Call for Papers

Ausgabe 43 (Dezember 2022) von bwp@:

Digitale Arbeitsprozesse als Lernräume für Aus- und Weiter­bildung

Lernen im Kontext von Arbeit ist die älteste Form der Aneignung und Vermittlung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Ausübung arbeits- und berufsbezogener Tätigkeiten. Daher ist auch der Arbeitsplatz der Lernort mit der längsten Tradition. Langfristige technische und ökonomische Trends ändern das Verhältnis von Arbeiten und Lernen. Daher gilt es, arbeitsbezogene Lernräume unter neuen und veränderten Bedingungen zu gestalten, insbesondere vor dem Hintergrund einer stär­keren Digitalisierung von Arbeitsprozessen und von neuen Potentialen von Lerntechnologien. Deutlich wird, dass die räumliche und zeitliche Entgrenzung digitaler Arbeit sowohl Chancen als auch Risiken für menschliches Lernen mit sich bringt. Lernräume, die auf digitale Arbeitsprozesse bezogen sind, kön­nen sowohl analog, hybrid als auch virtuell gestaltet sein. Verbunden mit Betrieben, beruflichen Schu­­len und Weiterbildungseinrichtungen sollen sie verschiedene Lernszenarien anbieten und unter­schied­­liche Lernaktivitäten ermöglichen, die im Zusammenhang mit beruflichen bzw. arbeits­bezoge­nen Anforderungen stehen, beispielsweise durch die realitätsnahe, didaktisch-reduzierte Abbildung von modernen und vernetzten Produktionsprozessen in Lernlaboren oder Lernfabriken bzw. durch arbeits­­bezogene Lernprozesse in 3D-Umgebungen.

In dieser Ausgabe von bwp@ geht es um theorie-, empiriebasierte und anwendungsbezogene Auseinandersetzungen mit Lernen in der digitalisierten Arbeit sowie mit digitalisierten Lernräumen (hybrid/ virtuell) mit einer großen Nähe zum Produktions-, Geschäfts- und Arbeitsprozess in der Aus- und Wei­ter­bildung. Dieses Lernen im Arbeitszusammenhang ist hinsichtlich der Inhalte und Ziele stark an Wert­schöpfungslogik, Beschaffenheit von betrieblichen Aufträgen und Aufgabengestaltung ausgerichtet. Gleichzeitig wird das Lernen in der digitalisierten Arbeit und das digitalisierte Lernen für die Arbeit von automatisierter Technik durch Lernsoftware und ihren Algorithmen (vor-)bestimmt. Da es in den digi­talisierten Arbeits- und Lernzusammenhängen keinen vorgeschriebenen Weg der Digitalisierung gibt, sondern dieser ausgehandelt und entschieden werden muss, steht auch hier – ebenso wie aktuell im Bildungs-/Schulkontext – die Fragen nach „digital ownership“ und „digital policy“ des verantwortlichen Bildungspersonals im Raum. Diese Fragen stellen sich vor allem, wenn Ausmaß, Grenzen und Reich­weiten von Lernförderlichkeit digitaler Arbeit und von Lernpotenzialen hybrider/virtueller Lernräume analysiert werden sollen.

Mit der Ausgabe 43 von bwp@ möchten wir Beiträge versammeln, die sich den folgenden vier Themen­schwerpunkten zuordnen lassen:

1. Auslöser und Potenziale des Lernens in und für digitale Arbeitsprozesse

In diesem Schwerpunkt interessiert uns beispielsweise, wodurch Lernen in der digitalisierten Arbeit angestoßen wird, wie es sich praktisch darstellt, und unter welchen Bedingungen und inwiefern Lernpotenziale und Lernförderlichkeit digitalisierter Arbeit erkennbar sind. Für hybride und virtuelle Lern­räume, die auf digitale Arbeitsprozesse bezogen sind, stellt sich die Frage, wer diese nach welchen Maßgaben und Standards gestaltet. Weitgehende Intransparenz besteht hinsichtlich der Frage, nach welchen Kriterien und Maßgaben diese Lernprozesse verlaufen.

2. Konzeption von Lernangeboten im Kontext digitaler Arbeitsprozesse und Lernräume

Was ist ausschlaggebend bei der Konzeption (z.B. betriebliche Lernbedarfe, subjektive Lernbedürfnisse, besondere Kompetenzanforderungen und/oder technische Vorgaben)? Hier stellt sich auch die Frage, ob und welche Spielräume der Entscheidung und Intervention bei der Lernprozessgestaltung am Arbeitsplatz und in hybriden/virtuellen Lernräumen bestehen und im Sinne von Lernförderlichkeit genutzt werden können. Inwiefern Digitalisierung in Form von Algorithmen und KI Entscheidungen für die Art und Weise von Lernen vorgeben und steuern, und inwiefern diese Wahrnehmungen und Einstellungen von Akteur*innen im Arbeits- und Lernkontext beeinflusst werden.

3. Subjektivierung und Entgrenzung durch die Digitalisierung in Arbeit und Lernen

Digitalisierung von Arbeit und Lernen basiert in der Regel auf Software, die an Effizienzkriterien ausgerichtet ist. Fremdsteuerung, Kontrolldruck und Selbstrationalisierung der Lernenden grenzen sub­jektive Interessen und Entfaltungsmöglichkeiten in digitalen Arbeitsprozessen und Lernräumen ein. Weitere Schattenseiten der Digitalisierung können „digital divide“, digitales „nudging“, Manipulation und Cybermobbing am Arbeitsplatz, in der Schule und Weiterbildung sein sowie der Verlust von Teilhabemöglichkeiten durch die Virtualisierung von Arbeits- und Lernwelten. Vor diesem Hintergrund interessieren uns Aspekte von subjektivem Widerstand, mögliche Entgrenzungen durch digitalisierte Lernsysteme, Aushandlungs- und Gestaltungsmacht in digitalisierten Arbeitsprozessen und Lernräumen.

4. Digital policy zwischen Betrieb und Schule vor dem Hintergrund digitalisierter Arbeit/ Ausbildung und hybrider/digitaler Lernkontexte

Digitale Technologien schaffen neue Möglichkeiten der Kooperation zwischen physisch getrennten Lernorten mit Relevanz für arbeitsbezogene Lernprozesse. Wie beeinflussen digitale Arbeits- und Lernkultur die Kooperationspolitik und Kooperationsprinzipien, -inhalte und -ziele zwischen Betrieb, Schule und/oder Weiterbildungseinrichtungen? Welche Risiken und Chancen zeichnen sich diesbe­züglich aus der Sicht dieser Institutionen und nicht zuletzt aus Perspektive der Lernenden ab? Welche Möglichkeiten entstehen durch gemeinsam genutzte Lernräume (u.a. Lernfabriken) im Kontext der Lernortkooperation?

Interessent*innen an Ausgabe 43 von bwp@ bitten wir, uns spätestens bis zum

15. Mai 2022

ein ca. einseitiges Exposé (Vorlage: https://www.bwpat.de/vorschau/expose_vorlage_bwpat43.docx) aus­schließlich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.

Die Exposés werden anhand folgender Kriterien bewertet:

  • Relevanz des Themas / Bezug zum Call for Papers
  • Fragestellung / Erkenntnisinteresse resp. Intention des Beitrags
  • Methodisches Vorgehen (Exploration, Datenauswertung, Literaturstudie, Theorieanalyse, Erfahrungs­bericht etc.)
  • Aufbau und geplante Gliederung des Textes
  • Zuordnung zu einem der drei möglichen bwp@ Beitrags-Formate (Forschungsbeitrag, Diskussionsbeitrag oder Berichte & Reflexionen, siehe dazu: http://www.bwpat.de/bwp-formate).

Bitte verwenden Sie dafür die auf der bwp@-Homepage unter Vorschau zu findende Formatvorlage (www.bwpat.de/bwpat-vorschau/cfp), der wir nicht nur den Titel und die inhaltliche Ausrichtung des geplanten Beitrags entnehmen können, sondern auch Informationen zur Autorin/zum Autor bzw. zu den Autor*innen und die Zuordnung zu einem der möglichen bwp@ Beitrags-Formate.

Wir informieren Sie bis spätestens 3. Juni 2022, ob wir Ihren Beitrag aufnehmen können und wie das weitere Procedere ablaufen wird. Die Beiträge selbst erbitten wir bis spätestens 19. September 2022 (ausschließlich unter Verwendung der dafür vorgesehenen Formatvorlage).

Online gehen wird Ausgabe 43 im Dezember 2022.

Karin Büchter, Karl Wilbers, Lars Windelband & Bernd Gössling

(Inhaltlich verantwortliche Herausgeber*innen von bwp@ Nr. 43)

 

 

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