bwp@ Spezial AT-1 - September 2018

Wirtschaftspädagogische Forschung und Impulse für die Wirtschaftsdidaktik

Beiträge zum 12. Österreichischen Wirtschaftspädagogikkongress

Hrsg.: Bettina Greimel-Fuhrmann

Auf Vorrat lernen oder erst bei Bedarf nachschlagen? Eine empirische Untersuchung zur Aktivierbarkeit und Anwendbarkeit erworbenen Wissens im Rechnungswesen zu späteren Zeitpunkten

Beitrag von Richard Fortmüller & Lisa Kreilinger
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Lernen in beruflich relevanten Domänen zielt u.a. darauf ab, das erworbene Wissen zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen der Bewältigung konkreter beruflicher Situationen anwenden zu können. Dies setzt zum einen voraus, dass auch vor längerer Zeit angeeignetes Wissen noch verfügbar ist, und zum anderen, dass die Anwendung des Wissens auch bei – im Vergleich zur Lernsituation – veränderten Anforderungen gelingt. Doch in welchem Ausmaß ist dies der Fall?

Um erste Antworten auf diese Frage für die Domäne Rechnungswesen zu erhalten, haben Studierende der WU Wien, die vor mindestens drei Monaten die Prüfung aus Accounting and Management Con­trol (AMC) II erfolgreich absolviert hatten, im Rahmen eines Experimentes prüfungsanaloge Testauf­gaben sowie Transferaufgaben bearbeitet. Knapp die Hälfte der Studierenden (n = 225) durfte hierbei ein Nachschlagewerk zu den AMC II-Lehrinhalten verwenden (Experimentalgruppe 2), die andere Hälfte (n = 250) musste die Aufgaben ohne die Möglichkeit des Nachlesens lösen (Experimentalgrup­pe 1). Die Kontrollgruppe (n = 226) bildeten Absolvent/innen von AMC I, die noch nicht AMC II be­sucht hatten und ebenfalls das Nachschlagewerk erhielten.

Bei beiden Experimentalgruppen lagen die Testleistungen bei den prüfungsanalogen Aufgaben zwar statistisch signifikant (p<0,01) unter jenen bei der AMC II-Prüfung, jedoch erzielten beide Experi­mentalgruppen signifikant (p<0,01) bessere Ergebnisse als die Kontrollgruppe. Bei den Transferauf­gaben erbrachte nur Experimentalgruppe 2 signifikant (p<0,01) höhere Leistungen als die Kontroll­gruppe. Experimentalgruppe 2 erreichte sowohl bei den prüfungsanalogen als auch bei den Transfer­aufgaben statistisch signifikant (p<0,01) bessere Testergebnisse als Experimentalgruppe 1.

Die Möglichkeit des bedarfsorientierten Nachlesens kann Vergessenseffekte und Wissenslücken zwar teilweise kompensieren, systematisches Lernen auf Vorrat jedoch nicht vollständig ersetzen.

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Zitieren des Beitrags

Fortmüller, R./Kreilinger, L. (2018): Auf Vorrat lernen oder erst bei Bedarf nachschlagen? Eine empirische Untersuchung zur Aktivierbarkeit und Anwendbarkeit erworbenen Wissens im Rechnungswesen zu späteren Zeitpunkten. In: bwp@ Spe­zial AT-1: Wirtschaftspädagogi­sche Forschung und Im­pulse für die Wirt­schaftsdidaktik – Beiträge zum 12. Österreichischen Wirtschaftspädagogik­kongress, 1-19. Online: http://www.bwpat.de/wipaed-at1/fortmueller_kreilinger_wipaed-at_2018.pdf (13.09.2018).