bwp@ Profil 6 - September 2020

Berufliches Lehren und Lernen: Grundlagen, Schwerpunkte und Impulse wirtschaftspädagogischer Forschung

Profil 6: Digitale Festschrift für EVELINE WUTTKE.

Hrsg.: Karin Heinrichs, Kristina Kögler & Christin Siegfried

Kommunikationsqualität in Professionellen Lerngemeinschaften und ihr Stellenwert für das professionelle Handeln der beteiligten Lehrkräfte – Eine systematische Literatursichtung

Beitrag von Julia Warwas, Christian Schadt & Carina Wilke
Schlüsselwörter: Kommunikation; Professionelle Lerngemeinschaften; unterrichtsbezogene Professionalisierungsgewinne; Systematisches Literaturreview

Die Professionelle Lerngemeinschaft von Lehrkräften (PLG) als anspruchsvolle Form der Lehrkräfte­kooperation wird als ein wirksames Instrument der Unterrichtsentwicklung im Kollegium angesehen. Obwohl für jegliche Kooperationsformate im Arbeits- und Organisationskontext die Kommunikation zwischen den Beteiligten als erfolgskritische Variable gilt, erscheinen gerade die Mikroprozesse der Zusammenarbeit von Lehrkräften in PLGen – trotz einer mittlerweile knapp 30jährigen Forschungstra­dition zum Thema – als vergleichsweise unbestimmt. Daher wird im vorliegenden Beitrag eine syste­matische Literatursichtung zur Qualität des kommunikativen Austauschs in PLGen vorgestellt. Diese wurde durch eine Recherche mit festgelegten Suchbegriffen in relevanten erziehungswissenschaftli­chen Datenbanken durchgeführt. Durch einen Abgleich mit zuvor festgelegten Ein- und Ausschluss­kriterien wurden 15 empirische Beiträge als relevant identifiziert. Auf Basis einer vergleichenden In­haltsanalyse wird eruiert, an welchen Merkmalen die Qualität der gemeinschaftsinternen Kommunika­tion festgemacht wird. Zudem werden Erkenntnisse darüber zusammengetragen, welche Professionali­sierungsgewinne die Beteiligten aus qualitativ hochwertiger Kommunikation über Unterricht erzielen können. Die Befunde der Analyse deuten darauf hin, dass eine für die Zwecke der Unterrichtsverbes­serung gewinnbringende kommunikative Praxis sich durch eine inhaltliche Ausrichtung der Gespräche auf Themen der Unterrichtsgestaltung und des Lernens der Schüler/innen zeigt, welche als offener, problemzentrierter Austausch zwischen den Teammitgliedern stattfindet, so dass eine gemeinschaftli­che, umfängliche und bestenfalls evidenzbasierte Analyse bisheriger unterrichtlicher Praxis erfolgen kann. Zudem sollten sich die diskutierten Inhalte für das unterrichtliche Handeln auch verallgemei­nernd auf lerntheoretische Ideen und (insbes. fach-) didaktische Konzepte beziehen, um letztlich wie­der konkrete gemeinsame (insbes. fach-) didaktische Problemlösungen erarbeiten zu können und diese im Anschluss an den erprobenden Einsatz im Unterricht ihrerseits zum Gegenstand kritischer Analyse und Reflexion zu machen. Das Professionalisierungspotential derartiger kommunikativer Praktiken scheint insbesondere darin zu liegen, bei den Lehrkräften eine einsichtsvolle, manchmal sogar intenti­onale Veränderung unterrichtsbezogener Sichtweisen anzuregen. Die Bedeutung der Befunde aus dem Literaturreview wird am Ende dieses Beitrags unter Berücksichtigung der berufs- und wirtschaftspäda­gogischen Forschung zur Kooperation berufsschulischer Lehrkräfte diskutiert.

Zitieren des Beitrags

Warwas, J./Schadt, C./Wilke, C. (2020): Kommunikationsqualität in Professionellen Lern­gemeinschaften und ihr Stellenwert für das professionelle Handeln der beteiligten Lehrkräfte – Eine systematische Literatursichtung. In: bwp@ Profil 6: Berufliches Lehren und Lernen: Grund­lagen, Schwerpunkte und Impulse wirt­schaftspädagogischer Forschung. Digitale Fest­schrift für Eveline Wuttke zum 60. Geburtstag, hrsg. v. Heinrichs, K./Kögler, K./Siegfried,. C., 1-23. Online: https://www.bwpat.de/profil6_wuttke/warwas_etal_profil6.pdf (08.09.2020).