bwp@ 50 - Juni 2026

Nachhaltigkeit in der Berufsbildung - kritisch-konstruktive Bilanzierung

Hrsg.: Lars Windelband, Karl Wilbers, Julia Kastrup & Harald Hantke

Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung – ein bilanzierender Rückblick auf ausgewählte bildungspolitische Aktivitäten in den letzten zehn Jahre

Beitrag von Julia Kastrup & Werner Kuhlmeier
bwp@-Format: Diskussionsbeiträge
Schlüsselwörter: Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung, Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung, Bilanzierung

Der Beitrag nimmt den Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (NAP BNE, 2017) als Referenzrahmen, um die Entwicklung der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) seit 2017 zu bilanzieren. Der Nationale Aktionsplan (NAP), entstanden in einem breit angelegten Beteiligungsprozess, konkretisiert Ziel 4.7 der Agenda 2030 für den deutschen Kontext und formuliert für die berufliche Bildung Ziele und Maßnahmen in fünf Handlungsfeldern: Bestandsaufnahme, Potenziale der BBNE, nachhaltige Lernorte, Kompetenzanforderungen sowie curriculare und didaktische Umsetzung. Der Beitrag prüft entlang dieser Handlungsfelder, inwieweit politische und praktische Umsetzungen auf Bundesebene erfolgt sind. Deutlich wird, dass viele zentrale NAP-Maßnahmen umgesetzt wurden und BBNE strukturell gestärkt haben. Zugleich zeigt die Analyse Grenzen, Lücken und offenen Handlungsbedarf auf und versteht sich daher weniger als abschließende Evaluation, sondern als diskursanstoßende, selektive Bestandsaufnahme knapp fünf Jahre vor Ende der Agenda 2030.

Vocational education and training for sustainable development – a retrospective review of selected education policy activities over the past decade

English Abstract

This article uses the National Action Plan on Education for Sustainable Development (NAP ESD, 2017) as its central framework to assess the development of vocational education and training for sustainable development (VET for SD) since 2017. The National Action Plan (NAP), developed through a broad-based participatory process, operationalizes Goal 4.7 of the 2030 Agenda for the German context and formulates goals and measures for vocational education and training in five areas of action: stocktaking, the potential of VET for SD, sustainable learning environments, competency requirements, and curricular and didactic implementation. This paper examines, along these fields of action, the extent to which political and practical implementation has taken place at the federal level. It becomes clear that many key NAP measures have been implemented and have structurally strengthened ESD. At the same time, the analysis highlights limitations, gaps, and unmet needs for action; it is therefore intended less as a conclusive evaluation and more as a selective stocktaking aimed at sparking discourse, just under five years before the end of the 2030 Agenda.

1 Einleitung

Seit Ende der 1980er- bzw. Anfang der 1990er‑Jahre ist eine klare Kontinuität in den Bemühungen erkennbar, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung sowohl in der Allgemeinbildung als auch in der beruflichen Bildung zu verankern. Ein früher Meilenstein war die Agenda 21, die auf der UN‑Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro verabschiedet wurde. In Kapitel 36 wird der Bildung – und darin explizit auch der beruflichen Bildung – eine zentrale Rolle für die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung zugeschrieben. Mit der UN‑Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005–2014) wurden neben der Schule auch Hochschule, Kindergarten, außerschulische Bildung und die berufliche Bildung ausdrücklich als Handlungsfelder benannt. Ziel war es das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in alle Bildungsbereiche zu integrieren (UNESCO, 2005, S. 14).

In der beruflichen Bildung sind in diesem Zeitraum zahlreiche Aktivitäten und Projekte entstanden. So wurden über 200 Dekade‑Projekte im Bereich der beruflichen Bildung ausgezeichnet; zudem wurden im Rahmen von Aktionsprogrammen und Modellversuchen wissenschaftliche und praxisorientierte Vorhaben umgesetzt und Ergebnisse in die Aus‑ und Weiterbildung integriert. Gleichwohl blieb die Verankerung häufig projektförmig. Verschiedene Akteure betonen daher die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit künftig strukturell über Ordnungsmittel, Prüfungen, Curricula und andere Systemelemente zu verankern, um BBNE verlässlich und flächendeckend umzusetzen (Deutsche UNESCO-Kommission [DUK] 2013, 2014). Vor diesem Hintergrund beschloss die UNESCO‑Weltkonferenz im November 2014, die Aktivitäten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung von 2015 bis 2019 im Rahmen eines Weltaktionsprogramms fortzuführen (UNESCO 2013). Das Weltaktionsprogramm knüpfte an die Erträge der UN‑Dekade an und zielte darauf ab, Aktivitäten auf allen Ebenen und in allen Bildungsbereichen anzustoßen und zu intensivieren, um den Prozess hin zu nachhaltiger Entwicklung zu beschleunigen. Die UNESCO‑Roadmap zum Weltaktionsprogramm formulierte hierfür einen konkreten Fahrplan.

In Deutschland koordinierte die Deutsche UNESCO‑Kommission – gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – die Umsetzung der UN‑Dekade und des Weltaktionsprogramms. Dadurch entstanden Plattformen für internationale Kooperation, nationale Koordination und die Einbindung relevanter Stakeholder aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Gerade in der beruflichen Bildung führten diese Prozesse dazu, dass die Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) zunehmend als integraler Bestandteil und als Schlüsselfaktor für nachhaltige Entwicklung anerkannt wird. Zugleich wurden Impulse für die strukturelle Verankerung in Ordnungsmitteln gesetzt. Nach fünf Jahren UNESCO‑Weltaktionsprogramm BNE (2015–2019) startete die UNESCO 2020 das Nachfolgeprogramm „Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs“ (ESD for 2030). Dieses Programm führt den Ansatz des Weltaktionsprogramms fort, verstärkt aber die Ausrichtung an den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Agenda 2030. Damit wird die Berufsbildung erneut in die Verantwortung genommen, Lernende zu befähigen, Arbeits- und Lebenswelten im Sinne nachhaltiger Entwicklung aktiv mitzugestalten und den notwendigen Transformationsprozess von Wirtschaft und Gesellschaft mitzutragen.

In diesem Kontext gewann auch der Nationale Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung (NAP) besondere Bedeutung. Der NAP wurde 2017 von der „Nationalen Plattform Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung herausgegeben. Er bezieht sich direkt auf das Ziel 4.7 der 2015 von den Vereinten Nationen im Rahmen der Agenda 2030 verabschiedeten SDGs. Dieses Ziel fordert, „bis 2030 sicher(zu)stellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben“ (DUK, 2017, S. 8). Damit ist auch für die Zielperspektive des NAP das Jahr 2030 maßgeblich. Der NAP konkretisiert die internationalen Zielsetzungen für den deutschen Kontext und formuliert Handlungsempfehlungen, um BBNE strukturell im deutschen Berufsbildungssystem zu verankern (NAP BNE, 2017, S. 8).

Vor dem Hintergrund dieser (berufsbildungs)politischen Einordnung der BBNE bietet sich für einen bilanzierenden Rückblick auf die Aktivitäten der BBNE in den letzten zehn Jahren dieser NAP als Referenzpunkt mit seinen Zielen und Maßnahmen an, die für die berufliche Bildung ausgegeben wurde. Ziel dieses Beitrages ist eine bilanzierende Zusammenschau vor allem der unterschiedlichen berufsbildungspolitischen und -praktischen Ansätze im Kontext einer BBNE. Der Fokus dieses Beitrags richtet sich dabei ausschließlich auf solche Aktivitäten, die nach 2017 ergriffen wurden und jetzt, knapp fünf Jahre vor Ende der Agenda 2030, umgesetzt worden sind. Im Zentrum stehen Entwicklungen auf Bundesebene; Umsetzungen auf Ebene der Bundesländer und Kommunen können im begrenzten Rahmen dieses Beitrags nicht systematisch berücksichtigt werden – auch wenn sich gerade „vor Ort“ entscheidet, wie Bildungsprozesse konkret gestaltet und gelebt werden.

Bei den in der folgenden Bilanzierung berücksichtigten Aktivitäten handelt es sich vornehmlich um Maßnahmen, die entweder direkt von berufsbildungspolitischen Institutionen auf Bundesebene – zum Beispiel Bundesministerien, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Kultusministerkonferenz – vollzogen und publiziert wurden oder um Ergebnisse, die im Rahmen von bundesweiten Förderprogrammen zur BBNE entstanden sind. Da die Autorin / der Autor in der wissenschaftlichen Begleitung an verschiedenen Förderprogrammen beteiligt war, beruhen einige der vorgestellten Maßnahmen auf eigener (subjektiver) Anschauung.

Der Fokus des Beitrags richtet sich ausschließlich auf die im NAP benannten Ziele und Maßnahmen. Daher bleiben einige wichtige Impulse zu weiteren Aspekten der BBNE, wie zum Beispiel zum Transfer von Ergebnissen der Modellprojekte (Schlömer et al. 2023), zur Relevanz berufs- und wirtschaftspädagogischer Forschung für die BBNE (Schlicht et al. 2025) oder zur Verknüpfung von BBNE mit politischer Bildung (Hemkes et al. 2022) in diesem Beitrag unberücksichtigt. Der Beitrag erhebt daher keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit. Bereits eine umfassende Sichtung der relevanten Literatur wäre selbst im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts kaum zu leisten. Ziel ist es daher, an ausgewählten Beispielen zu verdeutlichen, was in den vergangenen Jahren unternommen wurde, um die im NAP formulierten Ziele und Maßnahmen in Bezug auf die BBNE zu erreichen. Dabei enthält jede Auswahl an Beispielen einen subjektiven Fokus und stellt bereits eine Bewertung dessen dar, was als relevant angesehen wird. Vor diesem Hintergrund ist der Beitrag als Anstoß zur weiteren Diskussion zu verstehen und nicht als Ergebnis eines systematischen Monitorings nach strengen wissenschaftlichen Gütekriterien. Ebenso wenig wird im Folgenden der theoretische Diskurs zur BBNE nachgezeichnet oder eine Wirkungsanalyse der Maßnahmen vorgenommen. Auch hierfür wäre ein deutlich umfangreicherer Forschungsansatz erforderlich.

Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Zunächst wird ein Überblick über den Aufbau und die für die berufliche Bildung wesentlichen Inhalte des NAP gegeben. Anschließend werden – entsprechend der Struktur des NAP – fünf Handlungsfelder daraufhin geprüft, inwieweit eine politische und praktische Umsetzung der jeweils ausgewiesenen Ziele und Maßnahmen stattgefunden hat. Abschließend werden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme zusammenfassend reflektiert und weiterer Handlungsbedarf aufgezeigt.

2 Der „Nationale Aktionsplan BNE 2030“ als Bezugspunkt für eine Bilanzierung der BBNE

Am 20. Juni 2017 hat die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung den NAP als deutschen Beitrag des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die Nationale Plattform BNE wurde vom damaligen BMBF als oberstes Lenkungsgremium für die deutsche Umsetzung des Weltaktionsprogramms eingerichtet.

Die im NAP dargelegten Ziele und Handlungsempfehlungen sind das Ergebnis eines umfangreichen Konsultationsprozesses. Vertreter und Vertreterinnen aus über 350 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Politik, Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft haben gemeinsam daran gearbeitet. Im Rahmen einer Onlinekonsultation im Frühjahr 2017 konnten darüber hinaus alle interessierten Bürgerinnen und Bürger die Ziele und Maßnahmen diskutieren und neue Vorschläge einbringen. Dabei wurden über 700 Maßnahmenvorschläge und knapp 8000 Bewertungen eingereicht, die von den Expert:innen in den sechs Fachforen, den zentralen, beratenden Gremien, diskutiert wurden und so Eingang in den NAP fanden (NAP BNE, 2017, S. 8).

Die Ziele und Maßnahmen im NAP sind gemäß der Organisationsstruktur der Nationalen Plattform nach Bildungsbereichen getrennt: Frühkindliche Bildung, Schule, Berufliche Bildung, Hochschule, Non-formales und Informelles Lernen sowie zusätzlich noch Kommunen.

Abbildung 1: Die Organisationsstruktur der Nationalen Plattform und ihrer Unterorganisationen (Quelle: Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend [BMBFSFJ], o. D.a)Abbildung 1: Die Organisationsstruktur der Nationalen Plattform und ihrer Unterorganisationen (Quelle: Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend [BMBFSFJ], o. D.a)

Das Forum Berufliche Bildung zeichnet sich für die Ausführungen im NAP für diesen Bildungsbereich verantwortlich. Es hat zurzeit 28 Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Vertreter:innen des Jugendforums „youpaN“ (BMBFSFJ, o. D.b). Das Forum Berufliche Bildung arbeitet – wie auch alle anderen Foren – eng mit einem Partnernetzwerk zusammen. Das Partnernetzwerk Berufliche Bildung ist eine Plattform zum Austausch und Wissenstransfer mit dem Ziel, die Umsetzung des UNESCO-Programms „BNE 2030“ für den Bereich der beruflichen Bildung zu unterstützen. Es ist ebenfalls ein Gremium der Nationalen Plattform BNE und hat zurzeit ca. 150 Mitglieder aus betrieblicher Praxis, Bildungseinrichtungen, Wissenschaft und Politik (BMBFSFJ, o. D.c).

Die Ausführungen zum Bereich Berufliche Bildung sind in fünf Handlungsfelder gegliedert, zu denen jeweils ein Ziel und eine unterschiedliche Anzahl an Maßnahmen benannt werden (NAP BNE, 2017):

Handlungsfeld 1: Bestandsaufnahme auf allen Ebenen
Handlungsfeld 2: Potenziale der beruflichen BNE
Handlungsfeld 3: Betriebe und berufliche Schulen als nachhaltige Lernorte etablieren
Handlungsfeld 4: Kompetenzanforderungen zur Nachhaltigkeit
Handlungsfeld 5: Curriculare und didaktische Umsetzung von beruflicher BNE

Die im Rahmen der fünf Handlungsfelder benannten Ziele und Maßnahmen sind nicht das Ergebnis einer wissenschaftlich-systematischen Exploration, sondern eher ein Spiegelbild der Interessen unterschiedlicher Akteure, die sich in einem konsensualen Prozess darauf verständigt haben. Der NAP folgt damit dem in der beruflichen Bildung als Strukturmerkmal verankertem Konsensprinzip, das einerseits zu Kompromissen zwingt, andererseits aber auch ein besonderes Potenzial beinhaltet, dass – nach einer erfolgten Verständigung – alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten (Bundesregierung, 2005).

Bereits im Jahr 2019 – knapp zweieinhalb Jahre nach der Verabschiedung - hat es eine erste Zwischenbilanz zum NAP gegeben. Die Grundlage bildeten Selbstberichte der Foren ergänzt durch die Ergebnisse eines Monitorings, das regelmäßig durch das an der Freien Universität Berlin angesiedelte Institut Futur durchgeführt wird. Die Grundlage der Monitoring-Berichte bilden Dokumentenanalysen (z. B. von Lehrplänen und Ausbildungsordnungen), qualitative Studien (z. B. Befragung von Expert:innen) und quantitative Erhebungen (z. B. Fragebogenaktionen), die Auskunft über den Stand der BNE in Deutschland geben sollen. Der Blick richtet sich dabei auf den Input, die Prozesse und den Outcome der Bildung für nachhaltige Entwicklung in den unterschiedlichen Bildungsbereichen. Der letzte Bericht zur beruflichen Bildung wurde 2022 publiziert (Holst, 2022), aber auch andere Berichte, z. B. zur Aus- und Fortbildung von Lehrenden (Brock & Holst, 2022) oder Ergebnisse aus der Befragung von Jugendlichen (Grund & Brock, 2022) enthalten für die berufliche Bildung relevante Daten. Ein expliziter Bezug auf alle im NAP für die berufliche Bildung benannten Maßnahmen findet bislang nicht statt. Deshalb wird im Folgenden die Erreichung der Ziele und die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen entlang der fünf Handlungsfelder geprüft. Die Struktur und Benennung der Handlungsfelder und Maßnahmen zeigt, dass die Zuordnungen nicht immer ganz trennscharf sind und es Maßnahmen gibt, die ähnlich in verschiedenen Handlungsfeldern benannt werden. Auch sind die aufgeführten Maßnahmen von unterschiedlicher Tragweite, wobei insgesamt festzustellen ist, dass es sich um ein durchaus ambitioniertes Vorhaben handelt, alle Maßnahmen bis 2030 tatsächlich umzusetzen.

3 Bilanzierung der Umsetzung der im NAP für die berufliche Bildung vereinbarten Ziele und Maßnahmen

3.1 Bilanzierung zu Handlungsfeld I: Bestandsaufnahme auf allen Ebenen

Auch wenn die Handlungsfelder in ihrer Struktur keine chronologisch zu bearbeitende Reihenfolge abbilden, steht die in Handlungsfeld I vorgesehene „Bestandsaufnahme auf allen Ebenen“ als Erhebung des Status Quo am Beginn aller weiteren Aktivitäten. Das Ziel und die Maßnahmen dieses Handlungsfelds (siehe Tabelle 1) zeigen, dass die hier anvisierte Bestandsaufnahme keine einmalig und abschließend zu bearbeitende Aufgabe sein kann, denn es wird kein Fix-Datum der Erhebung benannt und die Erarbeitung guter Praxisbeispiele, die Erstellung von Lernmaterialien oder die Durchführung von Studien sind ein kontinuierlicher Prozess, der sich immer wieder neu darstellt.

Tabelle 1: Ziel und Maßnahmen im Handlungsfeld I „Bestandsaufnahme auf allen Ebenen“ (NAP BNE, 2017, S. 41–42)

Ziel

Maßnahmen

Bestandsaufnahme zur Klärung von Handlungsbedarf erstellen.

Sichtung und Sammlung von

• Beispielen guter Praxis aus Projekten und Modellversuchen

• Inhalten der Ordnungsmittel sowie Ansatzpunkten für die Ordnungsarbeit

• Lehr-/Lernmaterialien für die berufliche Erstausbildung

• Materialien zur Fortbildung des Ausbildungspersonals sowie wissenschaftliche Studien.

Außerdem soll im Konsens aller relevanten Akteur:innen eine Definition von BBNE erarbeitet werden.

Eine zentrale Stelle zur Sammlung von guten Praxisbeispielen besteht zurzeit (noch) nicht. Allerdings werden die im Rahmen von Modellversuchen geförderten Projekte einschließlich der darin erarbeiteten Materialien für die Ausbildungspraxis und ggf. auch für die Fortbildung von Ausbilder:innen auf einschlägigen Portalen, wie dem des BIBB umfänglich dokumentiert: https://www.bibb.de/de/709.php. Auch im BNE-Portal der Nationalen Plattform werden explizit für den Bereich der beruflichen Bildung aktuell 181 Lehr-/Lernmaterialien vor- und für die Nutzung bereitgestellt: https://www.bne-portal.de/bne/de/einstieg/bildungsbereiche/berufliche-bildung/berufliche-bildung.html.

Dass es sich bei den Materialien tatsächlich um „gute“ Praxisbeispiele handelt, setzt voraus, dass es hierfür definierte Standards und Qualitätskriterien gibt. Ein solcher Kriterienkatalog spezifisch für die berufliche Bildung liegt derzeit nicht vor und kann als Desiderat der wissenschaftlichen Arbeit im Feld der BBNE gelten. Allerdings können aus den Publikationen zur Auswertung der Modellversuche indirekt Kriterien abgeleitet werden und es kann geprüft werden, inwieweit Kriterienkataloge aus dem allgemeinbildenden Bereich (Draeger et al., o. D., Kater-Wettstädt, 2023) und der non-formalen Bildung (Wittlich & Brühne, 2020) hierfür Orientierungspunkte liefern können. Auch können die Kriterien für die Auszeichnung von BNE-Projekten durch die Nationale Plattform bildungsgangübergreifende Anhaltspunkte für Qualitätskriterien geben (DUK, o. D.). Spezifische Kriterien für digitale Lernmaterialien hat eine Arbeitsgruppe der Nationalen Plattform erstellt. Die „Leitlinien und Gütekriterien digitaler Materialien für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ beruhen auf der Auswertung bestehender Gütekriterienkataloge und führen Qualitätsmerkmale in Bezug auf Inhalt, Methodik und die formale Gestaltung digitaler Medien auf (Nationale Plattform BNE 2022).

Die Analyse der Ordnungsmittel und die Entwicklung von unterstützenden Materialien für die Ordnungsarbeit können als besonders relevant für eine strukturelle Verankerung von BBNE im Berufsbildungssystem angesehen werden. Dementsprechend werden diesbezüglich auch ähnlich lautende Maßnahmen in den Handlungsfeldern IV und V vorgeschlagen. Im Rahmen des Nationalen Monitorings BNE wurde im Rahmen einer Dokumentenanalyse in 2021/2022 festgestellt, dass in Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Entwicklung“ erkennbar häufiger aufgeführt werden als in vorausgegangenen Studien (Holst, 2022, S. 12–16). Bei allen nach 2021 neugeordneten Ausbildungsberufen ist – wenig verwunderlich – durchgängig ein Nachhaltigkeitsbezug verankert, durch die 2021 in Kraft getretene Neuordnung der Standardberufsbildposition (SBP) „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“. In der Studie wird folgende Empfehlung ausgesprochen: „Insbesondere für Berufe mit weniger offensichtlichen Bezügen zu Nachhaltigkeit wird empfohlen, eine Vertiefung vorzunehmen, bei der über die SBP hinaus eruiert wird, was Nachhaltigkeit konkret für die spezifischen beruflichen Handlungsfelder bedeutet“ (Holst, 2022, S. 12). Außerdem wird empfohlen, Inhalte der BBNE zukünftig stärker in Prüfungsordnungen zu verankern, da diese eine erheblich normierende Wirkung auf die Ausbildungsinhalte haben.

Eine systematische Analyse der Ordnungsmittel war auch Gegenstand des Projekts „Indikatoren Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (iBBNE)“. Ziel dieses von 2019 – 2021 durchgeführten Projektes war es, Indikatoren und Verfahren zu ihrer Erhebung zu ermitteln, anhand derer der Stand und Ausprägungsgrad von BBNE für die nationale und internationale Bildungsberichterstattung regelmäßig ermittelt werden kann. Hierzu erfolgte – neben anderen Verfahren zur Datenerhebung – eine automatisierte Inhaltsanalyse von Ordnungsmitteln (Pabst et al., 2024, S. 22–23). In der Bewertung kommt die Projektgruppe zu dem Ergebnis: „Das Verfahren bietet eine Grundlage für ein umfassendes und kontinuierliches Monitoring des Inputs und der Verankerung von (B)BNE, erlaubt einen kosteneffizienten Zugang zur Messung (über Web Scraping) und eine standardisierte und objektive Auswertung (über reguläre Begriffe bzw. Begriffskombinationen) …“ (Pabst et al., S. 27). Neben den Möglichkeiten zur statistischen Erfassung von BBNE scheint jedoch für die Indikatorik ein strategisches Moment mindestens ebenso wichtig zu sein: Allein die Tatsache, dass der Stand der BBNE regelmäßig erhoben wird, sollte dazu führen, dass sich die darauf bezogenen Aktivitäten verstärken werden.

Eine systematische Auswertung wissenschaftlicher Studien erfolgt nicht in einer zentralen Forschungseinheit, sondern ist wohl eher Gegenstand des von vielen Beteiligten geführten wissenschaftlichen Diskurses zur BBNE. Ein sichtbarer Ausdruck des Diskurses sind zum Beispiel die Workshops zur BBNE, die zumindest in den letzten zehn Jahren regelmäßig auf den „Hochschultagen Berufliche Bildung“ durchgeführt wurden oder auch die Sessions auf den Tagungen der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, auf denen regelmäßig Forschungsergebnisse zur BBNE vorgestellt und diskutiert wurden.

Darüber hinaus werden auch im Rahmen des BNE-Monitorings regelmäßig die entsprechenden Publikationen gesichtet und ausgewertet. Eine Zusammenstellung von Publikationen erfolgte ebenfalls im Rahmen der Auswahlbibliografie des BIBB „Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung“. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung aus dem VET Repository mit Stand November 2024 (Langenkamp & Linten, 2024).

Eine Verständigung auf eine gemeinsame Definition zur BBNE ist nicht explizit erfolgt, was auch dem Umstand geschuldet sein könnte, dass kein Akteur über die „Definitionsmacht“ verfügt, um unumstößlich zu bestimmen, was unter BBNE zu verstehen ist. Allerdings gibt es häufig zitierte Definitionen, die wenig umstritten sind, wie zum Beispiel die Definition, die schon 2014 im Rahmen eines Strategiepapiers der UNESCO-Kommission verwendet wurde: „Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung ist als lebensbegleitender Prozess und zentrales Element einer Bildung zu verstehen, die den Einzelnen befähigt, sich mit aktuellen und künftigen Herausforderungen in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen individuell und sozial verantwortlich auseinanderzusetzen“ (DUK, 2014, S. 5).

Zusammenfassend kann für das Handlungsfeld I festgestellt werden, dass eine Bestandsaufnahme zur BBNE in Bezug auf Praxisbeispiele, Ordnungsmittel und Materialien weitgehend stattgefunden hat, aber ein nicht endender Prozess ist, der aktuell an verschiedenen Stellen fortgeführt wird. Die Veröffentlichung von Praxisbeispielen und Ausbildungsmaterialien ist wichtig im Hinblick auf Transparenz und die Unterstützung der Ausbildungspraxis. Für die Sicherung der Qualität von Praxisbeispielen wäre eine Aufstellung von Qualitätsstandards hilfreich, die den Erstellern von didaktischen Materialien eine Orientierung für ihre Arbeit bietet.

3.2 Bilanzierung zu Handlungsfeld II: Potenziale der beruflichen Bildung

Auch das Handlungsfeld II „Potenziale der beruflichen Bildung“ (siehe Tabelle 2) ist offensichtlich am Beginn des BNE-Prozesses angesiedelt, da es bereits bis zum Ende des letzten BNE-Weltaktionsprogramms von 2015 bis 2019 abschließend bearbeitet sein sollte.

Tabelle 2: Ziel und Maßnahmen von Handlungsfeld II „Potenziale der beruflichen Bildung“ (NAP BNE, 2017, S. 42–44)

Ziel

Maßnahmen

Potenziale der BBNE lokalisieren und durch ausgewählte Akteure nutzbar machen

Potentiale der BBNE werden nutzbar gemacht durch

• eine zentrale Plattform sowie die Vernetzung vorhandener Plattformen

• Fort- und Weiterbildungsangebote sowie weitere Unterstützungsangebote für Bildungspersonal

• Erfassung/Sichtbarmachung unterstützender Akteur:innen aus dem non-formalen Bereich

• nationale Treffen betrieblicher, schulischer und außerschulischer Akteur:innen

• regionale Berufsbildungsausschüsse und lokale Initiativen

• eine bundesweite Aktionswoche „BBNE“ und einen Tag der offenen Tür an berufsbildenden Schulen

• berufsbezogene Nachhaltigkeitsprojekte in Betrieben

• die Überprüfung/Verankerung von BBNE in Berufsbildpositionen

• die Aufnahme von BBNE als Qualitätskriterium in QM-Systeme berufsbildender Schulen

• die Integration nachhaltigkeitsrelevanter Aspekte in Maßnahmen der Berufsorientierung

• Empfehlungen zur Förderung der BBNE in Kooperation von Betrieb und Schule durch den BIBB-Hauptausschuss

Ein Großteil der hier aufgeführten Maßnahmen unterliegt allerdings besonderer Herausforderungen aufgrund der Komplexität des dualen Berufsbildungssystems und der damit verbundenen unterschiedlichen Zuständigkeiten. Da die Verantwortlichkeit für den Lernort Berufsschule aufgrund der Kulturhoheit bei den Bundesländern liegt und der Lernort Betrieb im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft – beziehungsweise je nach beruflicher Fachrichtung bei den entsprechenden Fachministerien – ist z. B. die Etablierung einer gemeinsamen BBNE-Plattform für die Aktivitäten beider Lernorte oder eine „bundesweite Aktionswoche „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung von berufsbildenden Schulen, Betrieben und außerschulischen Bildungseinrichtungen“ kaum oder nur im Rahmen eines sehr breiten Abstimmungsprozesses möglich. Dementsprechend sind diese Maßnahmen auch (noch) nicht alle in der benannten Weise umgesetzt worden.

Zurzeit sind Dokumente und Bildungsmaterialien zur BBNE auf unterschiedlichen Plattformen mit wechselseitigen Verlinkungen platziert. Eine klarere Struktur, die das Auffinden der entsprechenden Angebote erleichtert, wäre allerdings für die Bildungspraxis hilfreich und eine noch anzugehende Aufgabe. Dabei ist zu bedenken, dass die einmalige Einrichtung einer zentralen Plattform nur ein Anfang sein kann, denn entscheidend sind eine konstante Pflege und ständige Aktualisierung der Plattform. Dies ist eine dauerhafte und nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Die Herausforderungen im Hinblick auf eine Abstimmung zwischen verschiedenen Lernorten und Bildungsbereichen gelten prinzipiell auch für den Einbezug außerschulischer und non-formaler Bildungseinrichtungen. Allerdings sind Vertreter:innen dieses Bildungsbereichs sowohl im Fachforum und vor allem im BBNE-Partnernetzwerk vertreten. So hat beispielsweise das Partnernetzwerk in seiner jüngsten Sitzung Arbeitsgruppen eingerichtet, die konzeptionelle Vorschläge zur Einbindung außerschulischer und non-formaler Bildungsanbieter im Rahmen der BBNE entwickeln werden.

Ein Zusammentreffen der Akteur:innen aus Berufsschule, Betrieb und außerschulischen Einrichtungen auf nationaler Ebene findet nicht explizit für die berufliche Bildung statt, sondern im Rahmen der BNE-Jahreskonferenz der Nationalen Plattform. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Formate zum Austausch von (B)BNE-Akteur:innen auf regionaler Ebene, wie z. B. die „BNE-Aktionswochen“, wobei allein für den Zeitraum von März bis Mai 2026 über 450 Veranstaltungen gelistet sind, darunter auch eine Reihe von Angeboten spezifisch für die berufliche Bildung (https://www.bne-portal.de/kalender).

Maßnahmen zur Fort- und Weiterbildung des Berufsbildungspersonals sind seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Arbeit im Feld der BBNE. In allen zurückliegenden vom BIBB begleiteten Förderprogrammen zur BBNE stand die Fort- und Weiterbildung von Ausbilder:innen im Mittelpunkt der Arbeit von Modellversuchen. Die Ausbildung von Berufsbildungspersonal als „Multiplikator:innen“ gilt seit langem als Schlüssel zur strukturellen Verankerung von BBNE (Müller et al., 2023; Kastrup & Kuhlmeier, 2023). Das bislang umfangreichste Förderprogramm ist das aktuell noch laufende Programm „Nachhaltigkeit im Beruf (NIB)“, in dem 54 Institutionen aus Berufsbildungspraxis und -wissenschaft in 21 Modellprojekte zusammen arbeiten mit dem Ziel Umsetzungsprojekte zur Stärkung nachhaltigkeitsbezogener Kompetenzen des Ausbildungspersonals auf den Weg zu bringen, u. a. durch Weiterentwicklung entsprechender Qualifizierungsangebote oder die Qualifizierung von Weiterbildungspersonal. Im Rahmen von Transformationsprojekten sollen zudem innovative Lösungen für die Qualifizierungspraxis entwickelt und erprobt werden, um Betriebe bei der nachhaltigen Transformation zu unterstützen. Schließlich soll eine Vernetzungsstelle beim BIBB den Transfer der Ergebnisse initiieren und die Vernetzung mit Berufsbildungsakteuren unterstützen (BMBFSFJ, 2025a, S. 27):

Vielfältige Qualifizierungsangebote zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten und in diversen Online-Fortbildungsformaten gibt es beispielsweise auch auf der Plattform „leando“ in der „Community Nachhaltigkeit in der Berufsbildung“ (https://leando.de/community/nachhaltigkeit-der-berufsbildung).

Auch für die Durchführung von berufsbezogenen Nachhaltigkeitsprojekten in den Betrieben gibt es zahlreiche Beispiele, vor allem im Rahmen der BIBB-Förderprogramme (https://www.bibb.de/de/33716.php), aber auch darüber hinaus in verschiedenen Branchenvereinigungen oder auf regionaler Ebene. So fördert zum Beispiel ein Programm der „Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz“ bundesweit und über die Industrie- und Handelskammern organisiert die Ausbildung von „Energie-Scouts“ im Rahmen der betrieblichen Berufsausbildung (vgl. z. B. IHK Karlsruhe, 2018). Als bemerkenswertes Beispiel für eine berufsspezifische Initiative kann die „Fachstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kommunen (FABINEK)“ gelten, die u. a. Projekte zur Ausbildung in Berufen der kommunalen Verwaltung durchführt (https://www.bne-fachstelle.de/de).

Auch für die Integration von BBNE in Bildungsangebote der Berufsorientierung gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiele. Hier sind vor allem das Förderprogramm „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung befördern. Über grüne Schlüsselkompetenzen zu klima- und ressourcenschonendem Handeln im Beruf (BBNE)“ des ehemaligen Bundesumweltministeriums (BMU) zu nennen (Lenz et al., 2023). Im Rahmen dieses Programms wurden vor allem Projekte gefördert, die innovative methodische Ansätze in der Berufsorientierung, wie z. B. die Durchführung von BBNE-Workcamps mit Jugendlichen erprobt haben. Ein weiteres Beispiel für BBNE in der Berufsorientierung sind die Projekte des Wissenschaftsladen Bonn (WILA), in denen konzeptionell die Möglichkeiten untersucht wurden, Jugendliche für eine berufliche Tätigkeit im Umwelt- und Klimaschutz zu gewinnen (https://wilabonn.de/themen/113-berufsorientierung.html). Konkrete Bildungsmaterialien für die Berufsorientierung unter BBNE-Aspekten finden sich darüber hinaus im Portal des „Netzwerkes Grüne Arbeitswelt“ (https://gruene-arbeitswelt.de/).

Die letzte der im Handlungsfeld genannten Maßnahmen, eine Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses zur Förderung der BBNE in Kooperation mit Betrieb und Schule steht noch aus. Es kann hier allerdings auf ein aktuelles Strategiepapier des Forums Berufsbildung verwiesen werden: „Berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung durch Lernortkooperationen zwischen Betrieb und Schule stärken“ (BMBFSFJ, 2025b). Darin werden Empfehlungen gegeben, wie die Lernortkooperation zum Beispiel durch lernortübergreifende Projekte oder gemeinsame Fortbildungen für Lehrkräfte und Ausbildungspersonal zur Unterstützung der BBNE beitragen kann.

Auch für das Handlungsfeld II kann zusammenfassend resümiert werden, dass die hier aufgeführten Maßnahmen im Wesentlichen und in vielfältiger Weise umgesetzt worden sind, wobei die unterschiedlichen rechtlichen Zuständigkeiten für die Lernorte Berufsschule, Betrieb und außerschulische Bildungsträger ein bundesweit einheitliches, lernortübergreifendes Vorgehen kaum oder nur mit sehr großem Aufwand zulassen. Das Auffinden von wesentlichen Dokumenten und Materialien zur BBNE könnte durch die Schaffung einer zentralen Plattform erleichtert werden. Dabei sollte geprüft werden, inwieweit die kontinuierliche Pflege und Erweiterung einer solchen Plattform KI-unterstützt erfolgen kann. Ebenso sind die vielfältigen Aktivitäten zur Aus- und Fortbildung von Berufsbildungspersonal noch systematisch auszuwerten, um diese auf Grundlage der bisher gewonnenen Erfahrungen strukturell in den Curricula der Anbieter zu verankern.

3.3 Bilanzierung zu Handlungsfeld III: Betriebe und berufliche Schulen als nachhaltige Lernorte etablieren

Die im Handlungsfeld III aufgeführten Maßnahmen lassen sich vereinfacht in zwei Themenbereiche gliedern: Zum einen geht es im Sinne des „Whole Institution Approach“ darum, die Lernorte als Institutionen systematisch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu gestalten und zu organisieren. Zum anderen geht es darum, Fach- und Führungskräfte gezielt als Multiplikator:innen für BBNE weiter zu qualifizieren und hierfür geeignete Konzepte zu erarbeiten. In diesem Handlungsfeld steht also insbesondere die Organisations- und Personalentwicklung in den berufsbildenden Institutionen unter Aspekten der BBNE im Zentrum (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Handlungsfeld III: Betriebe und berufliche Schulen als nachhaltige Lernorte etablieren (NAP BNE, 2017. S. 44–47)

Ziel

Maßnahmen

Potentiale in ausgewählten Betrieben/beruflichen Schulen weiterentwickeln unter Berücksichtigung sich ändernder Umfeldbedingungen der Arbeitswelt.

Konzepte vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und politischer Entscheidungen reflektieren und mit der Frage der Gestaltung des jeweiligen Lernumfeldes verbinden.

Für die Entwicklung, Umsetzung und Verbreitung von Indikatoren für nachhaltige Lernorte werden

• Indikatoren so entwickelt, dass sie mit anerkannten Berichtssystemen kompatibel sind

• QM-Ansätze an schulischen und betrieblichen Lernorten weiterentwickelt

• Leitfäden für gesamtorganisationale Entwicklung und Nachhaltigkeitsberichterstattung (weiter)entwickelt

• ggf. verschiedene Indikatorenmodelle zusammengeführt

• Leuchttürme nachhaltiger Lernorte gesammelt und mit Leitfäden auf einer Plattform veröffentlicht

• Workshop-Reihen zur Vernetzung nachhaltiger Lernorte und Akteur:innen durchgeführt

• Netzwerkbildung und -management strukturell unterstützt

• Qualifizierungskonzepte für Führungskräfte entwickelt, erprobt und verstetigt

• Führungskräfte und Multiplikator:innen im QM für nachhaltige Schul- und Lernortentwicklung qualifiziert

• Aktivitäten zur Implementierung der Qualifizierungskonzepte durchgeführt

• Umsetzungskonzepte zur Verankerung der Qualifizierungsinhalte in den Organisationen entwickelt

• zusätzliche Deputatsstunden für berufliche Schulen durch Länder und Schulträger bereitgestellt

• BNE-Koordinator:innen bzw. -Teams bei Lehrplanarbeit, Projekten und Schulentwicklung unterstützt

• Fort- und Weiterbildungsformate zur Verzahnung formaler und non-formaler Bildung entwickelt

• Möglichkeiten regionaler Coaching Center für schulische/schulnahe Lernorte und zur Entwicklung geeigneter Schulungskonzepte für Coaching-Personal geprüft

Die Identifizierung von Indikatoren und Leitfäden für einen „nachhaltigen Lernort“ wird dabei als eine wesentliche Aufgabe benannt. Im Rahmen des BIBB-Förderprogramms „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015 – 2019“ wurden in der Förderlinie II „Nachhaltige Lernorte gestalten“ sechs Modellversuche durchgeführt, die solche Indikatoren erarbeitet und Konzepte entwickelt haben, wie der Betrieb als nachhaltiger Lernort gestaltet und für Auszubildende erlebbar gemacht werden kann. Dabei wurde auf die Anschlussfähigkeit der Indikatorensysteme an vorhandene Konzepte wie den „Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK)“ oder Qualitätsmanagementsysteme für Bildungseinrichtungen geachtet. Die Ergebnisse sind in vielfältiger Weise publiziert und diskutiert worden (Melzig & Weber, 2020; Feichtenbeiner et al., 2020; Melzig et al., 2021; Hantsch & Weber, 2023).

Abbildung 2: Ansatzpunkte zur Gestaltung nachhaltiger Lernorte (Quelle: BIBB, o. D.; Autoren: Rolf Feichtenbeiner, Robert Hantsch, Heiko Weber)Abbildung 2: Ansatzpunkte zur Gestaltung nachhaltiger Lernorte (Quelle: BIBB, o. D.; Autoren: Rolf Feichtenbeiner, Robert Hantsch, Heiko Weber)

Auch für die Gestaltung der Berufsschule als nachhaltiger Lernort im Sinne des „Whole Institution Approach“ wurden Konzepte und unterstützende Materialien entwickelt. Hier ist insbesondere die Arbeit von Holst und Hantke (2025) hervorzuheben, die eine von Greenpeace herausgegebene Handreichung zur systematischen Weiterentwicklung berufsbildender Schulen im Sinne der Nachhaltigkeit verfasst haben, die mit zahlreichen Begleitmaterialien unterlegt ist.

Abbildung 3: Whole Institution Approach. Nachhaltigkeit in der Bildungseinrichtung (Quelle: Holst & Hantke, 2025, S. 17).Abbildung 3: Whole Institution Approach. Nachhaltigkeit in der Bildungseinrichtung (Quelle: Holst & Hantke, 2025, S. 17).

Eine weitere von Greenpeace herausgegebene Handreichung zum „Whole Institution Approach“ richtet sich speziell an Schulleitungen, ist allerdings nicht berufsschulspezifisch, sondern schulformübergreifend angelegt (Fischer et al., 2025).

Die weiteren Maßnahmen im Handlungsfeld III, die sich auf die Förderung von BBNE an Berufsschulen beziehen, sind nicht bundesweit dokumentiert. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass mittlerweile viele Berufsschulen Funktionsstellen für „Nachhaltigkeitsbeauftragte“ eingerichtet haben; zum Teil auch ausgestattet mit Deputatsstunden. Über die Einrichtung „regionaler Coachingcenter“ zur Unterstützung der Organisationsentwicklung an Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben sowie zu Schulungskonzepten für Coaching-Personal liegen bislang keine Informationen vor.

Eine Sammlung von Leuchttürmen für nachhaltige Lernorte auf einer zentralen Plattform ist spezifisch für die Berufsbildung bislang noch nicht umgesetzt. Allerdings finden sich auf der „Akteurskarte“ im BNE-Portal der Deutschen UNESCO-Kommission, die bundesweit BNE-Akteur:innen auflistet, auch aktuell 122 „Leuchttürme“ aus dem Bereich der beruflichen Bildung (https://bne.unesco.de/).

Eine bundesweite Initiative zur Qualifizierung von Führungskräften zur nachhaltigen Gestaltung von (Ausbildungs-)Betrieben wurde vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag von 2018 – 2021 unter dem Titel „Nachhaltig. Erfolgreich. Führen.“ durchgeführt (https://www.dihk-bildungs-gmbh.de/weiterbildung/innovationen/nachhaltig-erfolgreich-fuehren). Darüber hinaus stellen Vorreiter-Unternehmen in einer eigens für diese Initiative begründeten Podcast-Reihe ihre Aktivitäten zur Nachhaltigkeit dar. Auch im Bereich des Handwerks gibt es zahlreiche Aktivitäten und unterstützende Materialien zu betrieblichen Nachhaltigkeitsstrategien, zum Beispiel in Form von Checklisten oder eines „Nachhaltigkeits-Navigators“ (https://www.zdh.de/themen-und-positionen/nachhaltigkeit/#c25751). Diese Aktivitäten sind jedoch nicht explizit auf die Berufsbildung, sondern auf die Unternehmensentwicklung insgesamt gerichtet.

Ein zusammenfassender Blick auf das Handlungsfeld III zeigt, dass die Maßnahmen zur Organisations- und Personalentwicklung einen Schwerpunkt der Aktivitäten zur BBNE bildeten und hierzu wesentliche konzeptionelle Grundlagen gelegt worden sind. Die Umsetzung der Konzepte, wie zum Beispiel die Schaffung eines nachhaltigen Lernorts Berufsschule erfordert Ressourcen, monetär aber auch in Form von Entlastungen der Akteure vor Ort. Die teilweise komplexe Aufteilung der Verantwortlichkeiten für Berufsschulen in Bezug auf Gebäude und Personal zwischen Kommunen, Bundesländern und dem Bund erschweren häufig die Entscheidungs- und Lösungswege. Bereits 2021 hat die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ einen „Pakt für berufsbildende Schulen“ vorgeschlagen, der dafür sorgen soll, dass die Sanierung und Ausstattung von Berufsschulen langfristig auskömmlich finanziert werden (Deutscher Bundestag 2021, S. 208–209). Ein solcher Pakt könnte auch zur Förderung eines nachhaltigen Lernorts Berufsschule beitragen. 

3.4 Bilanzierung zu Handlungsfeld IV: Kompetenzanforderungen zur Nachhaltigkeit

Die Maßnahmen in diesem Handlungsfeld beziehen sich vor allem darauf, Verfahren zur systematischen Analyse von Arbeits- und Geschäftsprozessen zu entwickeln, mit denen Kompetenzen zu einem nachhaltigen beruflichen Handeln bestimmt werden können (siehe Tabelle 4). Insbesondere soll dadurch die Ordnungsarbeit bei der Identifizierung von BBNE-Kompetenzen unterstützt werden.

Tabelle 4: Ziel und Maßnahmen in Handlungsfeld IV „Kompetenzanforderungen zur Nachhaltigkeit“ (NAP BNE, 2017, S. 47–48)

Ziel

Maßnahmen

Lernende in berufsbezogenen Lern- und Arbeitsprozessen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit befähigen mit einem Fokus auf einer Kompetenz zum selbstständigen Gestalten und Problemlösen in beruflichen, gesellschaftlichen und individuellen Kontexten.

Im Rahmen des Prozesses zur Bestimmung BBNE-spezifischer Kompetenzen werden

• ein Kategorienraster zur Bewertung domänenspezifischer und -übergreifender Kompetenzziele erarbeitet

• Andockpunkte aus Kompetenzzielen nachhaltigen und globalen Lernens der Sek I für die berufliche Aus- und Weiterbildung identifiziert

• ein Verfahren zur Analyse domänenspezifischer Arbeits- und Geschäftsprozesse hinsichtlich Nachhaltigkeit entwickelt

• domänenspezifische, nachhaltigkeitsrelevante Kompetenzen für alle Ausbildungsberufe bestimmt

• Kompetenzmodelle der beruflichen Bildung bzgl. nachhaltigkeitsbezogener Gestaltungskompetenz überprüft und weiterentwickelt

• Modellversuche zum Umgang mit Dilemmata und Konflikten zwischen ökonomischen, sozialen, ökologischen und globalen Aspekten wissenschaftlich begleitet durchgeführt

Die Entwicklung von Verfahren zur systematischen Identifizierung von BBNE-Kompetenzzielen war auch ein Schwerpunkt der BIBB-Förderprogramme zur BBNE. Ein Ergebnis war u. a. eine Matrix, mit deren Hilfe, nachhaltigkeitsspezifische Ziele zur Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz entlang von Arbeits- und Geschäftsprozessen bestimmt und beschrieben werden konnten. Dies wurde am Beispiel von kaufmännischen Berufen und von Berufen der Lebensmittelproduktion entwickelt (Casper et al.,2021, S. 179–199; Strotmann et al., 2023). Eine Erprobung der Matrix im Rahmen der Ordnungsarbeit erfolgte beispielsweise in den Neuordnungsverfahren zu den Berufen „Brauer/in und Mälzer/in“ (Strotmann et al., 2020) sowie „Hauswirtschafter/in“ (Bretschneider et al., 2020). 

Im Rahmen des BIBB-Vorhabens „Nachhaltigkeit in Ausbildungsordnungen – ein systematisierter Ansatz für die Ordnungsarbeit (NAsA)“ wurden schließlich von 2023 – 2025 konkrete Materialien zur Unterstützung der Ordnungsarbeit entwickelt (Bretschneider & Schirner, 2025a-d). Das „Nachschlagewerk Nachhaltigkeit“ ist Ergebnis einer systematischen Analyse bestehender Ausbildungsordnungen und listet die bereits vorhandenen Kompetenzbeschreibungen mit einem Nachhaltigkeitsbezug auf. In einem „Kompetenzbaukasten“ werden auf dieser Grundlage thematisch geclusterte Formulierungshilfen für die Arbeit an den Ordnungsmitteln bereitgestellt. Schließlich beinhaltet ein „Werkzeugkasten Nachhaltigkeit“ eine Sammlung von didaktischen Materialien und methodischen Ansätzen für die praktische Arbeit von Ausbildern und Ausbilderinnen sowie Auszubildenden.

Abbildung 4: Thematische Grundstruktur zur Analyse von Arbeits- und Geschäftsprozessen unter Nachhaltigkeitsaspekten (Quelle: Bretschneider & Schirner, 2025a, S. 19)Abbildung 4: Thematische Grundstruktur zur Analyse von Arbeits- und Geschäftsprozessen unter Nachhaltigkeitsaspekten (Quelle: Bretschneider & Schirner, 2025a, S. 19)

Die vorgeschlagene Maßnahme Andockpunkte aus den Kompetenzzielen des nachhaltigen und globalen Lernens der Sekundarstufe I für die berufliche Aus- und Fortbildung zu identifizieren, ist bislang nicht systematisch bearbeitet worden. Indem die Berufsbildung sich zunehmend in Bezug auf die Bildung für nachhaltige Entwicklung profiliert hat, scheinen die Bezugnahmen auf Konzepte der Allgemeinbildung eher zu schwinden. So gibt es zum Beispiel in der neuen Auflage des „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ nicht mehr wie in den vorausgegangenen Auflagen einen Abschnitt zur Berufsbildung (Kultusministerkonferenz [KMK] & Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [BMZ], 2025). Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Beispiele für eine Kooperation der BBNE mit allgemeinbildenden Fächern, wie zum Beispiel der politischen Bildung (Hemkes et al., 2022).

Eine recht spezifische Maßnahme im Handlungsfeld IV richtete sich auf wissenschaftlich begleitete Modellversuche zum konstruktiven Umgang mit Dilemmata, Konflikten und Widersprüchen zwischen ökonomischen, sozialen, ökologischen und globalen Aspekten (NAP BNE, 2017, S. 48). Der Umgang mit Widersprüchen zwischen den Nachhaltigkeitsdimensionen wird als eine Zielsetzung der BBNE häufig benannt und sogar als „DNA der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ benannt (Fischer et al., 2021, S. 93). Die Erprobung eines entsprechenden Lernmoduls fand beispielsweise im Rahmen des Modellversuchs „Pro-DEENLA“ statt. Für den Ausbildungsberuf „Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung“ wurden drei Lernaufgaben mit folgender Zielsetzung entwickelt und erprobt: „Die Lernaufgaben thematisieren dabei die Existenz von Widersprüchen in der täglichen Lebens- und Arbeitswelt sowie den möglichen Umgang mit diesen Widersprüchen. … Sie beschäftigen sich außerdem mit Handlungsalternativen in Dilemma-Situationen und reflektieren die Bedeutung von Widersprüchen für ihre tägliche Entscheidungsfindung im Berufsalltag“ (Fischer et al., o. D.).

Auch zum Handlungsfeld IV lässt sich zusammenfassen, dass es vielfältige Aktivitäten vor allem im Rahmen von geförderten Modellversuchsprogrammen oder BIBB-internen Projekten gegeben hat, die Verfahren zur systematischen Erfassung von nachhaltigkeitsbezogenen Kompetenzanforderungen und der darauf gerichteten Analyse von Arbeits- und Geschäftsprozessen entwickelt haben. Diese Aktivitäten beziehen sich in der Regel auf alle oder eine große Gesamtheit von Ausbildungsberufen. Eine berufs- oder berufsfeldspezifische Konkretisierung in allen Neuordnungsverfahren sind ein logischer nächster Schritt. Darüber hinaus wäre es notwendig BBNE-Aktivitäten auch auf weitere berufliche Bildungsgänge außerhalb des dualen Systems auszuweiten, wie z. B. auf die vollzeitschulischen Bildungsgänge an berufsbildenden Schulen.

3.5 Handlungsfeld V: Curriculare und didaktische Umsetzung von beruflicher BNE

Die Maßnahmen in diesem Handlungsfeld sind nach drei Aspekten gebündelt a) Maßnahmen zur curricularen Umsetzung b) Maßnahmen zur didaktischen Umsetzung (Erarbeitung) und c) Maßnahmen zur didaktischen Umsetzung (Verbreitung) (siehe Tabelle 5).

Tabelle 5: Ziel und Maßnahmen zum Handlungsfeld V „Curriculare und didaktische Umsetzung von beruflicher BNE“ (NAP BNE, 2017, S. 49)

Ziel

Maßnahmen

Modelle/Konzepte zur curricularen und didaktisch-methodischen Umsetzung von BBNE durch die Sozialpartner, Ministerien und das BIBB entwickeln.

Schulische und betriebliche Akteur:innen in die Lage versetzen, konkrete Lernangebote zu BBNE im Aus- und Weiterbildungskontext gestalten.

Für die strukturelle Verankerung nachhaltigkeitsorientierter Kompetenzziele und deren didaktische Umsetzung werden

• BBNE in Antragsgesprächen zu Ausbildungsordnungen ergänzend berücksichtigt

• BBNE im Ordnungsverfahren im Hinblick auf berufsspezifische Anforderungen diskutiert und ggf. verankert

• die Standardberufsbildposition „Umweltschutz“ überarbeitet und aktualisiert

• im Rahmen der Evaluation der AEVO ihr Überarbeitungsbedarf und der der Vorbereitungskurse geprüft

• vorhandene Materialien für Aus- und Fortbildung sowie für Ausbildungspersonal gemäß BBNE-Definition überarbeitet und ergänzt

• für Berufsschullehrkräfte ein Kriterienkatalog zur Gestaltung von Lehr-Lern-Situationen zu BBNE erstellt

• vorhandene und neue Materialien über etablierte, praxisnahe Kanäle verbreitet und bestehende Angebote (z. B. foraus.de, „Ausbildung gestalten“) erweitert

• weitere Verbreitungsmöglichkeiten für Anbieter non-formaler Bildungsangebote erschlossen

Mit den Maßnahmen zur curricularen Umsetzung werden vor allem die Akteur:innen der Ordnungsarbeit adressiert. Inwieweit bereits regelhaft und formalisiert in Antragsgesprächen zu Ausbildungsverordnungen BBNE berücksichtigt wird, ist nicht bekannt. Allerdings wird in der Beschreibung des Ablaufs von Neuordnungsverfahrens darauf hingewiesen, dass Veränderungen in der beruflichen Praxis der Ausgangspunkt für diese Verfahren sind. In dem Zusammenhang heißt es: „Als Beispiele relevanter Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit sind häufig die Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu nennen“ (BIBB, 2023a, S. 19). Und da auch der „Katalog der Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten“ Gegenstand des Antragsgespräches ist, werden voraussichtlich auch nachhaltigkeitsrelevante Aspekte bereits im Rahmen dieses Vorverfahrens zur Neuordnung angesprochen.

Für die daran anschließende Berücksichtigung der BBNE in den Ordnungsverfahren gibt es allerdings zahlreiche Beispiele. So werden die zum 1. 8. 2026 in Kraft tretenden Neuordnungen für die Bauberufe explizit mit den Anforderungen an Nachhaltigkeit begründet: „Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung wurden bei der Neuordnung konsequent berücksichtigt. So wurde das bisherige Thema Wärmedämmung zu umfassenden Energieeffizienzmaßnahmen weiterentwickelt. Das Bauen im Bestand ist erstmals als durchgängiger Ausbildungsinhalt über alle drei Ausbildungsjahre verankert. Nachhaltigkeitsaspekte finden sich zudem in Planung, Baustelleneinrichtung, Materialwahl, Maschineneinsatz und Qualitätssicherung wieder“ (BIBB, 2026a). Als Begründung für eine Neuordnung wird auch für andere Berufe häufig der Nachhaltigkeitsgedanke angeführt.

Die Maßnahme Die Standardberufsbildposition Umweltschutz wird überarbeitet und aktualisiert wurde 2021 umgesetzt und hat für das Ziel einer strukturellen Verankerung von BBNE einen besonderen Stellenwert, da die neue Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ einen verbindlichen Mindeststandard für die Ausbildung in allen neugeordneten Berufen setzt - und für alle noch nicht neugeordneten Berufen schon jetzt zur Umsetzung empfohlen wird (BIBB, 2021a, S. 5). Diese sind ab 2021 für alle staatlich anerkannten dualen Berufsausbildungen verbindlich. Darunter sind übergeordnete Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit aufgeführt:

  1. „Möglichkeiten zur Vermeidung betriebsbedingter Belastungen für Umwelt und Gesellschaft im eigenen Aufgabenbereich erkennen und zu deren Weiterentwicklung beitragen
  2. bei Arbeitsprozessen und im Hinblick auf Produkte, Waren oder Dienstleistungen, Materialien und Energie unter wirtschaftlichen, umweltverträglichen und sozialen Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit nutzen
  3. für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes einhalten
  4. Abfälle vermeiden sowie Stoffe und Materialien einer umweltschonenden Wiederverwertung oder Entsorgung zuführen
  5. Vorschläge für nachhaltiges Handeln für den eigenen Arbeitsbereich entwickeln
  6. unter Einhaltung betrieblicher Regelungen im Sinne einer ökonomischen, ökologischen und sozial nachhaltigen Entwicklung zusammenarbeiten und adressatengerecht kommunizieren“ (BIBB, 2021a, S. 12–13).

Die besondere Bedeutung der Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ für den BBNE-Prozess wird vielfach betont und u. a. wie folgt begründet: „Die bildungspolitische Wirksamkeit der Standardberufsbildpositionen wird durch einen breiten Konsens aller genannten Stakeholder getragen. Dabei geht von der berufsübergreifenden Verankerung von Nachhaltigkeit für alle Berufe des dualen Systems eine nicht zu unterschätzende Signalwirkung aus. Verbindliche Mindestanforderungen weisen auf einen sich vollzogenen und weiterentwickelnden Bedeutungszuwachs hin und geben in Bezug auf die inhaltliche Ausgestaltung nachhaltigkeitsbezogener Aspekte Orientierung. Erfreulich ist dabei, dass ein deutlicher Schwerpunkt auf Eigenverantwortung, Kreativität und Reflexionsfähigkeit gelegt wird, ganz im Sinne einer zukunftsorientierten Bildung, die Gestaltungsorientierung und die Fähigkeit zum lebensbegleitenden Lernen fördert“ (Hackel & Bretschneider, 2023, S. 233). Gleichzeitig gilt aber auch, dass die Verankerung von Nachhaltigkeit in den Ordnungsmitteln nur ein erster Schritt in Richtung BBNE ist und dass es nun darauf ankommt, dass die verordneten Inhalte in der Ausbildungspraxis mit Leben gefüllt werden müssen (Hackel & Bretschneider, 2023, S. 233).

Schließlich wird eine Evaluation der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) im Hinblick auf Modernisierungsbedarf als eine Maßnahme zur curricularen Verankerung von BBNE benannt. Diese Evaluation hat im Rahmen einer Kurzstudie 2020/21 stattgefunden. Es sollte dabei geprüft werden, ob „die Ausbildereignungs-Verordnung (AEVO vom 21.01.2009) und die Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses zum Rahmenplan für die Ausbildung der Ausbilderinnen und Ausbilder (HA-Empfehlung 135 vom 25.06.2009) die aktuellen Herausforderungen an das Ausbildungspersonal (Digitalisierung, Nachhaltigkeit, demografische Entwicklung, Heterogenität) und die betriebliche Ausbildungspraxis ausreichend abbilden oder ob gegebenenfalls Änderungs- oder weiterführender Evaluationsbedarf besteht“ (BIBB, 2021b). Auf der Basis von Online-Expert:innen-Befragungen und einer erweiterten Projektbeiratssitzung mit Expertinnen und Experten aus Politik, Praxis und Wissenschaft wird als Ergebnis der Studie empfohlen, „die Verordnungen AEVO/AMVO aufgrund ihrer gestaltungsoffenen Formulierung in der aktuellen Fassung derzeit beizubehalten und durch Weiterbildungsangebote und Auffrischungskurse zu ergänzen... und es „wird auf der Ebene der Umsetzung die Aktualisierung des Rahmenplans empfohlen“ (BIBB, 2021b, S. 2–3). Diese Aktualisierung ist im Juni 2023 erfolgt. In einer Empfehlung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung zum Rahmenplan der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) wurde eine Reihe nachhaltigkeitsspezifischer Ergänzungen in das Curriculum der AEVO eingefügt (BIBB 2023b).

Ein zweiter Block an Maßnahmen im Handlungsfeld V bezieht sich auf die didaktische Umsetzung. Hier sollen vorhandene Materialien zur Aus- und Fortbildungspraxis sowie für die Ausbildung der Ausbilder:innen überarbeitet werden und es soll für Berufsschullehrkräfte ein Kriterienkatalog für die Gestaltung von Lehr-/Lernsituationen in Bezug auf BBNE erstellt werden. Dabei ist nicht ganz klar benannt, an wen die Maßnahmen adressiert sind. Die Lehrmittelhersteller reagieren in der Regel recht schnell und flexibel auf Veränderungen in den Ausbildungsordnungen und Lehrplanvorgaben. Dieser Prozess sollte sich daher wie gewohnt „naturwüchsig“ vollziehen. Für BBNE-spezifische Ergänzungen der Inhaltskataloge zur Ausbildereignungsprüfung gibt es einige konkrete Vorschläge (Kastrup et al., 2022), ebenso wie für einen Kriterienkatalog für Berufsschullehrkräfte zur Gestaltung von Lehr- und Lernsituationen in Bezug auf BBNE (siehe Beitrag von Vollmer et al. in dieser Ausgabe). Eine verbindliche Verankerung von nachhaltigkeitsspezifischen Inhalten in der AEVO oder von Kriterien für einen BBNE-orientierten Berufsschulunterricht steht jedoch noch aus.

Im dritten und letzten Block an Maßnahmen im Handlungsfeld V geht es um die Verbreitung didaktischer Materialien, die auf „nachgefragten Kommunikationskanälen“ stattfinden soll und auch für „Anbieter von non-formalen Bildungsangeboten geöffnet“ sein soll. Hier kann auf die bereits o. a. BBNE-Portale des BIBB und das BNE-Portal der Nationalen Plattform sowie das Portal für das Ausbildungspersonal „leando“ verwiesen werden, auf denen umfangreiches didaktisches Material für die Aus- und Fortbildung zu finden ist. Schließlich ist in diesem Zusammenhang auch die BIBB-Reihe „Ausbildung gestalten“ anzuführen, in denen Umsetzungshilfen und Zusatzmaterialien zu neuen und modernisierten Ausbildungsberufen für Ausbilder:innen und Berufsschullehrkräfte bereitgestellt werden (https://www.bibb.de/de/654.php). In aller Regel enthalten diese Publikationen seit einigen Jahren immer auch einen – meist gleichlautenden – Abschnitt mit Hinweisen für eine „Nachhaltige Entwicklung in der Berufsausbildung“ (siehe z. B. BIBB, 2026b, S. 63–64). 

Auch im Handlungsfeld V ist der überwiegende Teil der angeführten Maßnahmen umgesetzt worden. Insbesondere die Neufassung der Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ eröffnet viele Möglichkeiten, BBNE didaktisch und curricular in der Ausbildungspraxis und auch in Prüfungen zu verankern. Die Entwicklung und Erprobung von didaktischen Konzepten sowie deren Vermittlung an Lehrkräfte ist eine ureigene Aufgabe der universitären Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Hier besteht – vorsichtig formuliert – noch ein großes Potenzial, diese Aufgabe durchgängig in allen Hochschulen im Rahmen der ersten Phase der Ausbildung von Berufsschullehrkräften anzugehen und BBNE-bezogene didaktische Konzepte im Hochschulcurriculum zu verankern.

4 Fazit

Eine Bilanzierung der im Kontext des NAP BNE für den Bereich der beruflichen Bildung geplanten und umgesetzten Maßnahmen kann nur ausschnitt- und beispielhaft vorgenommen werden – zu groß ist der Umfang an Initiativen und Aktivitäten zur BBNE in den vergangenen zehn Jahren. Es zeigt sich jedoch schon bei einer überblicksartigen Betrachtung, dass nahezu alle und vor allem die zentralen Maßnahmen tatsächlich systematisch umgesetzt wurden. Vor allem das BIBB hat im Rahmen der Ordnungsarbeit und der Modellversuchsforschung hierzu entscheidende Beiträge geleistet. Diese wurden – durch „Commitments“ im NAP und flankierende Maßnahmen – aktiv unterstützt durch verschiedene Bundesministerien sowie die Sozialparteien. Die Arbeiten des BIBB zur Nachhaltigkeit werden dementsprechend auch in der jüngsten Evaluation des BIBB durch den Wissenschaftsrat hervorgehoben: „Besonders positiv hervorzuheben sind die wissenschaftsbasierte Arbeit des BIBB im Rahmen der Entwicklung und Überarbeitung von Ausbildungsordnungen, seine digitalen Informationsportale und anwendungsorientierten Trainings … sowie seine sehr guten Transferpublikationen zu den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Integration“ (Wissenschaftsrat, 2025, S. 15).

„Nachhaltigkeit“ ist kein ein für alle Mal erreichbarer Zustand, sondern verstanden als Leitbild eine dauerhafte Aufgabe, ähnlich der Orientierung am „Stand der Technik“. Dementsprechend müssen auch die Maßnahmen und die Bildungsinhalte immer wieder neu angepasst werden. Dass dieses auch passiert, zeigt sich zum Beispiel in veränderten Prioritäten, die sich in der Ausrichtung von Förderprogrammen niederschlagen. Die Fokussierung auf den Transfer von Projektergebnissen zur BBNE oder der berufs- und branchenübergreifende Fokus auf die Kreislaufwirtschaft im aktuellen Förderprogramm zur BBNE zeigen die Notwendigkeit und auch die Bereitschaft, aktuelle Entwicklungen im Bereich der BBNE aufzugreifen.

Der NAP stellte mit seiner auf mehrere Jahre angelegten Programmatik zu einer Bildungsinnovation ein gewagtes Vorhaben dar, da sich naturgemäß im Laufe der Zeit immer neue Aspekte und notwendige Neuorientierungen ergeben. So waren bei der Entstehung des NAP die Nutzung künstlicher Intelligenz oder die steigende Relevanz von Demokratiebildung noch kaum ein Thema. Es hat sich aber gezeigt, dass der BBNE-Prozess flexibel genug ist, um einerseits neue Facetten zur BBNE aufzugreifen und andererseits weniger relevante Aspekte nicht mehr prioritär zu verfolgen.

Der Horizont für die Umsetzung und Ziele des NAP ist das Jahr 2030. Es bleibt also noch etwas Zeit, um noch ausstehende Arbeiten zu erledigen. Eine zentrale Aufgabe besteht u.E. darin, die Aus- und Fortbildung von Berufsbildungspersonal im Hinblick auf BBNE zu forcieren. Ausbilder:innen und Berufsschullehrer:innen haben eine Schlüsselposition für eine wirksame Nachhaltigkeitsbildung. Sowohl die strukturelle Verankerung von BBNE in den Curricula der Hochschulen für die Ausbildung von Berufsschullehrkräften als auch in den Curricula der Ausbildung von Ausbilderinnen und Ausbildern sind daher wesentliche Aufgaben der nächsten Jahre.

Ein weiterer Schlüssel ist die konsequente Entwicklung nachhaltiger Lernorte in der beruflichen Bildung. Eine nachhaltige Lernumgebung kann als „dritter Pädagoge“ die Wirksamkeit von BBNE unterstützen. Hier sind vor allem Kommunen, Bundesländer und der Bund gefordert, in einer konzertierten Aktion die dafür notwendigen Ressourcen bereitzustellen. 

Schließlich sollte der NAP dahingehend weiterentwickelt werden, dass BBNE stärker mit anderen aktuellen Diskursen, wie zum Beispiel Demokratiebildung oder Global Citizenship Education verknüpft wird. Nachhaltige Entwicklung als „große Transformation“ zielt auf tiefgreifende Veränderungsprozesse in der Wirtschaft und Gesellschaft, die nur in einem gemeinsamen Handeln lokal und global vollzogen werden können. Damit wird zwangsläufig eine Perspektive auf die politische Bildung eröffnet, in deren Rahmen auch Machtverhältnisse und Wege zur demokratischen Mitgestaltung aufgezeigt werden. Durch die Einbettung beruflicher Bildung in den gesellschaftlichen Implikationszusammenhang der nachhaltigen Entwicklung ist berufliche Bildung immer auch politische Bildung.

Insgesamt ist unser Resümee, dass es sich bewährt hat, einen Aktionsplan mit konkret formulierten Maßnahmen und einer verbindlichen Selbstverpflichtung der relevanten Akteur:innen aufzustellen. Der NAP erfüllte die Funktion einer „Roadmap“ für die strukturelle Verankerung von BBNE und lieferte damit auch Kriterien für eine Bilanzierung dieses Prozesses. Dass dieser Prozess bei weitem noch nicht abgeschlossen ist und es noch ein weiter Weg zu einer wirklich nachhaltigen Berufsbildungs- und Arbeitswelt ist, ist eine Binsenwahrheit. Aber zumindest liegen schon zahlreiche gute Praxisbeispiele und auch konzeptionelle Ansätze für diesen Weg vor.

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Zitieren des Beitrags

Kastrup, J. & Kuhlmeier, W.  (2026). Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung – ein bilanzierender Rückblick auf ausgewählte bildungspolitische Aktivitäten in den letzten zehn Jahre. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, 50, 1–21. https://www.bwpat.de/ausgabe50/kastrup_kuhlmeier_bwpat50.pdf

Veröffentlicht am 25. Juni 2026