bwp@ Spezial AT-8 - September 2026

Wirtschaftspädagogik in Österreich 2026

Beiträge zum 19. Österreichischen Wirtschaftspädagogikkongress

Hrsg.: Christiane Schopf

Zwischen Angst und Illusion. Einflussfaktoren auf das Sparen und Investieren und ihre Implikationen für die Finanzbildung

Beitrag von Bettina Greimel-Fuhrmann & Julia Riess
Schlüsselwörter: Finanzbildung, Finanzwissen, Kapitalanlage, Behavioral Finance

Eine Befragung österreichischer Erwachsener hat gezeigt, dass die Bereitschaft zu Wertpapierinvestitionen sowie deren Höhe maßgeblich durch Haushaltseinkommen, Interesse, Selbsteinschätzung des wertpapierrelevanten Wissens sowie wertpapierbezogene Überzeugungen beeinflusst werden. Letztere äußern sich vor allem als Skepsis gegenüber Wertpapieren und Angst vor Verlusten. Diese Risikoaversion wird auch durch den hohen Anteil niedrigverzinster Einlagen am österreichischen Geldvermögen deutlich. Auf der Finanzierungsseite werden hingegen häufig variabel verzinste und damit riskantere Optionen gewählt, was paradoxerweise auf eine höhere Risikobereitschaft hindeutet. Der vorliegende Beitrag analysiert diese Überzeugungen systematisch anhand von Erkenntnissen aus der Behavioral-Finance-Forschung. Als zentrale Erklärungsfaktoren erweisen sich Verlustaversion, Regretaversion und Geldillusion insbesondere in Kombination mit fehlendem Grundverständnis für faktenbasierte Investitionsprinzipien. Neben der konzeptionellen Erklärung dieser Phänomene werden ihre Implikationen für die Finanzbildung diskutiert sowie konkrete Prinzipien für risikobewusstes Investieren abgeleitet. Diese sollen dazu beitragen, im Bereich Kapitalanlage und Vermögensbildung – einem zentralen Inhalt der österreichischen Finanzbildungsstrategie – rational begründbare und sorgfältig überlegte Anlageentscheidungen zu fördern.

Between Fear and Illusion. Factors Influencing Saving and Investing and Their Implications for Financial Literacy

English Abstract

A survey of Austrian adults has shown that willingness to invest in securities as well as the extent of such investments are significantly influenced by household income, interest in securities, self-assessment of related knowledge, and beliefs about securities. The latter manifest primarily as scepticism towards securities and fear of losses. A high proportion of low-interest deposits in Austrian financial assets indicates risk aversion, while the frequent choice of variable-rate and thus riskier financing options indicates a higher risk appetite. This paper systematically analyses these beliefs using insights from behavioural finance research. Loss aversion, regret aversion and the money illusion emerge as key explanatory factors, particularly when combined with a lack of basic understanding of fact-based investment principles. Alongside a conceptual explanation of these phenomena, this paper discusses their implications for financial education and derives concrete principles for risk-aware investing. The aim is to promote investment decisions that are both rational and justifiable in the areas of capital investment and wealth accumulation – a central component of the Austrian financial education strategy.

Zitieren des Beitrags

Greimel-Fuhrmann, B. & Riess, J. (2026). Zwischen Angst und Illusion. Einflussfaktoren auf das Sparen und Investieren. In C. Schopf (Hrsg.), bwp@ Spezial AT-8: Beiträge zum 19. Österreichischen Wirtschaftspädagogik-Kongress (S. 1–14). https://www.bwpat.de/wipaed-at8/greimel-fuhrmann_riess_wipaed-at_2026.pdf

Veröffentlicht am 16. September 2026