht zuletzt ist für uns die Frage relevant, wie Jugendliche ihr Verlassen oder das Herausfallen subjektiv bewerten und verarbeiten, wie sie es bewältigen und was danach kommt.

Uns ist weniger an Beiträgen gelegen, die vorschnell das Ziel der pädagogisch-konzeptionellen Problemlösung und Intervention verfolgen. Es sind vor allem Beiträge willkommen, in denen es um reflexiv-rekonstruktive, subjektorientierte, biographische und institutionenkritische Analysen geht, und die vor allem die Jugendlichen zu Wort kommen lassen.

Interessent:innen an Ausgabe 51 von bwp@ bitten wir, uns spätestens bis zum

11. Mai 2026

ein ca. einseitiges Exposé (Vorlage: https://www.bwpat.de/vorschau/expose_vorlage_bwpat51.docx) aus­schließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.

Die Exposés werden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
  • Fragestellung / Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
  • Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungs­bericht etc.)
  • Aufbau und geplante Gliederung des Textes
  • Zuordnung zu einem der vier möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskussionsbeitrag, Berichte & Reflexionen oder Aus der Praxis), siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der wir nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin/zum Autor bzw. zu den Autor:innen und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@Beitrags-Formate.

Wir informieren Sie bis 2. Juni 2026, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 15. September 2026 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).

Online gehen wird Ausgabe 51 im Dezember 2026.

Karin Büchter, Nicole Naeve-Stoß & Christian Schmidt
(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber:innen von bwpNr. 51)

Literatur:

Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024). Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützer Bericht mit einer Analyse zur Beruflichen Bildung. wbv. https://www.wbv.de/shop/openaccess-direct/6001820iw 

Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.) (2025). Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Ricking, H., Schulze, G. & Wittrock, M. (Hrsg.) (2009). Schulabsentismus und Dropout. Schöningh.(UTB).

Stamm, M. (2012). Schulabbrecher in unserem Bildungssystem. VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Stauber, B. & Walther, A. (2006). De-standardised pathways to aduldhood: European perspectives on informal learning in informal networks. Revista de sociologia(79), 242-262.

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