Call for Papers

Ausgabe 37 (Dezember 2019) von bwp@:

Berufs- und Wirtschaftspädagogik und ihr fachwissenschaftlicher Bezug

In welchem Verhältnis steht die Wirtschaftspädagogik zu den Wirtschaftswissenschaften. Wie lässt sich die Beziehung zwischen der Berufspädagogik mit den Didaktiken der gewerblich-technischen Fachrichtungen bzw. der Fachrichtungen der personenbezogenen Dienstleistungen zu den korrespondierenden Bezugswissenschaften beschreiben? Dies ist der Fragenkomplex, der mit dieser Ausgabe der bwp@ thematisiert werden soll. Schon die Formulierung dieses Gegenstandsbereiches erweist sich angesichts seiner Mehrdimensionalität und Heterogenität als herausfordernd. Zabeck (2009, 528f.) bringt dies in seiner „Geschichte der Berufserziehung und ihrer Theorie“ aus historischer Perspektive auf den Begriff:

Wenn heute Wirtschaftspädagogik und Berufspädagogik nicht mehr als unterscheidbare erziehungswissenschaftliche Teildisziplinen gelten, sondern ... unter der Bezeichnung ‚Berufs- und Wirtschaftspädagogik‘ eine Einheit bilden, beruht das nicht auf breiteren historischen Gemeinsamkeiten“. Er sieht die Entstehung der „Handelsschul- und späteren Wirtschaftspädagogik“ in den ersten beiden Dritteln des vorigen Jahrhunderts als Etablierung einer Disziplin an „vollakademischen Institutionen ..., die sich zuallererst der Aufgabe annahm, einen – am Erkenntnisfortschritt partizipierenden – relativ geschlossenen kaufmännischen Wissenskorpus unter die Perspektive der Berufsausbildung zu rücken. Für den gewerblichen Sektor gab es keine mit der Handelsbetriebslehre vergleichbare zentrale wissenschaftliche Fach- und Studiendisziplin und damit auch keine - sekundäre Differenzierungen übergreifende – Vorgabe, die die Herausbildung eines ‚fachdidaktischen Kerns‘ ermöglicht hätte“.

Vom fachwissenschaftlichen Bezug „der“ Berufs- und Wirtschaftspädagogik zu sprechen bindet entsprechend sehr unterschiedliche Gegenstände und Perspektiven zusammen:

  • Zunächst die sich offenbar in vielerlei Hinsicht, insbesondere aber hinsichtlich ihres Bezuges auf eine akademische Referenzdisziplin unterscheidenden Disziplinen der Berufs- und der Wirtschaftspädagogik.
  • Sodann die Berufspädagogik selbst, die erst in Verbindung mit den diversen Didaktiken der beruflichen Fachrichtungen einen der Wirtschaftspädagogik vergleichbaren Disziplinbezug findet.
  • Diese Didaktiken der beruflichen Fachrichtungen wiederum erweisen sich gerade im Hinblick auf den Stellenwert der akademischen Referenzdisziplin(en) als höchst unterschiedlich. Als disziplinäre Bezugspunkte bilden hier das Berufsfeld, auf das sich die Ausbildung richtet, mit dem berufspädagogischen Handlungsfeld und eben korrespondierenden Fachwissenschaften bzw. Kombinationen von Fachwissenschaften (bspw. Ingenieur- und Naturwissenschaften, Pflegewissenschaft, Medizin) ein komplexes Spannungsfeld.
  • Schließlich sollte unterschieden werden, ob die Art des fachwissenschaftlichen Bezuges als ein Aspekt des Selbstverständnisses der akademischen Disziplin betrachtet wird oder ob in pragmatischer Akzentuierung die Rede davon ist, in welcher Weise der fachwissenschaftliche Bezug in den berufs- und wirtschaftspädagogischen Studiengängen gestaltet oder problematisiert wird.

Mit dieser Ausgabe der bwp@ wollen wir diesen Problemraum in seiner ganzen Komplexität und Vielgestaltigkeit thematisieren und bitten um Beiträge, die diesen historisch-systematisch, konzeptuell-programmatisch, ideologiekritisch, gestaltend-pragmatisch und empirisch bearbeiten. Dazu könnten insbesondere Beiträge gehören,

  • die aus einer historisch-systematischen, hochschul- oder bildungspolitischen Perspektive die Entstehung, Etablierung und Ausdifferenzierung der Berufs- und Wirtschaftspädagogik unter der Perspektive ihres Verhältnisses zu den Fachwissenschaften thematisieren;
  • die auf einer konzeptionellen Ebene den Zuschnitt und das Verhältnis der disziplin-, berufs- und professionsbezogenen Studienanteile diskutieren und daraus konkrete Konsequenzen für die Gestaltung berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge entwickeln, erproben und evaluieren;
  • die sich empirisch mit der Gestaltung fachwissenschaftlicher Elemente des Berufsschullehrerstudiums und deren Relevanz für die spätere Berufsschullehrertätigkeit befassen;
  • die alternative institutionelle Varianten berufs- und wirtschaftspädagogischer Studiengänge, etwa in der Kombination von Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen begründen, evaluieren und diskutieren. In diesem Rahmen wären auch konsekutiv angelegte Konzepte von Quer- oder Seiteneinsteigerqualifizierungen und entsprechende internationale Erfahrungen von Interesse;
  • die sich im Kontext disziplinbezogener Studienkonzepte (ideologie-)kritisch mit dem curricularen Angebot fachwissenschaftlicher Studienanteile auseinandersetzen, sei es unter dem Aspekt der Relevanz dieser Curricula für die Handlungsfelder von Berufs- und Wirtschaftspädagogen oder der paradigmatischen Enge vs. Offenheit dieser Studienangebote in Bezug auf das spezifische Erkenntnisinteresse der Disziplinen selbst (z. B. Pluralistische Ökonomie, Sozioökonomie, Nachhaltigkeitsperspektive, Technikkritik, ethische Dimension von Technik und Ökonomie);
  • die sich subjektbezogen mit Fragen der Qualifizierung von Berufs- und Wirtschaftspädagogen im Spannungsfeld von Berufssozialisation, akademischer Fachsozialisation und Lehrersozialisation auseinandersetzen.

Interessenten bitten wir, uns spätestens bis zum

15. Mai 2019

ein ca. einseitiges Exposé (Vorlage: https://www.bwpat.de/vorschau/expose_vorlage_bwpat37.doc) ausschließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.

Die Exposés werden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • die Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
  • die Klarheit der Fragestellung / des Erkenntnisinteresse resp. der Intention des Beitrags
  • der Bezug zum Stand der Forschung und Entwicklung
  • die Angemessenheit des methodischen Vorgehens (z. B. Exploration, Verarbeitung von Literatur und theoretischen Ansätzen, Datenerhebung und -auswertung, Dokumentation und Reflexion
    von Erfahrungen)
  • die angemessene Strukturierung (geplanter Aufbau und Gliederung) des Textes
  • die nachvollziehbare Zuordnung zu einem der drei möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskus­sions­beitrag oder Berichte & Reflexionen, siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der wir nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrich­tung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin/zum Autor bzw. zu den AutorInnen und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate.

Wir informieren Sie bis spätestens 3. Juni 2019, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 15. September 2019 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).

Online gehen wird Ausgabe 37 im Dezember 2019.


Tade Tramm, Martin Fischer, H.-Hugo Kremer & Lars Windelband
(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber von bwp@ Nr. 37)

Literatur

Zabeck, J. (2009): Geschichte der Berufserziehung und ihrer Theorie. Paderborn.

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