bwp@ 49 - Dezember 2025

Innovation und Transfer in der beruflichen Bildung

Hrsg.: Nicole Naeve-Stoß, H.-Hugo Kremer, Karl Wilbers & Petra Frehe-Halliwell

„Ich sehe was, das du nicht siehst …“: Eine kritische Reflexion programmbezogener Translationsprozesse

Beitrag von Nina-Madeleine Peitz, Sandra M. L. Liebscher & Hubert Ertl
bwp@-Format: Forschungsbeiträge
Schlüsselwörter: Innovationstransfer, Translationsprozessen, Programmbegleitung, Berufsbildungsprogramme, Begleitforschung

Der Beitrag untersucht modellierte Translationsprozesse im Rahmen des Förderprogramms InnoVET (2020–2024) als zentrale Instrumente für Innovationstransfer in der beruflichen Bildung. Aufbauend auf einem bestehenden Modell ko-konstruktiver Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis analysiert die Studie, wie in der Programmrealität die Projektbegleitung unter der Einbeziehung von Translationsdimensionen – wie etwa Übersetzung, Anpassung, Kontextadaption mittels beispielsweise Stakeholdereinbindung oder Feedbackschleifen – aus Sicht von Projektbeteiligten umgesetzt wurde. Grundlage ist eine qualitativ-interpretative Untersuchung mit Stakeholdern aus InnoVET-Projekten, ergänzt durch Dokumentenanalysen. Ziel ist es, Programmförderlogiken kritisch zu reflektieren sowie institutionelle und professionelle Voraussetzungen für wirksamen Transfer herauszuarbeiten. Die Ergebnisse sprechen für eine Weiterentwicklung von Programmbegleitung, die stärker auf Partizipation, Ko-Kreation und adaptive Kommunikationsprozesse setzt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich die Anforderungen an solche „Next- Level“-Translationsprozesse praktisch gestalten und welche Gelingensbedingungen und Herausforderungen sich daraus für künftige innovationspolitische Programme ableiten lassen.

“I see something you don't see ...”: A critical reflection on program-related translation processes

English Abstract

The article examines modelled translation processes within the framework of the InnoVET funding programme (2020–2024) as key instruments for innovation transfer in vocational education and training. Building on an existing model of co-constructive communication between science, politics and practice, the study analyses how project support was implemented in the reality of the programme, taking into account translation dimensions – such as translation, negotiation and context adaptation by means of stakeholder involvement or feedback loops, for example – from the perspective of project participants. The basis is a qualitative-interpretative study with stakeholders from InnoVET projects, supplemented by document analysis. The aim is to critically reflect on programme funding logics and to identify institutional and professional prerequisites for effective transfer. The results speak in favour of further developing programme support that focuses more strongly on participation, co-creation and adaptive communication processes. The focus is on the question of how the requirements for such ‘next-level’ translation processes can be designed in practice and what conditions for success and challenges can be derived from this for future innovation policy programmes.

1 Einleitung – der Weg von der Entwicklung zur Anwendung einer Berufsbildungsinnovation

Der Begriff Transfer von der Innovationsentwicklung in ihre Anwendung ist in aller Munde. Was sich genau hinter diesem Prozess verbirgt, bleibt in den meisten Fällen häufig ein Buch mit sieben Siegeln. Kaum existieren bis dato Forschungsergebnisse zur Ausgestaltung von Übertragungsprozessen (Translation) zwischen daran Beteiligten, die neben einem Erkenntnisinteresse auch praktische Lösungen zur Förderung wirksamer, sprich in der Realität nutzbarer, Innovationen bieten können. Der Wissenschaftsrat (WR, 2021, S. 11) definiert Translation in einem weiteren Sinne wie folgt:

„Translation. Damit sind Prozesse adressiert, die es ermöglichen, Erkenntnisse aus der [F]orschung in die [Berufsbildungspraxis] zu bringen und umgekehrt Wissen aus der [Praxis] für die Forschung zugänglich und nutzbar zu machen.“

In Programmen und Projekten der beruflichen Bildung entwickeltes forschungsbasiertes, innovatives Wissen erfährt nach Laufzeitende mitunter häufig das Schicksal einer Versickerung, im valley of death der Innovation (Haerdle, 2022, S. 14). Im o.g. Papier des Wissenschaftsrates ist dies u.a. auf eine zu geringe Vernetzung der Forschung mit anderen im Programm beteiligten Akteuren (wie Politik, Unternehmens-, (Hoch-)Schul-, institutionelle Praxis) zurückzuführen. Dabei sind die Erwartungen an eine forschungsbasierte Gestaltung des Bildungswesens zwecks Verbesserung der Innovationstätigkeit – welche Programme mit einschließt – in der letzten Zeit hoch (Ansmann et al., 2025; Schrader et al., 2020). Gefördert werden soll die Bildungspraxis sowie ihre politische Ausformung auf Basis „gesicherten empirischen Wissens“ (Schrader et al., 2020, S. 9). Nur wie gelangt dieses Wissen von der Forschung in die Praxis? Innovatives Wissen ist dann interessant für die Bildungspraxis, wenn es zur Lösung eines konkreten, komplexen Problems in der Praxis beiträgt. Allerdings – und das ist nichts Neues: trifft das forschungsbasierte Wissen auf „weak ties“ zwischen Forschenden und Praktiker/-innen (vgl. Farley-Ripple et al., 2018, S. 235), dann findet es keine Anwendung. Mangelnde Expertise der Forschung, ihre Ergebnisse für die Empfänger/-innen verständlich zu machen, und damit sie für die Implementierung zu übertragen (Christ et al., 2019), kann Innovation hemmen. Gleichzeitig ist bislang wenig empirisch erforscht, welche Faktoren die Praxis bewegen, neues Wissen bzw. Theorien zu rezipieren. Als Konsequenz bedarf es einer Fokusverschiebung; muss erörtert werden, was und wie etwas im Transformationsprozess abläuft, sodass bestmöglich nachhaltig innovatives Wissen in einen anderen Handlungskontext und dort zur Anwendung gelangt (vgl. Sloane, 2018). So rücken wir die Translation in den Mittelpunkt der Betrachtung (vgl. Wissenschaftsrat, 2021; Thompson, 2017).

Die obige Definition erweitern und präzisieren wir daher für den Programmkontext, in dem bislang keine Definition und keine systematische Forschung zu Translation existiert, wie folgt neu: Translation in der Umsetzung von Innovationsprogrammen ist ein wechselseitiger dialogischer adressatengerechter Transfer von Wissen und Ergebnissen zwischen Akteur/-innen auf Augenhöhe. Dabei wird Wissen vom Transfergebenden als auch vom Transfernehmenden sowohl übersetzt, ausgehandelt, übertragen (kommuniziert, zugänglich gemacht) und für die jeweiligen Zwecke angepasst. Die Akteur/-innen kommen in Innovationsprogrammen aus der Praxis, Forschung, und Politik.

Im Zentrum der Frage nach einer nachhaltigen Innovation steht als Erkenntnisinteresse das Zusammenwirken der drei vernetzten Bereiche in der gemeinsamen Gestaltung von Bildung (vgl. bspw. Holzer et al., 2025). Die Untersuchung baut auf Erkenntnissen eines vorangegangenen Forschungsbeitrags (vgl. Peitz & Liebscher, 2025) auf, der Translationsprozesse zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik im Rahmen der Trilateralen Begleitforschung des InnoVET-Programms analysierte (vgl. auch Ertl & Peitz, 2022). Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erarbeitet Lösungen zwecks Verbesserung der Programmbegleitung aus forschungs- und administrativer Sicht. Damit ist die Untersuchung ferner anschlussfähig an den Beitrag von Ansmann et al. in dieser Ausgabe, die für das BIBB u.a. aus einer programmvergleichenden Perspektive diskutieren, inwiefern programmbegleitende Strukturen und Kooperationsformate im Innovationstransfer eine Rolle spielen.

Unser Beitrag zielt darauf ab, die bisher kaum systematisch betrachtete Umsetzung von Anforderungen an Translationsprozesse und Innovationstransfer innerhalb der Projektpraxis zu erfassen. Dabei soll für die aktuelle und zukünftige Programmumsetzung geklärt werden,

  • inwieweit die Translationsprozesse (z. B. Kommunikation, Feedbackschleifen, Kontextadaption, Einbindung) aus der Sichtweise von Stakeholdern aus Forschung und Praxis im Programm InnoVET (vgl. BMBF 2021, Laufzeit 2020-2024) modelliert bzw. erlebt wurden,
  • und welche institutionellen und professionellen Voraussetzungen für nachhaltige Wissenstransferprozesse in Förderprogrammen förderlich sind.

Aus den zentralen empirischen Befunden wurden Ansätze für eine „Next-Level“-Programmbegleitung abgeleitet, die systemische Brüche im Bildungsdiskurs durch ihre translatierende Vermittlungsrolle konstruktiv adressiert. Warum eine auf Translation ausgerichtete Programmbegleitung relevant ist, wird im Folgenden erörtert.

2 Die Relevanz von Translation im Kontext der Wissenschafts-Praxis-Politik-Zusammenarbeit in großen Programmen

  • Translation: Kein Selbstläufer, aber Chance zur Innovationsförderung und für die Praxisrelevanz von Forschung

Aktuelle Programme wie InnoVET (BMBF, 2021) und InnoVET PLUS (BMBF, 2024) sind zentrale Entwicklungs- und Steuerungsinstrumente innovationsorientierter Berufsbildungspolitik. Ihnen kommt nicht nur die Aufgabe zu, neue Konzepte und Strukturen zu entwickeln, sondern auch deren nachhaltige Überführung in das Regelsystem sicherzustellen. Folge einer gelungenen Innovation ist, wenn das entwickelte innovative Wissen im systemischen Umfeld in der Berufsbildungspraxis Wirkung entfaltet (Kanschat & Niethammer, 2024). Dabei steht außer Frage, dass eine gezielte Vermittlungsarbeit beim Innovationstransfer – durch sogenannte Translation –, die wechselseitig stattfindet, förderlich ist.

Translationsprozesse in Innovationsprogrammen sind geprägt von (1) Kommunikation und Bereitstellung von anwendbarem Wissen, (2) Adaption von Wissen an unterschiedliche Kontexte, (3) Einbindung und Vernetzung relevanter Stakeholder, (4) Feedbackschleifen, iterative Prozesse und Qualitätssicherung, sowie (5) die Rückbindung der Ergebnisse an die Politik (vgl. Peitz & Liebscher, 2025, S. 221f). In Innovationsprogrammen sollten im Translationsprozess idealerweise Vertreter/-innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik gemeinsam mitwirken. Mindestens zwei dieser Bereiche sind im Translationsprozess kommunikativ involviert: Der Austausch von Wissen und Ergebnissen erfolgt dabei wechselseitig zwischen folgenden Akteursgruppen: Wissenschaft und Politik, Wissenschaft und Praxis sowie Praxis und Politik. Eng damit verknüpft ist die Notwendigkeit, dass sich Programmentwickelnde und -durchführende einer kritischen Reflexion der Ausgestaltung und Wirkung dieser Prozesse stellen (Köller et al., 2022). Diese Auseinandersetzung wird in Förderprogrammen durch die Politik auch gerade von Wissenschaft und Praxis eingefordert.

Allerdings scheint die Frage nach dem Nutzen von Forschung in der Förderlandschaft generell aufgeworfen: Laut Fecher (2022) forderten in den vergangenen Jahren fast alle Mittelgeber von Förderinitiativen, den Nutzen der beantragten Forschung außerhalb der wissenschaftlichen Community darzulegen. Die Beurteilung wissenschaftlicher Arbeit ist heute stärker abhängig von ihrem „sozialen, kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen“ als ausschließlich von ihren verlässlichen Ergebnissen (Fecher, 2022, S. 124).

Hier knüpft diese Untersuchung an: Es soll untersucht werden, welche Rolle die Wissenschaft nicht nur bei der Generierung, sondern auch bei der Vermittlung von Innovationen einnehmen kann (vgl. Peitz & Liebscher, 2025, S. 221-232). Dies rückt den Weg zur Nutzbarmachung von Ergebnissen in den Fokus. Dieser Weg wird gemeinhin als Transfer beschrieben. Transfer bedeutet Austausch, Übertragung, Vermittlung und Weitergabe, nachdem auf der einen Seite Erkenntnisse erlangt und diese auf einer anderen Seite angewandt werden (Pfannstiel & Dautovic, 2023). Transfer ist weder linear (Hartmann et al., 2017) noch ausschließlich als „Theorieangebot“ von der Wissenschaft an die pädagogische Praxis zu verstehen (Sloane, 2018, S. 2). Arnold (2022) plädiert angesichts der prozess- und wechselhaften Natur beispielsweise für die Verwendung des Begriffs Transformation.

Transfer-, Transformations- oder Innovationsprozess bedeutet, dass Wissen wechselseitig zwischen Praxis, Wissenschaft und Politik ausgetauscht wird. Neben dem einfachen Bereitstellen von Lösungen beinhaltet gelungener Transfer demnach modellierte Kommunikationsprozesse (vgl. Peitz & Liebscher, 2025, S. 221-232), in deren Zentrum die Translation steht. Das wirft die Frage auf, welche Rahmenbedingungen und Prozesse den Transfer aus Sicht der Akteure unterstützen, so dass wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Vorgaben in die pädagogische Praxis gelangen – also translatiert werden – und umgekehrt.

Mit einer Hinwendung zur Translation wird einem seit vielen Jahren bestehenden Problem begegnet: Die (Berufs-) Bildungsforschung wird immer wieder dafür kritisiert, praxisfern zu sein (Bereiter, 2002; Reinmann, 2005; van Ackeren et al., 2013), zu wenig Einfluss auf die tatsächliche Weiterentwicklung des Bildungssystems zu nehmen (Gräsel, 2010) und hat insbesondere mit begrenzter Wirksamkeit in der Bildungspraxis zu kämpfen (Stangl, 2020). Zunehmend wird ihre „gesellschaftliche Relevanz“ adressiert. Die Anschlussfähigkeit bspw. wissenschaftlicher Erkenntnisse an die Logiken der Praxis ist kein Selbstläufer. Die Berufsbildungspraxis ist gefordert, ihre Bedarfe adressatengerecht zu kommunizieren. Eine Übertragung und Anwendung forschungsbasierter Erkenntnisse in die Praxis scheitert oft an der Inkompatibilität der Systemlogiken von Wissenschaft und Berufsbildungspraxis (Robak & Käpplinger, 2015). Erforderlich ist eine wechselseitige gezielte Vermittlungsarbeit beim Innovationstransfer – durch die Modellierung sogenannter Translationsprozesse. Zu dieser adaption loop (Simplicio et al., 2020, S. 3) gehört als Ausgangspunkt, Probleme in der pädagogischen Praxis zu identifizieren und diese in relevante Forschungsfragen zu übersetzen. Die Übersetzung ist inhärenter Teil der gemeinsamen Auseinandersetzung. Damit erhält sie eine besondere Rolle, denn laut Thompson (2017, S. 234) leitet ein solches Übersetzungsverhältnis auf diese Weise maßgeblich „das pädagogische Denken und Handeln“ und fordert die eigenen Positionen der Beteiligten durch neue Denkräume heraus. In der Konsequenz des gemeinsamen Übersetzens, Aushandelns, Anpassens (das Translations- oder Übersetzungsverhältnis) erfahren Forschungswissen und Konzepte aus der Politik Bedeutung bzw. Wirkung in der Praxis und die Praxis beeinflusst ihrerseits das Forschungs- bzw. politische Wissen. In diesem Prozess entsteht Anschlussfähigkeit innovativer Lösungen.

2) Innovationen entstehen im Rahmen einer ko-konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb eines Entwicklungsprozesses von Forschung und Praxis. Jede/-r hat seinen bzw. ihren eigenen Wirkungskontext. Für eine gelingende Übertragung ist modellierte Translation unabdingbar.

Im Rahmen aktueller bildungspolitischer Programme wie InnoVET (BMBF, 2021) und InnoVET PLUS (BMBF, 2024) bieten sich neue Chancen für von Forschung, Praxis (und Politik) gemeinsam zu entwickelnde soziale Innovationen: Hier können Projekte und wissenschaftliche Begleitung gemeinsam an Innovationszielen arbeiten (Euler, 2024). Damit wird der Paradigmenwechsel im Hinblick auf Transferverständnisse in Programmen sichtbar, der sich von Wissensmanagement, Vernetzung und der systematischen Erfassung, Speicherung und Teilung von Wissen (Bertelsmann, 2004; Degen et al., 2009) hin zu Partizipation und Kooperation verlagert hat (vgl. Peitz & Liebscher, 2025). In der Konsequenz wird Wissen gemeinsam im Rahmen von Translationsprozessen erschlossen, um es in die Anwendung zu bringen.

Im Kontext von InnoVET wurde durch die Programmbegleitforschung untersucht, wie solche Translationsprozesse auf der Programm- und Projektebene gelingen können. Sie orientiert sich methodisch am Design-Based Research-Ansatz (DBRC, 2023), der sich durch seine partizipative und praxisnahe Ausrichtung auszeichnet. Damit korrelieren auch jüngere Forschungsergebnisse zum Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis in der Schul- und Hochschulbildung (vgl. bspw. Donie et al., 2019; Mohajerzad et al., 2021; Schreiner et al., 2019) sowie in der Erwachsenen-/Weiterbildung (vgl. bspw. Breitschwerdt & Egetenmeyer, 2022).

Im Rahmen der Förderprogrammforschung empfehlen Studien der letzten Jahre die partizipative Erarbeitung von Innovationen – unter anderem unter Bezug auf gestaltungsorientierte Begleitforschung von Programmen – und schlagen Handlungsempfehlungen vor (Kerres et al., 2022; Melzig & Hemkes, 2024; Rüschoff & Velten, 2021; Schemme & Novak, 2017; Schlömer et al., 2024). Konkrete empirische Ergebnisse unter Einbezug von Einschätzungen und Erfahrungen von Projektbeteiligten aus Forschung, Praxis und Politik, auch mit dem Schwerpunkt auf genau jene Prozesse, die in Programmdurchführungen zwischen Erkenntnisgewinnung und -anwendung stattfinden, liegen bislang für den spezifischen Berufsbildungsprogrammkontext nicht vor.

Welche Gelingensbedingungen braucht es, aber auch welche Reibungen entstehen, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Steuerung und Praxisinteressen aufeinandertreffen?

Beim gelungenen Transfer werden innerhalb von Translationsprozessen Inhalte so übertragen, dass die Empfänger/-innen diese zugänglich gemacht bekommen und nutzen können. Die Art und Weise, wie Sprache adressatengerecht eingesetzt wird, spielt dabei eine große Rolle (Christ et al., 2019). An den o.g. reziproken Kommunikationsprozessen sind Transfergebende und -nehmende aus den drei Bereichen beteiligt. Das Produkt lässt sich nach Thompson (2017) als Übersetzungsverhältnisse beschreiben. Diese spielen eine entscheidende Rolle, um die differierenden Verstehens- und Handlungslogiken jeder im Entwicklungsprozess beteiligten Seite zu überwinden. Brandt (2022) bezeichnet den multidirektionalen Transfer als Dialoggeschehen auf Augenhöhe (vgl. auch Sloane, 2018), bei dem Wissenschaft und Praxis um Perspektivverschränkung bemüht sind – eine herausfordernde Aufgabe, insbesondere in großen Programmen. Von Seiten der Politik wird in diesem Zuge auch von der Notwendigkeit gesprochen, die Trennung zwischen Anwendungs- und Grundlagenforschung zu überwinden (Haerdle, 2022).

Zusammenfassend sind Translationsprozesse insbesondere relevant, da sie im Prozess der gemeinsamen Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik innovatives Wissen und Erfahrungen in die Umsetzung und Weiterentwicklung bringen. Das Verständnis über Translation sowie ihre praktische Umsetzung sind mit einigen Herausforderungen behaftet. Beides wird im Begleitforschungsprojekt InnoVET erforscht.

3 Vorarbeiten und Forschungsstand – Das Bewusstsein aller Beteiligten

“Translating research into practice is a decidedly nontrivial task.” (Burkhardt & Schoenfeld, 2003, S. 4)

Im Bereich der Schul- und Hochschulbildung existieren eine Vielzahl an Studien, die sich mit dem Transfer von Innovationen als gemeinsamer Entwicklungsprozess zwischen Wissenschaft und Praxis (und Politik) (Gräsel, 2010, 2019; Gräsel et al., 2005; Mintrop, 2019; Trempler et al., 2014), oder mit research-practice-partnerships (Farley-Ripple et al., 2018; Farrell et al., 2019; Penuel et al., 2015) beschäftigen.

Im Programmbereich erfährt die Thematik eine besondere Brisanz: Berufsbildungspolitische Programme werden als Antwort auf komplexe Problemstellungen der jeweils aktuellen wirtschaftlich-gesellschaftlichen Situation einer Volkswirtschaft aufgesetzt. Innerhalb der Programme sollen konkrete Lösungsalternativen für die Probleme geschaffen werden. Damit befinden sich Programme unmittelbar im Spannungsfeld der Interaktion der nach Loroff bezeichneten Hauptakteure Wissenschaft, Wirtschaft (Praxis) und Politik, welches zusammen das Haupt-Innovationssystem darstellt (Loroff, 2009).

Der in der Forschung regelmäßig thematisierte Wissenschafts-Praxis-Politik-Transfer (oder auch Wissenschafts-Praxis-Kooperation/-Kommunikation) ist bis heute im Detail wenig aufgeschlüsselt. Die Relevanz dieses Trialogs wurde in den 50-er Jahren bereits diskutiert, wie bspw. in der Hildesheim-Studie (Robak & Käpplinger, 2015). In den vergangenen Jahren wachse laut Robak und Käpplinger (2015) die Distanz im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis, Kommunikations- und Dialogprozesse gelingen oftmals nur schwer (Ratermann-Busse, 2023). Neben einer Distanz lassen sich gleichzeitig auch Abhängigkeiten zwischen Wissenschaft und Praxis aufdecken: Die Lebenswelt Praxis ist so Objekt der Forschung, wie die Wissenschaft das Praxishandeln legitimiert oder der Praxis neue Erkenntnisse liefert (Dilger & Euler, 2018, S. 1). Existierende Spannungen sind teils auf Gestaltungsaufforderungen und -anforderungen sowie teils auf „erneuerte Interessensbekundungen“ der Wissenschaft gegenüber den Belangen der Praxis zurückgeführt (Robak & Schöll, 2015, S. 3). Auf Seiten der Politik wiederum werde nach Robak und Schöll (2015) eine Unruhe deutlich, die sich in der Forderung nach schnell messbaren Ergebnissen, der Wirksamkeit, zeige (vgl. hierzu auch Köller et al. 2022). Ein neuerer Ansatz, bei dem die Wissenschaft eine Rolle spielt, ist die „experimentelle Politik“ (Robak, 2019, S. 39f.). Er geht mit der von Schrader (2016) geforderten Auseinandersetzung mit neuen Funktionsanforderungen und Erwartungen im Bereich der Politikberatung bei der Betrachtung des Wissenschafts-Politik-Verhältnisses einher. Den Einbezug der Politik in einen Trialog braucht es insbesondere, da Entscheidungen „auf politischer Ebene häufig ohne Beteiligung von Wissenschaft und Praxis getroffen werden“ (Robak & Schöll, 2015, S. 6). Überschneidungen zwischen den Handlungslogiken der Politik und der Wissenschaft seien lediglich partiell (Käpplinger, 2019). Auf Bundesebene existiert seit einiger Zeit eine der Förderung des Innovationstransfers gewidmete Agentur, die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI). Verankert im aktuellen Koalitionsvertrag sind die Erwartungen an die Einrichtung sehr groß (Haerdle, 2022). Es ist dabei nicht die Aufgabe und Pflicht der Wissenschaft, durch ihre Erkenntnisse nur die Interessen der Politik zu stützen. Ebenso ist es nicht ausschließlich die Rolle der Wissenschaft, Politikberatung zu unternehmen. Nichtsdestotrotz sollten u.E. die jüngeren Bestrebungen als Chance betrachtet werden: Gegensteuern und Lösungen bieten kann der Trialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik, und zwar der Art, dass er die verschiedenen Handlungslogiken und Interessen aufdeckt und vermittelt.

Es geht um Prozesse des Übersetzens, Übertragens, Auslotens und Anpassens von Fragen und Antworten, Ergebnissen, Wissen, Anwendungen, Verhaltensweisen und Produkten von der einen in die jeweils andere (Wissenschafts-/Praxis-/Politik-)Sprache. Demnach geht es um „ein komplexes Kommunikations- und Rezeptionsproblem zwischen Wissenschaft und Praxis“, welches aktiv zu gestalten ist, gerade wenn forschungsbasierte Ergebnisse in der Praxis implementiert werden sollen (vgl. Hagemeier und Sloane am Beispiel von Programmen kommunaler Bildungsarbeit, 2025, S. 93). Grundsätzlich gilt es, die sprachliche Differenz zwischen Alltagssprache – welche konkret und auf die jeweilige Situation bezogen ist – und Wissenschaftssprache – welche abstrakt ist und häufig nach Generalisierbarkeit strebt, zu überwinden (Dilger & Euler, 2018). Dilger und Euler (2018) empfehlen unter Beibehaltung der Exaktheit der Inhalte die Angleichung der Wissenschaftssprache an das Praxisfeld.

Große Programme mit dem Anspruch von Verbesserung der Qualität der deutschen Aus- und Weiterbildung, der Steigerung ihrer Attraktivität und Erlangung ihrer Gleichwertigkeit zur akademischen Bildung sind InnoVET (BMBF, 2021) und seine Fortsetzung InnoVET PLUS (BMBF, 2024). InnoVET-Projekte entwickeln und erproben unter Kollaboration von Partnernetzwerken aus Forschung und Praxis Konzepte für neue Lernortkooperationen und neue Qualifizierungsangebote wie bspw. berufliche Fortbildungen. Im Zuge der häufig postulierten Herausforderung in Programmen, die darin entwickelten Innovationen nach Förderende nicht im Sande verlaufen zu lassen und ihre Wirkung zu erhöhen, wird in InnoVET ein besonderes Augenmerk auf Faktoren gelegt, die die neuen Konzepte und Produkte langfristig nutzbar machen (können). Eine Folge dieses verstärkten Fokus‘ auf den Innovationstransfer ist die Anforderung, reziproke Prozesse der Übertragung von Wissen und Ergebnissen durch die am Innovationsprozess Beteiligten zu erforschen. In Anlehnung an die Verwendung des Begriffs Translationsprozesse gemäß Wissenschaftsrat (2021, S. 11f.) aus dem Gesundheitswesen werden im vorliegenden Kontext des Innovationsprogramms o.g. Prozesse der Übertragung, Zugänglich- und Nutzbarmachung von Wissen und Ergebnissen aus der Berufsbildungsforschung in die -praxis und umgekehrt als Translationsprozesse verstanden. Voraussetzung für die Realisierung solcher Prozesse sind gut vernetzte Strukturen zwischen den beteiligten Bereichen – InnoVET war und ist beispielsweise auf eine ausgeprägte Vernetzung im Innovationsprozess per Förderlinie angelegt. Soweit möglich, werden die Prozesse ausgeweitet auf einen wechselseitigen Transfer zwischen Wissenschaft und Politik/Praxis.

Die Politik nimmt in diesem Kontext eine spezifische Rolle ein. Als Auftraggeberin der Forschung fordert sie von dieser schnelle Lösungen für komplexe Probleme, die optimalerweise evidenzbasiert sein sollen. Zum anderen ist sie – auch aufgrund der verstreuten Zuständigkeit von Ministerien und Verwaltung für spezifische Themen – trotz der kommunizierten Erwartungen und gestellten Forderungen für eben jene Forschung bspw. für einen Dialog eher nicht greifbar (vgl. Erfahrungen im Kontext der Begleitforschung beschrieben in Peitz & Liebscher, 2025).

„Heute beauftragt zumeist Politik die Wissenschaft mit Untersuchungen. Und die Praxis? Wird – zugespitzt – nur zur Ergebnistagung eingeladen…“ lassen Robak und Käpplinger (2015, S. 46) verlauten. Die Begleitforschung InnoVET (erste Förderphase) auf Programmebene bewegt sich mit ihrer Arbeit in diesem Spannungsfeld (Ertl & Peitz, 2022, 2023). Partizipation ist eine von mehreren Transferdimensionen, die im gestaltungsorientierten Ansatz eines Innovationsentwicklungsprozesses verfolgt werden (Rüschoff & Velten, 2021). Wissenschaft, Politik und Praxis sind Partizipanten in InnoVET. Die Praxis und damit der Praxistransfer stehen im Gegensatz zur o.g. These von Robak und Käpplinger in InnoVET stärker im Fokus. Jedoch verfolgen alle drei Bereiche ihr jeweils eigenes Interesse an der erfolgreichen Verbreitung, Verwertung und Verstetigung von Innovationen im Programm. Auch das Verständnis davon, was Transfer bedeutet, variiert z. T. stark, wie Ergebnisse aus Interviews mit Wissenschafts- und Praxisakteuren sowie Beobachtungen von Gesprächen der beteiligten politischen Akteure oder direkter Austausch mit diesen zutage förderten (vgl. Daniel-Söltenfuß, 2024; Daniel-Söltenfuß et al., 2024). Verdeutlicht wird durch die genannten Aspekte insbesondere die Komplexität eines Innovationsprogramms wie InnoVET, welche erfasst und entsprechend behandelt werden muss, wenn ein Programm entwickelt und durchgeführt wird. Der nichtlineare Verlauf der Übertragung von Wissen und Ergebnissen im Sinne eines wechselseitigen Austauschs oder Dialogs ist Kern der Bestrebungen um eine dauerhafte oder längerfristige Nutzbarkeit der neuen Konzepte oder Produkte.

Die Begleitforschung InnoVET am BIBB erarbeitet unter anderem Gestaltungsempfehlungen für Translation zwischen Forschung und Praxis (vgl. auch BIBB, 2024). Übergeordnetes Ziel des Forschungsnetzwerks ist es, zur Verbesserung von Innovationen durch Forschung beizutragen (vgl. auch Schrader et al., 2020). Am Beispiel des InnoVET-Programms wurden aus der Beobachtung von Innovationsprozessen Merkmale für den wechselseitigen Wissenstransfer zwischen Akteur/-innen aus Forschung und Praxis generiert. Die Begleitforschung auf Programmebene wird dabei orientiert am Design-Based Research-Ansatz als Intervention betrachtet. Dabei ist, wie von Hagemeier und Sloane (2025, S. 100) am Beispiel kommunaler Bildungsarbeit gezeigt, die Implementation des Programms mit der Begleitforschung der Prototyp der Untersuchung.

Um Grundpfeiler der Translation für den Kontext eines Innovationsprogramms zu generieren, gilt es, die Kommunikationsprozesse zwischen den Akteur/-innen zu modellieren. Was hat das mit einer Programmbegleitung zu tun? Zwecks Umsetzung der herausgearbeiteten Translationsfaktoren eins bis sechs (s.u.) bedarf es einer forschungsbasierten begleitenden Instanz oder einzelner Person(en), welche eine vermittelnde Rolle zwischen den Beteiligten der drei Hauptbereiche einnimmt. Es soll am Kern angesetzt und die darin stattfindenden Prozesse beim Innovieren sollen unterstützt werden. Denn, wie von Hasselhorn et al. (2014, S. 23) herausgestellt, ist „das individuelle Erleben und Verhalten der an der Implementation beteiligten Akteure entscheidend für das Gelingen von Implementationen“.

Als Dimensionen von Translation wurden die folgenden sechs Dimensionen auf Basis einer Literaturanalyse und Beobachtung herausgearbeitet. Translation – hier aus der Sicht eines Transfers wissenschaftlichen Wissens durch Austausch – umfasst folgende Dimensionen (vgl. Peitz & Liebscher, 2025, S. 221f.):

  • Wissen über die sozialen Rahmenbedingungen (Entwicklungs- und Handlungslogiken, spezifische Erfahrungen, Ziele, Methoden) sowie die spezifische Sprache der beteiligten Akteure zu erlangen und sensibel dafür zu sein.
  • Wissen anwendbar zu kommunizieren und bereitzustellen (Übertragen = zugänglich machen, Übersetzen = nutzbar machen)
  • Wissen für unterschiedliche Agierende und an unterschiedliche Anwendungskontexte zu adaptieren (Anpassen).
  • Qualitätssicherung vorzunehmen: Durch z.B. Feedbackschleifen in iterativen Prozessen vergewissern, dass das generierte Wissen genutzt werden kann (Aushandeln).
  • Relevante Stakeholder einzubinden.
  • Ergebnisse in die Politik rück

Die Erkenntnisse in diesem Kapitel beruhen auf Daten aus Untersuchungen, die bis etwa ein halbes Jahr vor Programmende erhoben wurden. Der aktuelle Beitrag nimmt eine nachträgliche follow-up Befragung etwa ein Jahr nach Programmende von InnoVET vor, um eine ganzheitliche Sichtweise der Befragten zu erhalten. Das methodische Vorgehen wird nachfolgend erläutert.

4 Methodisches Vorgehen

4.1 Datenbasis

Im Fokus der Untersuchung steht die Frage, wie Translation im Kontext von Innovationsprogrammen gestaltet und unterstützt werden kann, um eine effektive Kommunikation zwischen den beteiligten Akteur/-innen zu ermöglichen und langfristig die Implementierung sowie Nachhaltigkeit innovativer Ansätze zu fördern. Die Antworten lassen Schlussfolgerungen für das o.g. Kommunikationsmodell der sechs Translationsdimensionen zu.

Der Beitrag verfolgt einen qualitativ-interpretativen Zugang. Aufbauend auf einer Literaturstudie und konzeptionellen Vorarbeiten wurde eine halbstandardisierte schriftliche Onlinebefragung mit Stakeholdern (Projektleitungen, Praxispartner, wissenschaftliche Begleitakteure) aus InnoVET-Projekten online mittels LimeSurvey durchgeführt. Eine Kernthese in Bezug auf Translationsprozesse lautet, dass das heutige Transferverständnis in Programmen einen Paradigmenwechsel von eher Wissensmanagement und -vernetzung hin zu Wissen, das gemeinsam erschlossen und angewandt wird, durchlaufen hat (Peitz & Liebscher, 2025). Dafür bedarf es einer „Next-Level“-Programmbegleitung, die Partizipation und Ko-Kreation, Translation und Kommunikation sowie Evaluation unterstützt. Dabei wird sowohl darauf abgezielt, die entwickelten Anforderungen an die „Next-Level“-Programmbegleitung zu überprüfen als auch neue zu generieren.

Ziel der Befragung war es, ein vertieftes Verständnis von „Translation“ – insbesondere im Sinne des Wissenstransfers zwischen Politik, Praxis und Wissenschaft – zu erlangen. Dabei standen sowohl die Definition des Begriffs als auch dessen praktische Umsetzung in Innovationsprogrammen im Mittelpunkt. Zentrale Translationskriterien wie Kommunikation und Bereitstellung von anwendbarem Wissen (Verstehen, Übertragen, Übersetzen), Kontextadaption und -instrumente wie Feedbackschleifen und Stakeholdereinbindung werden aus Sicht von Projektbeteiligten aus Forschung und Praxis rekonstruiert.  

Die Datenerhebung erfolgte teils mithilfe von festen Antwortvorgaben (Likert-Skalen oder Auswahl von Antwortoptionen) sowie primär offenen Elementen. Im Hinblick auf das Verständnis und den Begriff der Translation und damit den Einstieg in die Befragung wurden sowohl zwei 7-stufige Likert-Skalen (stimme gar nicht zu bis stimme voll zu) zur Beurteilung vorgegebener Begriffsbestimmungen aus der Literatur als auch die Aufforderung zur Begründung der Beurteilung verwendet (siehe Beispiele im Anhang).

4.2 Datenauswertung

Die Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten erfolgte Excelgestützt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse (vgl. Mayring, 2022; Kuckartz & Rädiker, 2022), begründet durch die Prinzipien der Offenheit sowie der systematischen und theoriegeleiteten Vorgehensweise am Material (vgl. Mayring, 2022). Ergänzend werden Dokumente aus der Projektkommunikation (z. B. Transferstrategien, Abschlussberichte) herangezogen, um die Aussagen zu kontextualisieren.

Die Auswertung der Onlinebefragung erfolgte systematisch entlang der fünf im Fragebogen vorgegebenen Themenbereiche (Kategorien): (1) Definition und Verständnis von Translation, (2) Umsetzung von Translationsprozessen, (3) Gelingensbedingungen und Herausforderungen, (4) Wahrnehmung der Translationsprozesse zwischen Forschung und Praxis sowie (5) Einschätzungen zur Weiterentwicklung zukünftiger Programme. Zu Beginn wurde eine Zuordnung der Teilnehmenden zu Wissenschaft oder Praxis/Umsetzungstätigkeit vorgenommen, um gruppenspezifische Perspektiven analysieren zu können.

Die geschlossenen Fragen, insbesondere im Bereich der Umsetzung von Translationsprozessen, wurden deskriptiv-statistisch ausgewertet. Hier standen Einschätzungen dazu im Fokus, welche Akteursgruppen (Wissenschaft, Politik, Praxis) Wissen jeweils übersetzen, nutzbar machen, aushandeln, kommunizieren, zugänglich machen oder anpassen sollen. Die offenen Antworten – u. a. zu Best-Practice-Beispielen aus Sicht der Wissenschaft bzw. Praxis bei der Programmumsetzung – wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet, um zentrale Muster, Erfahrungen und Handlungsansätze zu identifizieren. Dadurch konnten sowohl quantitative als auch primär qualitative Einblicke in die vielfältigen Perspektiven auf Translationsprozesse zwischen Politik, Praxis und Wissenschaft gewonnen werden.

Mithilfe der Kategorien wurden so Rückschlüsse auf die anfangs gestellten Forschungsfragen gezogen. Im Hinblick auf die Interpretation der Daten und die Darstellung der Ergebnisse muss kritisch die Anzahl an Antworten beachtet werden sowie ebenfalls, dass ausschließlich Vertreter/-innen aus Forschung und Praxis befragt wurden.

4.3 Sampling

Die Befragung richtete sich gezielt an Vertreter/-innen verschiedener Akteursgruppen: Projektpraxis und wissenschaftliche Begleitung der Projekte. Politische Akteur/-innen haben sich nicht an der Umfrage beteiligt. Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihre subjektiven Einschätzungen und Wahrnehmungen offen mitzuteilen. Die Erhebung erfolgte unter der Zusicherung vollständiger Anonymisierung der erhobenen Daten.

Bei der Auswahl der Befragten wurde wie folgt vorgegangen: Zunächst erfolgte eine Zusendung der Einladung zur Onlinebefragung via E-Mail an alle Projektleitungen der 17 InnoVET-Projekte. Die Teilnahme erfolgte auf freiwilliger Basis. Bearbeitungszeitraum war zwei Wochen, dieser wurde nach zuerst wenig Rückläufen verlängert. Um eine möglichst breite Perspektivenvielfalt abzubilden, wurden sie zudem eingeladen, die Umfrage eigenständig an Kolleg/-innen weiterzuleiten, die mit dem InnoVET-Programm in Verbindung standen. Darüber hinaus wurde der Zugang zur Befragung via E-Mail an einen Teilnehmerkreis aus Forschung und Praxis gesandt, mit denen Austauschprozesse im Rahmen gemeinsamer Workshops und Tagungen während des Programms stattgefunden haben. Insgesamt wurde der Einladungs-Link an 50 Personen versendet, davon 23 wissenschaftliche Akteur/-innen. Die Gewichtung Forschung/Praxis war auf diese Weise relativ ausgeglichen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass etwa ein dreiviertel Jahr nach Programmende elf E-Mailadressen ihre Gültigkeit verloren hatten. Fünf dieser elf Personen konnten über das Medium LinkedIn erreicht werden. Der Rücklauf betrug 21 ausgefüllte qualitative Fragebögen. Dabei war das Verhältnis Wissenschaft/ Praxis ziemlich ausgewogen (43%/57%). Die Antworten werden im Folgenden analysiert und strukturiert dargelegt.

5 Empirische Ergebnisse zu Erfahrungen und Wahrnehmung von Translationsprozessen

Im Folgenden werden die empirischen Ergebnisse strukturiert entlang der fünf skizzierten Fragestellungen zusammengefasst vorgestellt und durch exemplarische Beispiele aus den empirischen Daten veranschaulicht. Die befragten Personen aus Forschung und Praxis zeigten im Ergebnis sehr unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen und Strategien in Bezug auf „gelebte“, wahrgenommene, oder ihrer Meinung nach sinnvolle Translationsprozesse, in denen sich die zuvor aus der Beobachtung von Programmprozessen aufgestellten empirisch basierten Kriterien jedoch widerspiegeln.

5.1 Translationsverständnis

„[Es geht] weniger um das Wissen, sondern um die Form der Kommunikation und Sprache“ [Wissenschaftler/-in InnoVET]

Im Hinblick auf das Verständnis von Translation ist auffällig, dass nahezu alle Befragten der oben präsentierten Translationsdefinition im weiteren Sinne nach dem WR zustimmen, fünf von zwanzig stimmen sogar voll zu, darunter 80% Praxisakteur/-innen. Kritik wird hier von zwei Forschungsvertreter/-innen deutlich, denen die Definition zu verengt und unvollständig ist im Hinblick auf Richtung, Beteiligung sowie die verkürzte Schneidung des Transferprozesses. Es wird darauf verwiesen, dass speziell die praxisorientierte Forschung davon lebe, praxisrelevante Fragestellungen zu beantworten und daher der Schritt vor der Übertragung fehle – d.h. die Eruierung der Forschungsfrage selbst, welche die Notwendigkeit des Translationsprozesses begründe, um die Forschung auf die Bedarfe der Praxis auszurichten.

Unser erweitertes Translationsverständnis lautete wie in Kapitel 1 bestimmt wie folgt:

Translation in der Umsetzung von Innovationsprogrammen ist ein wechselseitiger dialogischer adressatengerechter Transfer von Wissen und Ergebnissen zwischen Akteur/-innen auf Augenhöhe. Dabei wird Wissen vom Transfergebenden als auch vom Transfernehmenden sowohl übersetzt, ausgehandelt, übertragen (kommuniziert, zugänglich gemacht), und angepasst für die jeweiligen Zwecke. Die Akteur/-innen kommen in Innovationsprogrammen aus der Praxis, Forschung und Politik.

Dieses Verständnis teilen 90% der Befragten, davon 30% in vollem Umfang. Alle Befragten aus der Praxis können sich mit dem Verständnis identifizieren. Teilweise wird festgestellt, dass man sich mit diesem Begriff zuvor noch nicht auseinandergesetzt habe. Von einem/r wissenschaftlichen Befragten wird jedoch mehrfach angemerkt, dass es sich beim vorliegenden Translationsverständnis um einen Idealzustand handele, der in der Realität nicht (immer) stattfände.

Bei der Begründung der Einschätzung zum Verständnis wird sich zumeist auf die verschiedenen Ebenen des Handelns und der Beteiligung bezogen, die jeweils eine Kommunikationsbasis benötigten, welche wiederum auf notwendige Translation gründe. Eine solche Kommunikationsbasis hätte auch in den InnoVET-Projekten erst geschaffen werden müssen.

Aus der wissenschaftlichen Perspektive wird insbesondere auf die kritische Betrachtung der Richtung eines zu translatierenden Wissens und Erkenntnisses von der Praxis in die Wissenschaft verwiesen. Hier komme laut einem/r Befragten aus der Wissenschaft „[v]or allem praxisrelevantes Wissen in "bisherigen" Programmen in seiner Translation in Wissenschaft hinein noch zu kurz“. Insofern passe der Ansatz, beide Richtungen im Sinne der Wissensgenese, aber auch der Kommunikation einzubeziehen, gut. Spannend sei dem/r Wissenschaftler/ nach vor allem, ob es dann auch unterschiedliche Kommunikationsstrategien, -verfahren etc. aus der jeweiligen "Richtung" gäbe, also ob Wissenskommunikation von Praxis in Wissenschaft anders funktioniere als von Wissenschaft in Praxis.

Weiterhin beziehen die Befragten Stellung zu ihren Einschätzungen zum Translationsverständnis und betonen, dass vor allem die Aspekte „auf Augenhöhe“ und „wechselseitig“ entscheidend für das Gelingen seien. Auf Basis persönlicher Erfahrungen berichtet ein/-e Projektaktive/-r aus der Wissenschaft, dass Transfer und Translation dann gut funktionierten, wenn bereits im Entstehungsprozess von Konzepten, Produkten, Wissen usw. ein Aushandeln zwischen den Akteur/-innen stattfände, statt „das Fertige“ weiterzugeben. Somit wird positiv Bezug geschaffen zum partizipativen, ko-konstruktiven Ansatz eines Innovationsprozesses.

In Bezug auf die Eingrenzung der Stakeholder auf die drei Hauptbereiche des Innovationssystems (Wissenschaft, Praxis, Forschung) wurde deutlich, dass der Praxisbegriff evtl. zu verengt wahrgenommen und ausschließlich mit Unternehmen in Bezug gesetzt wurde. Unter Praxis seien im vorliegenden Kontext jedoch alle Projektaktiven aus (Industrie- )Unternehmen, Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern, Schulen, (Fach- )Hochschulen, Bildungsinstitutionen und Verbänden zusammengefasst. Implizit gehe es immer um die Lernenden, die Auszubildenden und Menschen in Fort- und Weiterbildung, sowie die Studierenden im Kontext der Berufsbildung. Sie seien nicht explizit betitelt, spielten als Akteur/-innen in InnoVET jedoch eine wichtige Rolle, wie ein/-e Wissenschaftler/-in konstatiert, da sie in bestimmten Formaten wie bspw. Design-Thinking ihre Perspektive auf die berufliche Bildung gezeigt haben.

Aus der Praxisperspektive wird dem Verständnis aus verschiedenen Gründen zugestimmt: so gehe es einem/-r Praxisvertreter/-in zufolge bei Translationsprozessen darum, das Verständnis und damit die Übersetzung von wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnissen zwischen den Akteur/-innen herzustellen. Es sei wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis anzuwenden, so ein/e andere/-r Befragte/-r aus der Praxiscommunity, um Problem- und Fehlerwiederholungsketten zu durchzubrechen. Wissenschaft ermögliche demnach, dass die Praxis mit spezifischen Themen vorankomme. Die Vielfalt und Komplexität der Anwendungs- und Einsatzgebiete der Praxisprojekte wiederum wahre neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die es dann in den wissenschaftlichen Diskurs einzuspeisen gelte. Gleichwohl werde der Aussage eines/-r anderen Befragten das sinnvollerweise vorhandene theoretische Wissen in der Projektpraxis „nicht wirklich gelebt“. Missverständlich sei das Translationsverständnis für eine/-n Praxisvertreter/-in teilweise dahingehend, dass sich vorhandene Akteur/-innen in ihrem/seinen Projektkontext nicht immer eindeutig in Kategorien einordnen lassen, da bspw. eine Handwerkskammer im Projektverbund sowohl Praxis- als auch Forschungspartner sein könne. Gleichzeitig seien politische Interessen bei allen Projektpartnern zu beobachten gewesen, gleichwohl diese Partner nicht der Politikseite zuzuordnen seien. Translation wird aus der Praxisperspektive folglich, ausgehend vom obigen Verständnis durchaus in seiner Komplexität gesehen als „prozesshafter, aktiver und oft konflikthafter Transformationsvorgang, in dem das Ursprüngliche verändert, neu interpretiert oder lokal angepasst wird“.

"Ist es nur das Wissen, das übersetzt etc. wird?“ In der Praxis zeige sich darüber hinaus, dass oft solche „Anwendungen“ oder „Produkte“ als innovativ aufgegriffen würden, die einen für die Transfernehmenden wahrgenommenen Mehrwert wie bspw. eine Zeitersparnis haben. Die Verankerung einer Innovation wie bspw. einer digitalen Lernplattform inklusive Lernortkooperationsstrategien oder einer neuen beruflichen Fortbildung auf der DQR-Stufe 5 und der Mehrwert des damit verknüpften theoretischen Wissens entfalte sich, so der/die Praxisvertreter/-in weiter, im Prozess der praktischen Anwendung oder Umsetzung. Diese Einschätzung korreliert mit den theoretischen Überlegungen dazu, dass innovatives Wissen dann interessant für die Bildungspraxis ist, wenn es zur Lösung eines konkreten, komplexen Problems in der Praxis beiträgt.

Ein weiterer ausschlaggebender Faktor für eine funktionierende Translation sei, dass die Rahmenbedingungen auf Seiten des Transfernehmenden eine Übernahme/Anpassung überhaupt zulassen. Dieser Faktor fehle im obigen Translationsverständnis. Das erfordere beim Transfergebenden Sensibilität und die Fähigkeit, Unterschiede und Wichtigkeiten im jeweiligen Kontext herauszufiltern und zu verstehen. Diese Aussage korreliert mit der ersten Translationsdimension, die in Kapitel 3 aufgestellt wurde: Mangelt es an der Sensibilität im Prozess, noch bevor der Schritt der Übertragung oder Übersetzung einsetzt, so starten beide passungenau und die Translation ist zum Scheitern verurteilt: „Wer kauft einen SUV, wenn nur der Kleinwagen in die Garage passt?“ (Praxisvertreter/-in InnoVET).

5.2 Umsetzung: Wer soll was tun im Transferprozess?

Zur Aufdeckung von Aufgabenverständnissen und -zuschreibungen im Prozess des Transfers wurden die Teilnehmenden an der Studie gefragt, welche/-r Akteur/-in jeweils aus Wissenschaft/Politik/Praxis ihrer Einschätzung nach Wissen/Ergebnisse an welche anderen Akteur/-innen (Wissenschaft/Politik/Praxis) transferieren soll. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf translatierende Elemente im Transferprozess gelegt (übertragen (kommunizieren, zugänglich machen), übersetzbar und nutzbar machen, aushandeln, sowie anpassen).

Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 abgebildet, und zwar differenziert nach Antworten aus der Wissenschaft und aus der Praxis. Aufgrund des kleinen Samples sowie der hohen Komplexität in der Fragenmodellierung sind die Antworten sicherlich mit viel Vorsicht zu genießen, können aber grobe Tendenzen in Bezug auf das eigene Aufgabenverständnis bzw. klare oder unklare Zuschreibung von Aufgaben bei der Umsetzung von Translationsprozessen aufdecken.

Unter den befragten Praxisvertreterinnen und -vertretern findet die Aussage, Praxis solle Wissen/Ergebnisse aus der Praxis „kommunizieren“ und „zugänglich machen“, hohe Zustimmung. Die Verantwortung dafür, Wissen „zugänglich zu machen“, wird gleichermaßen hoch der Praxis und etwas stärker sogar noch der Politik zugeschrieben. Die Aufgabe Wissen/Ergebnisse insbesondere aus der Wissenschaft „nutzbar zu machen“, schreiben Praxisvertreter/-innen allen Akteuren gleichermaßen zu. Praxisvertreter/-innen wünschen sich eine stärkere Einmischung der Wissenschaft in Bezug auf die Anpassung von Wissen/Ergebnissen interessanterweise insbesondere des Wissens aus der Praxis.

Dieses wird von den befragten Vertreter/-innen aus der Wissenschaft nicht unterstützt. In Bezug auf die eigene Rolle findet die Aussage, Wissenschaft solle Wissen/Ergebnisse „kommunizieren“ – insbesondere solche aus der Wissenschaft selbst – die höchste Zustimmung – weniger solche aus Praxis und Politik. Etwas schwächer ist die Zustimmung bei der Aussage, Wissenschaft solle Wissen/Ergebnisse auch „zugänglich“ und „nutzbar machen“. Am wenigsten wird der Aussage zugestimmt, Wissenschaft solle Wissen/Ergebnisse „anpassen“ oder gar „aushandeln“.

Während die Vertreter/-innen aus der Wissenschaft außerhalb des „Kommunizierens“ vornehmlich Praxis und Politik im Prozess der Translation sehen, scheint es bei den Vertreterinnen und Vertretern der Praxis einen Wunsch zu geben, dass Wissenschaft und Politik sich im Prozess insbesondere beim „Zugänglich machen“, „Nutzbar machen“ und „Anpassen“ von Wissen/Ergebnissen einbringen.

Dabei soll (interessanterweise) Wissenschaft insbesondere Wissen/Ergebnisse aus der Politik und Politik insbesondere Wissen/Ergebnisse aus der Wissenschaft „zugänglich machen“.

Tabelle 1: Einschätzung zur Umsetzung von Transfer im Programm aus Wissenschafts- und Praxissicht (in %)

Tabelle 1: Einschätzung zur Umsetzung von Transfer im Programm aus Wissenschafts- und Praxissicht (in %)

5.3 Gelingensbedingungen und Herausforderungen von Translation

Gelingensbedingungen – „Raum für Austausch, denn Translationsprozesse sind ja nicht einfach so da“

Im Translationsprozess im Kontext berufsbildungsbezogener Innovationsprogramme sind idealerweise alle Akteure aus Wissenschaft, Politik und Praxis beteiligt. Die erste Förderphase des InnoVET-Programms ist beendet. Die Vertreter/-innen aus Wissenschaft und Praxis wurden aufgefordert, rückblickend Best Practices zu benennen, in denen ihrer Erfahrung nach innovatives Wissen aus einem der drei Hauptbereiche in die jeweils anderen zwei Richtungen kommuniziert wurde oder für diese zugänglich gemacht wurde. Dabei sollten sie den Prozess der Programmumsetzung – vom Verfassen eines Projektantrags bis hin zur Abschlussveranstaltung – in den Blick nehmen. Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass erfolgreiche Translation an spezifische Gelingensbedingungen geknüpft ist.

Zentrale Gelingensbedingungen für Translation (Wissenschaft ↔ Praxis ↔ Politik):

  1. Formate und Orte des Dialogs:
    • Konferenzen (z. B. Hochschultage berufliche Bildung), Dialog- und Transferveranstaltungen, Arbeitsgruppen, Gremien.
    • Iterative, zyklische Kommunikation während der Projektlaufzeit.
    • Gemeinsame Entwicklung von Curricula und Bildungskonzepten.
  2. Produkte und Medien für den Transfer:
    • Handreichungen, Handlungsempfehlungen, Transferartikel, Publikationen (Fachartikel, Praxisbeiträge, Projektberichte).
    • Öffentlichkeitsarbeit (Websites, Social Media, Newsletter, Flyer, Broschüren, Datenbanken, OER/Open Source).
    • Dokumentationen und Evaluationsergebnisse (möglichst Open Access).
  3. Praxis-Perspektive im Translationsprozess:
    • Beiträge aus der Ordnungsarbeit (z. B. Erlass von Fortbildungsordnungen, Erfahrungsberichte).
    • Entwicklung von Softwareprodukten oder praxisnahen Anwendungen, die von der Wissenschaft geprüft und optimiert werden.
    • Rückmeldungen an Projektträger (Berichtswesen, Monitoring).
    • Praxis als Impulsgeber durch Adressierung konkreter Herausforderungen und Bedarfe.
  4. Wissenschaftliche Perspektive im Translationsprozess:
    • Wissenschaftliche Begleitung, die Ergebnisse „übersetzt“, d. h. Kernaussagen verdichtet, praxisnah aufbereitet und Anknüpfungspunkte sichtbar macht.
    • Aufzeigen von Beispielen, Orientierungshilfen, Blick „über den Tellerrand“.
    • Herstellen von Kontakten (Netzwerkfunktion).
    • Entwicklung und Erprobung von Formaten, die nachhaltige Übertragungen ermöglichen.
  5. Rolle der Politik:
    • Schaffung von Möglichkeitsräumen (Finanzierung, rechtliche Rahmen).
    • Unterstützung bei der Verbreitung und nachhaltigen Etablierung von Innovationen.
    • Sichtbarkeit und Legitimation durch Bewerbung, Förderung und wiederholte Adressierung von Ergebnissen.

Hierbei sticht speziell hervor, dass aus Sicht der Befragten die Wiederholung und Häufigkeit der Kommunikation entscheidend sind, um Wissen nachhaltig zu verankern, sowie die Niedrigschwelligkeit der Zugänge (bspw. Open Educational Resources, offene Plattformen), die die Nutzung der zu translatierenden Ergebnisse in der Praxis erleichtert. Translation gelingt besonders dort, wo Austauschprozesse wechselseitig, adressatengerecht und im Dialog auf Augenhöhe stattfinden.

Im weiteren Verlauf wurden die Befragten um ihre allgemeine Einschätzung zu Gelingensbedingungen für Translation gebeten. Aus Sicht der Praxis werden vor allem Bedingungen genannt, die mit Alltagsrealitäten und Umsetzbarkeit verbunden sind (vgl. Abb. 1):

Abbildung 1: Gelingensbedingungen für Translation aus Sicht der Praxisakteur/-innen im InnoVET-ProgrammAbbildung 1: Gelingensbedingungen für Translation aus Sicht der Praxisakteur/-innen im InnoVET-Programm

Respekt und Augenhöhe: Als zentrales Motiv wird der gegenseitige Respekt zwischen Praxis und Wissenschaft genannt. Translation gelingt dann, wenn die jeweiligen Stärken und Schwächen anerkannt und ernst genommen werden. Dazu gehört auch das wissenschaftliche Interesse an Praxisproblemen sowie die Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Kommunikation und Verständigung: Von besonderer Bedeutung ist die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache. Unterschiedliche Verständnisse zentraler Begriffe – etwa „Konzept“ oder „Zielgruppe“ – führen ohne explizite Klärung zu Missverständnissen. Eine offene, niederschwellige und tolerante Kommunikationskultur wird als Voraussetzung gesehen, um heterogene Projektteams zusammenzuführen.

Rahmenbedingungen und Adaption: Die Befragten betonen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis verständlich, zugänglich und adaptierbar sein müssen. Dies setzt sowohl Kompetenzen auf Seiten der Praxis als auch eine Rücksichtnahme auf deren Handlungszwänge (Zeit, Personal, Finanzmittel) voraus.

Begegnung und Austauschformate: Persönlicher Kontakt, insbesondere in Präsenztreffen, wird als starker förderlicher Faktor beschrieben. Andere betonen jedoch auch den leichter und regelmäßiger durchzuführenden Online-Austausch. Solche Begegnungen schaffen Vertrauen, fördern Netzwerke und ermöglichen den Aufbau von Verbindlichkeit. Wichtig sind Formate („Bühnen“), die es erlauben, Praxiserfahrungen sichtbar zu machen und in die wissenschaftliche Auseinandersetzung einzuspeisen.

Politische und strukturelle Unterstützung: Praxisakteure betonen die Notwendigkeit der frühzeitigen Einbindung politischer und strategischer Akteure. Nur durch langfristige finanzielle und institutionelle Absicherung kann Translation nachhaltig wirken. Eine wichtige Rolle spielen niedrigschwellige Zugänge zu Ergebnissen und Produkten, die schnell einsetzbar sind.

Aus der wissenschaftlichen Perspektive zeigt sich ein ähnliches Bild. Allerdings fokussieren die genannten Gelingensbedingungen stärker auf eine adressatengerechte Vermittlung (d.h. auf die sprachliche Dimension der Translation) (vgl. Abb. 2). Das Ergebnis zeigt, dass die im Programm beteiligte Seite der Wissenschaft sich ihrer Rolle als Schnittstelle bewusst ist, die einen Hebel darstellen kann im Prozess, ob der Wissenstransfer gelingt oder nicht.

Abbildung 2: Gelingensbedingungen für Translation aus Sicht der Wissenschaftsakteur/-innen im InnoVET-ProgrammAbbildung 2: Gelingensbedingungen für Translation aus Sicht der Wissenschaftsakteur/-innen im InnoVET-Programm

Kommunikation auf Augenhöhe: Als zentrales Motiv wird eine kontinuierliche, dialogische Kommunikation genannt, die nicht hierarchisch geprägt ist. Dies betont ein/e wissenschaftliche Befragte/r wie folgt:

„In der Wissenschaftskommunikation wird oft davon ausgegangen, dass Wissen ‚praxisrelevant übersetzt‘ werden müsse – das impliziert eine Hierarchie. Dabei geht es weniger um das Wissen, sondern um die Form der Kommunikation und Sprache.“

Übersetzungsarbeit darf nicht als einseitiger Auftrag verstanden werden, sondern als Aushandlungsprozess, in dem Praxiswissen gleichwertig berücksichtigt wird.

Räume für Austausch: Die wissenschaftlichen Akteurinnen und Akteure betonen, dass Translation Austauschformate voraussetzt, in denen Begegnung und Dialog tatsächlich möglich sind. Präsenzveranstaltungen werden dabei als besonders wirksam hervorgehoben, da sie Vernetzung ermöglichen und gemeinsames Lernen fördern.

Adressatengerechte Vermittlung: Eine wichtige Bedingung ist die Fähigkeit, wissenschaftliche Ergebnisse so zu kommunizieren, dass sie für fachfremde Gruppen verständlich sind („out-of-the-box thinking“). Translation wird daher weniger als reine Wissensweitergabe, sondern als sprachlich-kulturelle Vermittlungsarbeit verstanden.

Strukturelle Verankerung: Nachhaltige Translation erfordert optimalerweise langfristige personelle Ressourcen, die über Projektlaufzeiten hinaus Bestand haben. Zudem muss Translation auf allen Organisationsebenen verankert werden – von der Leitungsebene über das mittlere Management bis hin zu den Mitarbeitenden. Besonders hervorgehoben wird die Notwendigkeit, Freiräume für Stammpersonal zu schaffen, um Innovationen dauerhaft implementieren zu können.

Herausforderungen – „Es ist manchmal, als müsste man gleichzeitig in verschiedenen Sprachen verhandeln und kommunizieren“

In Programmen wie InnoVET werden Innovationstransfer und Translationsprozesse unterstützt. Dabei wird die Forschungsbegleitung auf Programmebene (vgl. Ertl & Peitz, 2022) von der administrativen Begleitung unterschieden. Beide Aufgaben werden in getrennten, aber miteinander in Kontakt stehenden Organisationseinheiten am BIBB koordiniert. Ihre Zielstellungen in der Unterstützung der Projekte sind identisch, ihre Herangehensweisen unterscheiden sich jedoch nach forschungsausgerichteten oder praktisch-zuwendungsrechtlichem Zugang.

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Programmbegleitung aus Sicht der Wissenschafts- und Praxisbeteiligten in InnoVET vor mehreren komplexen Herausforderungen steht, wenn es darum geht, Translation – verstanden als wechselseitiger, dialogischer Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik – zu fördern. Der Vergleich zeigt, dass aus Sicht der Praxisakteure insbesondere fehlende Unterstützung, fehlende Möglichkeiten zum Einbringen von Praxiserfahrungen, unpassende Vorgaben und fehlende Anbindung an Politik eine Herausforderung darstellen. Die wissenschaftliche Perspektive betont Verständigungsschwierigkeiten, methodische Anforderungen und die zeitliche Asynchronität von Forschung und Praxis.

Die aufgezeigten Herausforderungen spiegeln an vielen Stellen demnach das Pendant zu den erarbeiteten Gelingensbedingungen wider. Sie lassen sich in fünf zentrale Bereiche unterteilen (vgl. Abb. 3):

Abbildung 3: Herausforderungen der Translation für Forschungsbegleitung und administrative Begleitung aus Sicht der Beteiligten im InnoVET-ProgrammAbbildung 3: Herausforderungen der Translation für Forschungsbegleitung und administrative Begleitung aus Sicht der Beteiligten im InnoVET-Programm

Unterschiedliche Erwartungshaltungen und Verständniskulturen: Ein zentrales Hindernis ist die Divergenz in den Zielvorstellungen, Arbeitskulturen und methodischen Erwartungen der beteiligten Akteursgruppen. Wissenschaftliche Begleitung operiert in einem forschungsmethodisch geprägten Rahmen, während Praxisakteure oft unmittelbare Handlungsrelevanz erwarten. Dies wird von einer/-m Wissenschaftler/-in wie folgt beschrieben:

„Sehr unterschiedliches Verständnis von Zielen und Vorgehen, das durch die verschiedenen Kulturen der Akteure in Projekten und Programmen bedingt ist, erschwert jeglichen Zugang. Es ist manchmal, als müsste man gleichzeitig in verschiedenen Sprachen verhandeln und kommunizieren. Es ist eine permanente Übersetzungsleistung nötig, die Ressourcen verbraucht und auch immer die Gefahr von ‚Übersetzungsfehlern‘ birgt.“

Praktische Erfahrungen sowie auch methodische Vorgaben der Wissenschaft werden dabei teilweise nicht nachvollzogen, was unrealistische Anforderungen und Verständnisprobleme zur Folge haben kann:

„Gerade bei Akteuren der Praxis gibt es zudem oftmals wenig Verständnis für forschungsmethodisch begründete Bedingungen (z. B. bei der Auswahl einer Befragungszielgruppe). Auch der Aufwand und der zeitliche Rahmen von der Datenerhebung zu Ergebnissen wird oftmals deutlich unterschätzt.“ (Wissenschaftler/-in)

Zeitliche Passung und Synchronisierung: Ein wiederkehrender Kritikpunkt betrifft die zeitliche Verzahnung von Projektarbeit und Forschungsbegleitung. Mehrfach wurde betont, dass die verspätete Implementierung wissenschaftlicher Begleitung zu Verständnisschwierigkeiten geführt habe, wie hier bspw. von einer/-m wissenschaftlichen Vertreter/-in:

„Die Forschungsbegleitung setzte verspätet zu den InnoVET-Projekten ein. Dies hat innerhalb unserer Projektpartner für Unverständnis gesorgt. Hier fehlt es am Verständnis für die Aufgaben der Programmbegleitung. […] Erst im Laufe der Zeit konnte ein tieferes Verständnis erarbeitet werden. Dies erforderte die ‚Übersetzungstätigkeit‘ von uns als wissenschaftlichem Projektpartner.“

Aus Sicht der Praxis hatte dies zur Folge, dass Anregungen durch die Begleitforschung häufig nicht mehr in der verbleibenden Projektlaufzeit genutzt werden konnten:

„Anregungen […] konnten in der restlichen eigenen Projektlaufzeit keine Wirkung mehr erzielen bzw. verwendbare Ergebnisse erzeugen.“

Begrenzte Ressourcen und Strukturen für Austausch: Als ein weiteres zentrales Hemmnis wurde der Mangel an Ressourcen und strukturellen Möglichkeiten für wechselseitigen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis empfunden:

„Zu wenig Möglichkeiten und Unterstützungsangebote, um Praxiserfahrungen für die Wissenschaft präsentieren zu können […] es bräuchte mehr Support von Seiten der Programmbegleitung.“ und „Zu wenig Ressourcen, um Austauschformate zwischen Wissenschaft und Praxis zu schaffen; zu wenig Zeit und zu wenige ‚Incentives‘ bzw. Angebote, um den Translationsprozess zu Beginn und zum Ende der Projekte von Programmseite aus zu begleiten bzw. zu motivieren.“ (Praxisvertreter/-in)

Dies verdeutlicht, dass Translation nicht automatisch entsteht, sondern noch aktiver durch die Translationsbeauftragten im Rahmen der Programmbegleitung angestoßen, moderiert und institutionalisiert werden muss.

Rolle der Forschungsbegleitung: Die Wahrnehmung der Forschungsbegleitung variiert je nach Perspektive. Während die Begleitung auf übergeordneter Ebene für durchaus notwendig erachtet wird, wurde von einem/einer Praxisvertreter/-in festgestellt, dass die Relevanz für die eigene Projektpraxis sich nicht unmittelbar erschloss:

„Die Forschungsbegleitung hat für die laufenden Projekte wenig Relevanz, sondern fand aus unserer Perspektive auf einer sehr übergeordneten Ebene statt. […] Das Verständnis für die Forschungsbegleitung musste innerhalb des Projektverbundes erst erarbeitet werden.“

Rollenerwartungen an die Forschungsbegleitung erfüllten sich nicht: „Zu wenig Zeit und meist auch geringe spezifische Expertise für Beratung und Reflexion auf Augenhöhe einzelner Projekte / Projektgruppen.“

Politisch-institutionelle Rahmung und Steuerungslogik: Herausforderungen ergeben sich auch aus dem Spannungsfeld zwischen Offenheit für innovative Ansätze und den Anforderungen des Fördergebers: „Druck vom Geldgeber (Ministerien; Programmfinanzierer), der ebenfalls Erfolge benötigt für Rechtfertigung im eigenen Haus; ggf. begrenzte Sanktionen.“ (Praxisvertreter/-in)

Programmbegleitung muss nach Wahrnehmung der Befragten sowohl Rahmen vorgeben als auch Spielräume lassen: „Fehlende politische Zielstellung; auch Spannungsfeld von Offenheit ermöglichen und Rahmen vorgeben“. Darüber hinaus erschwert die unterschiedliche Perspektive von Wissenschaft und Praxis die Anknüpfung wissenschaftlicher Erkenntnisse an aktuelle Bedarfe, wie ein/e andere/r Praxisvertreter/in betont:

„Forschungsschwerpunkte passend zu den akuten Bedarfen der Praxis? Wissenschaft denkt in Theorien und Hypothesen – Relevanz für Praxis deutlich machen. Forschung braucht oft mehr Zeit, als Praxisprojekte haben – Forschungsergebnisse kommen nicht rechtzeitig in der Praxis an.“

6 Diskussion

Die Ergebnisse aus der qualitativen Befragung gilt es nun im Hinblick auf programmatische Gestaltung, Gelingensbedingungen und Grenzen sowie Abgleich mit dem theoretischen Rahmen kritisch zu reflektieren. Die Reflexion erfolgt einerseits mit Blick auf die Realisierung der modellierten Translationsdimensionen und andererseits in Bezug auf institutionelle und professionelle Voraussetzungen, die Programme zwecks (nachhaltigen) Wissenstransferprozessen aufweisen muss.

6.1 Realisierung der modellierten Translationsdimensionen 

Mit Blick auf Translationsdimensionen (siehe oben) betonen Praxisvertreter/-innen insbesondere die Wichtigkeit von Übersetzen und Anpassen (Dimension 2 und 3), während diejenigen aus der Wissenschaft eher Schwerpunkte bei der Qualitätssicherung und Aushandlung (Dimension 4) setzen. Beide betonen gleichermaßen die Relevanz der Einbindung relevanter Stakeholder (Dimension 5). Auffällig ist ebenfalls, dass vereinzelt eine Rückbindung des Wissens und der Ergebnisse an Politik als explizite Funktion der Begleitforschung gewünscht wird (Dimension 6).

Die in Peitz und Liebscher (2025) erarbeiteten sechs Dimensionen der Translation finden sich demnach alle in den Aussagen der Akteur/-innen wieder – von sprachlicher Übersetzung über Anpassung an Kontexte bis zur Rückbindung an Politik. Adressatengerechte Übersetzung als Folge einer bewussten Auseinandersetzung mit sozialen Rahmenbedingungen und einer Sensibilisierung für das spezifische Sprachregister des beteiligten Akteurs (Dimension 1) wird als Kernaufgabe gesehen, welches jedoch im Programm der Befragten aus Mangel an Zeit und Ressourcen sowie fehlender Unterstützung noch nicht immer gelungen ist.

In Bezug auf die wahrgenommenen Gelingensbedingungen und Herausforderungen sind sowohl Gemeinsamkeiten als auch einige Unterschiede zwischen wissenschaftlicher und praktischer Perspektive bei den Befragten zu beobachten.

Einig sind sich beide Gruppen darin, dass Kommunikation auf Augenhöhe, gegenseitiger Respekt sowie Vertrauen und Transparenz zentrale Gelingensbedingungen darstellen. Ebenfalls übereinstimmend wird die Bedeutung von Begegnungsräumen und Austauschformaten hervorgehoben. Schließlich betonen beide Seiten, dass Translation ohne ausreichende Ressourcen und strukturelle Absicherung nicht nachhaltig wirken kann.

Der Fokus der Gruppen variiert dagegen: Während die Praxisvertreter/-innen Schwerpunkte bei der konkreten Anwendbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse, bei der Berücksichtigung von Handlungszwängen sowie bei der politisch-strategischen Unterstützung setzen, fokussieren die Vertreter/-innen der Wissenschaft hingegen stärker auf die sprachlich-kommunikative Dimension der Übersetzung, auf die Gestaltung von Austauschformaten und auf die institutionelle Verankerung auf allen Organisationsebenen.

Während Praxisakteur/-innen die konkrete Umsetzbarkeit und politische Rückendeckung in den Vordergrund rücken, betonen Wissenschaftler/-innen die sprachlich-kulturelle Vermittlung und die institutionelle Einbettung. Beide Perspektiven ergänzen sich und verdeutlichen, dass Translation nur gelingt, wenn sie als zwei Seiten einer Medaille eines gemeinsamen zu modellierenden Prozesses verstanden wird, der sowohl kommunikative Sensibilität als auch strukturelle Nachhaltigkeit erfordert.

Zusammenfassend lassen sich trotz der Unterschiede in den Sichtweisen die wichtigsten Gelingensbedingungen für Translation im InnoVET-Programm unter drei zentralen Anforderungen zusammenfassen:

  1. Kommunikation– frühzeitig startender, kontinuierlicher Dialog, Suchen und Finden einer gemeinsamen Sprache, Aufbau transparenter Aushandlungsprozesse.
  2. Begegnung auf Augenhöhe – Anbieten von Austauschformaten, in denen die Expertise beider Seiten gleichermaßen anerkannt wird und einfließen kann; gegenseitiges Vertrauen schaffen („Begegnungsräume […] als Nährboden für Translation“, Wissenschaftler/-in InnoVET).
  3. Rahmenbedingungen und Ressourcen – langfristige personelle, finanzielle und zeitliche Sicherung des Austauschs durch Schaffung von Freiräumen bei allen Beteiligten.

Diese Ergebnisse knüpfen an Befunde aus der wissenschaftlichen Literatur an. So belegt die Vielzahl der Barrieren, wie nicht-trivial und komplex Translation ist (Burkhardt & Schönfeld, 2003). Es sind keine „technischen“ Probleme, sondern kulturelle, institutionelle und kommunikative. Die Befragten fordern darüber hinaus genau das, was Research-Practice-Partnerships (vgl. bspw. Gräsel, 2010, 2019) ausmacht: Ko-Design, Augenhöhe, kontinuierliche Interaktion. Das Innovationssystem (Wissenschaft–Praxis–Politik) (vgl. Loroff, 2009) wird sichtbar – aber mit asymmetrischen Erwartungen. Während die Praxis tendenziell Unterstützung im Arbeitsalltag und Möglichkeiten der Kommunikation der „Praxisprobleme“ sucht, strebt die Wissenschaft vorrangig nach Erkenntnisgewinnen, sowie die Politik nach schneller Wirkung von innovativen Lösungen. Auch die von Robak und Käpplinger (2015) beschriebene Distanz im Dialog Wissenschaft und Praxis wird von den Befragten bestätigt – immer wieder führen die Ergebnisse darauf zurück, dass es vermittelnde Instanzen zur Modellierung von Translation braucht. Hier bedarf es insbesondere einer Untersuchung und Diskussion der Rollenbilder der bzw. Rollenverteilung zwischen den Beteiligten, bei denen u.E. neben Wissenschaft, Praxis und Politik auch die Programmbegleitforschung und -administration involviert sind.

6.2 Erforderliche institutionelle und professionelle Voraussetzungen für nachhaltige Wissenstransferprozesse in Programmen

Die Befunde verdeutlichen, dass Translation in Innovationsprogrammen der Berufsbildung kein Selbstläufer ist, sondern systematische Übersetzungs-, Vermittlungs- und Synchronisationsleistungen erforderlich macht. Diese Leistungen können nicht von den Projektakteur/-innen im Programm selbst geleistet werden, sondern müssen unseres Erachtens beim Programmträger und/oder durch eine zusätzliche Instanz zur Verfügung gestellt werden. In Form eines/r Translationsbeauftragten sollten im Rahmen einer Programmbegleitung heterogene Akteurslogiken, zeitliche Diskrepanzen und methodische Differenzen adressiert und gleichzeitig Strukturen, Ressourcen und Anreize bereitgestellt werden, die wechselseitigen Austausch und Reflexion ermöglichen. Auf diese Weise kann Translation von Wissen zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik zuverlässig gefördert und nachhaltig institutionalisiert werden.

Bei der Betrachtung der anfangs skizzierten unterschiedlichen Translationsrichtungen und darauf bezogene Möglichkeiten der Verbesserung des Wissenstransfer zwischen den Beteiligten, fallen einige Unterschiede auf, die kurz zusammengefasst herausgestellt werden, und im Zuge der Installation einer Programmbegleitung und/mit einer/m Translationsbeauftragten durch geeignete Formate aufgenommen werden sollten:

Die Befunde verdeutlichen, dass der Translationsprozess zwischen Praxis, Forschung und Politik weniger durch fehlende Kommunikationskanäle, sondern vielmehr durch asymmetrische Logiken geprägt ist, die den Austausch erschweren und Übersetzungsleistungen erforderlich machen. Dabei wird deutlich, dass insbesondere die Forschung in einer doppelten Vermittlerrolle steht: Einerseits sucht sie Zugang zu Praxiswissen, andererseits ist sie gefordert, komplexe Ergebnisse in politisch anschlussfähige Formen zu überführen.

Im Verhältnis von Praxis und Forschung zeigt sich eine deutliche Abhängigkeit der Forschung vom Erfahrungswissen der Praxis, das jedoch nur selektiv zugänglich gemacht wird. Während Forschung dieses Wissen als unverzichtbare Grundlage für gestaltungsorientierte Ansätze benötigt, wird dessen Weitergabe auf individueller Ebene zurückgehalten oder durch asymmetrische Strukturen erschwert. Hospitationen, gemeinsame Workshops oder niedrigschwellige Berichtsformate könnten hier als institutionalisierte Brücken fungieren. Entscheidend ist jedoch die Anerkennung durch die Forschung, dass Praxiswissen nicht defizitär, sondern eigenlogisch und damit gleichwertig zu wissenschaftlichem Wissen ist. Der wiederkehrende Wunsch der Praxis nach „Bühnen“ zur Artikulation von Erfahrungswissen verweist auf eine wahrgenommene ungleiche Wertigkeit, die bislang den Wissensfluss hemmt.

Zwischen Praxis und Politik wird diese Asymmetrie noch deutlicher: Praxisakteur/-innen nehmen Politik häufig als abwesend oder desinteressiert wahr. Einzelne Projekte erscheinen zu klein, um politische Aufmerksamkeit zu binden. Damit wird die Aggregationsleistung zu einem zentralen Moment: Durch Bündelung und Mustererkennung können praxisnahe Innovationen überhaupt politische Anschlussfähigkeit gewinnen. Diese Funktion übernehmen in besonderer Weise Programmbegleitforschung und Programmkoordination, die als Übersetzerinnen in die Politik auftreten und damit eine intermediäre Rolle einnehmen können, die über die reine Dokumentation hinausgeht.

Auch die Translation von Forschungsergebnissen in die Praxis verweist auf strukturelle Asymmetrien. Forschung produziert in Formaten, die der Praxis schwer zugänglich sind: zu spät, zu textlastig und zu wenig adressatenspezifisch. Gefordert sind Formate, die schnell, personalisiert und anschlussfähig sind. Ergebnisse gewinnen an Wirkung, wenn sie nicht abstrakt, sondern durch glaubwürdige Persönlichkeiten vermittelt werden. Hier zeigt sich, dass Wissenstransfer weniger eine Frage der Inhalte, sondern eine der Kommunikationsformen und Repräsentationen ist.

Das Verhältnis von Forschung und Politik wiederum ist von Ambivalenz geprägt: Während einige Forschende Verantwortung für politische Kommunikation von sich weisen, betonen andere die Notwendigkeit direkter Kanäle. Die Vielfalt institutioneller Adressaten in der Politik erschwert jedoch eine wirksame Ansprache. Gleichzeitig zwingt die Politiklogik des schnellen Outputs die Forschung dazu, Ergebnisse zu bündeln und verdichtet bereitzustellen – eine Spannung zwischen wissenschaftlicher Gründlichkeit und politischer Handlungslogik, die bislang kaum produktiv aufgelöst ist. Ebenfalls problematisch ist aus Sicht der Forschung die Intransparenz politischer Entscheidungsprozesse, so dass Erkenntnisse nicht wirksam in den Prozess eingespeist werden können. Positiv hervorgehoben wird, dass InnoVET größere Gestaltungsfreiräume eröffnet hat; gleichzeitig besteht das Risiko, dass Überbürokratisierung diese Offenheit konterkariert und Innovation blockiert.

Zusammenfassend lässt sich für die Diskussion feststellen: Die Ergebnisse verweisen auf strukturelle Asymmetrien und Übersetzungsbedarfe in allen Kommunikationsrichtungen. Praxis benötigt Sichtbarkeit und Anerkennung ihres Wissens, Forschung muss Ergebnisse adressatengerecht und personalisiert aufbereiten, und Politik verlangt verdichtete Evidenzen bei gleichzeitig geringer Rückmeldung. Der Schlüssel liegt daher weniger in der Etablierung weiterer Kanäle, sondern in der institutionalisierten Übersetzung zwischen unterschiedlichen Logiken. Wenn diese vermittelt und anerkannt werden, kann ein produktiver Wissenstransfer zwischen Praxis, Forschung und Politik gelingen.

7 Fazit und Ergebnisse

In der Realität gestaltet sich der Wissenstransfer im Entwicklungsprozess von Berufsbildungsinnovationen wie neuen beruflichen Fortbildungen oder Lernortkooperationen oft schwierig. Nicht nur gelingt es häufig nicht, wissenschaftliche Erkenntnisse so in die Praxis zu übersetzen, dass sie dort nutzbar werden – auch das wertvolle Erfahrungswissen aus der Praxis findet nur selten strukturiert Eingang in die Forschung. Ebenso bleibt die Übertragung wissenschaftlich fundierter Ansätze in politische Entscheidungsprozesse eine Herausforderung: Obwohl Forschung auf politischer Ebene als wichtig anerkannt wird, geht ihre systematische Nutzung im alltäglichen Management von Programm-/Projektinitiativen häufig unter.

Politik verlangt nach schnellen Lösungen, doch der Weg dorthin ist oft unklar. Forschung wiederum braucht Zeit und differenzierte Verfahren. Zwischen diesen Logiken braucht es Vermittler/-innen – Personen oder Strukturen, die beide Seiten verstehen, „übersetzen“ und Brücken schlagen können. Dabei gilt: Translationsprozesse folgen keinem festen Schema. Sie erfordern Mut zur Offenheit, das Ausprobieren verschiedener Formate und die Bereitschaft, neue Rollenverteilungen in der Programmbegleitung zu denken.

Forschung und Praxis sind unter Druck, ihre Bedarfe und Erkenntnisse jeweils klar und deutlich für die jeweils andere Seite zu kommunizieren, und dies mittels geeigneter Formate zu vermitteln. Es gibt auf der anderen Seite die Kritik in Bezug auf ein „implizites Verständnis, dass Wissenschaftskommunikation jeden erreichen kön­nen sollte, am besten über ein Format oder medial vermittelt“ (Fecher, 2022, S. 125).

Kern der Untersuchung war es, Merkmale und Umsetzung der Translationsprozesse in InnoVET in den Blick zu nehmen, um zu erforschen, wie aus Sicht Beteiligter beim Transfer Inhalte so übertragen werden, dass sie für unterschiedliche Empfänger/-innen zugänglich und nutzbar gemacht werden.

In diesem Beitrag wurden darüber hinaus als zweiter Schritt Antworten auf die Frage bereitgestellt, wie eine „Next-Level“-Programmbegleitung gestaltet sein muss, die Translationsprozesse nicht nur mitdenkt, sondern systematisch ermöglicht. Auf Basis entwickelter Translationsdimensionen wurden Vertreter/-innen aus Forschung und Praxis des bundesweit bekannten Bildungsprogramms InnoVET befragt, welches Verständnis sie von Translation haben, wie diese Prozesse im Programm-/Projektkontext subjektiv für sie abgelaufen sind, was funktionierte und was nicht.

Im kleinen Sample finden sich weiterführende wissenschaftliche Befunde gestützt. Auf diese Weise konnte ein Beitrag zu den Implikationen für zukünftige Förderlogiken geleistet werden, ohne Anspruch auf Generalisierbarkeit zu erheben: Im Ergebnis zeigt sich, dass eine Next-level-Programmbegleitung mit einer/-m Translationsbeauftragten (ein Team, oder eine Struktur für diesen Zweck) einen entscheidenden Beitrag für Innovationstransfer im Sinne eines Wissenstransfers in der Wissenschafts-Politik-Praxis-Kommunikation leisten könnte. Es zeigt sich jedoch auch, dass diese Aufgabe herausfordernd ist. Ein Prototyp ist unter Bezug auf den Design-Based Research-Ansatz entwickelt und getestet worden; hier bedarf es jetzt und zukünftig weiterer Zyklen des Testens und der Weiterentwicklung, so dass gewährleistet werden kann, dass jede/-r das sieht, was der/die andere auch sieht.

Literatur

Ansmann, M., Hemkes, B., Kanschat, K., Grattenthaler, H. & Wellhäuser, D. (2025). Innovation und Transfer auf Abruf? Verbreitung und Verstetigung von Innovationen in Programmen der Berufsbildung. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, 49.

Bereiter, C. (2002). Design research for sustained innovation. Cognitive Studies: Bulletin of the Japanese Cognitive Science Society, 9(3), 321–327.

Bertelsmann (Hrsg.). (2004). Limpact: Leitprojekte Informationen Compact. Bertelsmann.

BMBF. (Mai 2021). Exzellenz fördern. Berufsbildung stärken.: Wie die InnoVET-Projekte die berufliche Bildung in Deutschland voranbringen.

BMBF. (2024). Förderbekanntmachung InnoVET PLUS: 128 Projektideen eingegangen. Bundesministerium für Bildung und Forschung. https://www.inno-vet.de/innovet/de/innovet_plus/innovet-plus_node.html

Brandt, P. (2022). Stichwort: Transfer. weiter bilden. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 29 (3), 12–13. http://www.die-bonn.de/id/41623

Breitschwerdt, L. & Egetenmeyer, R. (2022). Dialogorientierte Forschung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung: Theoretische und forschungsmethodische Überlegungen zur Gestaltung des Wissenschaft-Praxis-Verhältnisses. Bildungsforschung (2 Bildungsforschung: Gemeinsam mit Bildungspraxis? Wege, Dynamiken, Klärungen).

Bundesinstitut für Berufsbildung. (November 2024). Leitlinien für den Transfer von Forschung und Entwicklung. https://www.bibb.de/dokumente/pdf/2024_Leitlinienpapier_Transfer.pdf

Burkhardt, H. & Schoenfeld, A. H. (2003). Improving educational research: Toward a more useful, more influential, and better-funded enterprise. Educational Researcher, 32(9), 3–14.

Christ, J., Koscheck, S., Martin, A. & Widany, S. (2019). Wissenstransfer-wie kommt die Wissenschaft in die Praxis? Ergebnisse der wbmonitor Umfrage 2018.

Daniel-Söltenfuß, D. (2024). Innovativer Transfer oder Transfer von Innovationen? Transfer im Kontext der Entwicklung von Berufsbildungsinnovationen am Beispiel des InnoVET-Programms. In H.-H. Kremer & N. Naeve-Stoß (Hrsg.), bwp@ Spezial 21: Trilaterales Doktorandenseminar der Wirtschaftspädagogik Köln, Paderborn und des BIBB – Einblicke in Forschungsarbeiten (S. 1–23). https://www.bwpat.de/spezial21/daniel-soeltenfuss_spezial21.pdf

Daniel-Söltenfuß, D., Kremer, H.‑H. & Kückmann, M.‑A. (2024). Go with the flow?! Transferverständnisse und -strategien als Grundlage der Gestaltung von Transferprozessen im Kontext des InnoVET-Programms. In Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik (Hrsg.), Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung 2023 der Sektion BWP. Budrich UniPress.

Degen, U., Härtel, M. & Stübig, J. (2009). Leitprojekte zur Nutzung des weltweit verfügbaren Wissens für Aus- und Weiterbildung und Innovationsprozesse. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 29 (1), 26–28. https://www.bwp-zeitschrift.de/dienst/publikationen/de/1655

Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (2022). »Transformation ist der bessere Begriff.«. weiter bilden. Die Zeitschrift für Erwachsenenbildung (3), 14–17 (weiter bilden spricht mit Rolf Arnold).

Dilger, B. & Euler, D. (2018). Wissenschaft und Praxis in der gestaltungsorientierten Forschung – ziemlich beste Freunde. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, 33, 1–18. http://www.bwpat.de/ausgabe33/dilger_euler_bwpat33.pdf

Donie, C., Foerster, F., Obermayr, M., Deckwerth, A., Kammermeyer, G., Lenske, G., Leuchter, M. & Wildemann, A. (Hrsg.). (2019). Grundschulpädagogik zwischen Wissenschaft und Transfer. Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26231-0

Ertl, H. & Peitz, N.‑M. (2022). Gemeinsam mehrgleisig an einem Strang: Begleitforschung in InnoVET als Grundlage für nachhaltige Translationsprozesse bei Programmdurchführungen. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 118 (2022/4), 659–669.

Ertl, H. & Peitz, N.‑M. (2023). Schnittstelle zwischen Programmen und Forschung – Die Forschungsbegleitung InnoVET. In BIBB (Hrsg.), Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2023. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung (S. 382–385).

Farley-Ripple, E., May, H., Karpyn, A., Tilley, K. & McDonough, K. (2018). Rethinking Connections Between Research and Practice in Education: A Conceptual Framework. Educational Researcher, 47 (4), 235–245.

Farrell, C. C., Harrison, C. & Coburn, C. E. (2019). “What the hell is this, and who the hell are you?” Role and identity negotiation in research-practice partnerships. AERA Open, 5 (2).

Fecher, B. (2022). Welche Denkfehler die gesellschaftliche Relevanz von Forschung in Deutschland hemmen. Transfer & Innovation. Wissenschaft wirksam machen (1), 123–137.

Gräsel, C. (2010). Stichwort: Transfer und Transferforschung im Bildungsbereich. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 13 (1), 7–20. https://doi.org/10.1007/s11618-010-0109-8

Gräsel, C. (2019). Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis. In Grundschulpädagogik zwischen Wissenschaft und Transfer (S. 2–11). Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26231-0_1

Gräsel, C., Denk, M., Jäger, M. & Wilke, H. (2005). Konzeption einer übergreifenden Transferforschung unter Einbeziehung des internationalen Forschungsstandes.

Haerdle, B. (2022). Viele ungenutzte Potenziale heben. Transfer & Innovation. Wissenschaft wirksam machen(1), 14–15.

Hagemeier, D. & Sloane, P. F. E. (2025). Vom Konzept zum Programm: Die Anwendung von Forschungsergebnissen in politischen Förderprogrammen als komplexes Kommunikations- und Rezeptionsproblem. In B. Rödel, H. Ertl & S. Liebscher (Hrsg.), BIBB Fachbeiträge zur beruflichen Bildung. Berufsbildungsforschung: Rezeption – Translation – Transfer (S. 93–108).

Hartmann, U., Decristan, J. & Klieme, E. (2017). Evidence-based teaching? In Empirische Bildungsforschung (S. 179–199). Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-13785-4_11

Hasselhorn, M [Marcus], Köller, O [Olaf], Maaz, K. & Zimmer, K. (2014). Implementation wirksamer Handlungskonzepte im Bildungsbereich als Forschungsaufgabe. Psychologische Rundschau, 65 (3). https://doi.org/10.25656/01:14607 (Themenheft: Implementationsforschung).

Holzer, J., Grützmacher, L. & Ludwig, S. (2025). Bildung gemeinsam gestalten: Empfehlungen für Projekte in Kooperation zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 28, 151–179. https://doi.org/10.1007/s11618-024-01273-0

Kanschat, K. & Niethammer, M. (2024). Was bedeutet Innovation in der beruflichen Bildung? berufsbildung(2), 2.

Käpplinger, B. (2019). Weiterbildungspolitik zwischen langen Konsultationen und schnellem Aktionismus. Wie kommen Konzepte in die Politik? weiter bilden. Die Zeitschrift für Erwachsenenbildung (2), 37–40.

Kerres, M., Pia Sander & Bettina Waffner (2022). Zum Zusammenwirken von Bildungsforschung und Bildungspraxis: Gestaltungsorientierte Bildungsforschung als Ko-Konstruktion. bildungsforschung. Vorab-Onlinepublikation. https://doi.org/10.25539/bildungsforschun.v0i2.935

Köller, O [O.], Thiel, F., Ackeren, I. V., Anders, Y., Becker-Mrotzek, M., Cress, U., Diehl, C., Kleickmann, T. & Lewalter, D. (2022). Entwicklung von Leitlinien für das Monitoring und die Evaluation von Förderprogrammen im Bildungsbereich. Impulspapier der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK).

Kuckartz, U. & Rädiker, S. (2022). Datenaufbereitung und Datenbereinigung in der qualitativen Sozialforschung. In N. Baur & J. Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (S. 501–516). Springer Fachmedien.

Loroff, C. (2009). Begleitforschung unterstützt Innovationsprozesse: Aufgaben und Anforderungen beleuchten. Wissenschaftsmanagement, Juli/August (4), 27–35. https://www.wissenschaftsmanagement.de/dateien/dateien/management/downloaddateien/wim_2009_04_claudia_loroff_begleitforschung_unterstuetzt_innovationsprozesse.pdf

Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. (13. überarbeitete). Beltz.

Melzig, C. & Hemkes, B [B.] (Hrsg.). (2024). BIBB Fachbeiträge zur beruflichen Bildung. Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung und Transfer: Verbreitung, Verstetigung und Transferforschung als Kern der Modellversuche 202-2022.

Mintrop, R. (2019). Designbasierte Schulentwicklung – ein kurzer Abriss. In C. Schreiner, C. Wiesner, S. Breit, P. Dobbelstein, M. Henrich & U. Steffens (Hrsg.), Praxistransfer Schul- und Unterrichtsentwicklung (S. 35–48). Waxmann.

Mohajerzad, H., Martin, A., Christ, J. & Widany, S. (2021). Bridging the gap between science and practice: Research collaboration and the perception of research findings. Frontiers in Psychology, 12, Artikel 90451.

Peitz, N.‑M. & Liebscher, S. (2025). „Lost in Translation“: Translationsprozesse zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik aus der Perspektive der Programmbegleitforschung. In B. Rödel, H. Ertl & S. Liebscher (Hrsg.), BIBB Fachbeiträge zur beruflichen Bildung. Berufsbildungsforschung: Rezeption – Translation – Transfer (S. 219–238).

Penuel, W. R., Allen, A. R., Coburn, C. E. & Farrell, C. (2015). Conceptualizing Research–Practice Partnerships as Joint Work at Boundaries. Journal of Education for Students Placed at Risk (JESPAR), 20(1-2), 182–197. https://doi.org/10.1080/10824669.2014.988334

Pfannstiel, M. A. & Dautovic, A. (Hrsg.). (2023). Transferinnovationen und Innovationstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: Grundlagen, Erkenntnisse und Praxisbeispiele. Springer Gabler.

Ratermann-Busse, M. (2023). Aktive Moderation als Strukturelement der Projektentwicklung und -umsetzung im Kontext des Design-Based-Research-Ansatzes. In H.-H. Kremer, H. Ertl & P. F. Sloane (Hrsg.), Wissenschaft trifft Praxis – Designbasierte Forschung in der beruflichen Bildung (S. 160–182).

Reinmann, G. (2005). Innovation ohne Forschung? Ein Plädoyer für den Design-Based Research-Ansatz in der Lehr-Lernforschung. Unterrichtswissenschaft, 1, 52–69. https://www.pedocs.de/frontdoor.php?source_opus=5787

Robak, J. (2019). Wie kommen Konzepte in die Politik? weiter bilden (2), 37–40.

Robak, S. & Käpplinger, B. (2015). Zum Trialog von Wissenschaft, Praxis und Politik. Hessische Blätter für Volksbildung (1), 46–55 (Das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis).

Robak, S. & Schöll, I. (2015). Das Verhältnis von Theorie und Praxis Überlegungen zu einem Spannungsfeld und ein Plädoyer für neue Dialogstrukturen. Hessische Blätter für Volksbildung, 1, 3–7 (Das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis).

Rüschoff, B. & Velten, S. (2021). Anforderungen an einen erfolgreichen Wissenschafts-Praxis-Transfer: Entwicklung eines Konzepts zur Begleitung der Projekte der Forschungs- und Transferinitiative ASCOT+ (Wissenschaftliche Diskussionspapiere Nr. 228). Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). https://www.econstor.eu/handle/10419/242112

Schemme, D [D.] & Novak, H. (Hrsg.). (2017). Berichte zur beruflichen Bildung. Gestaltungsorientierte Forschung – Basis für soziale Innovationen: Erprobte Ansätze im Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis. W. Bertelsmann.

Schemme, D [Dorothea]. Innovation mit Begleitforschung in der Berufsbildung. In Organisation und das Neue (S. 295–309). https://doi.org/10.1007/978-3-658-03734-5_24

Schlömer, T., Kiepe, K., Rüdebusch, G., Günther, N. & Liehr, J. (2024). Die Erkundung von Phänomenen und Schlüsselstellen des Transfers von Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) – eine Transfermodellierung. In C. Melzig & B. Hemkes (Hrsg.), BIBB Fachbeiträge zur beruflichen Bildung. Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung und Transfer: Verbreitung, Verstetigung und Transferforschung als Kern der Modellversuche 202-2022 (S. 178–203).

Schrader, J. (2016). Tat und Rat in der Weiterbildung: Formen und Funktionen wissenschaftlicher Politikberatung im Wandel. Hessische Blätter für Volksbildung (1), 27–45 (Das Verhältnis von Theorie und Praxis).

Schrader, J., Hasselhorn, M [M.], Hetfleisch, P. & Goeze, A. (2020). Stichwortbeitrag Implementationsforschung. Wie Wissenschaft zu Verbesserungen im Bildungssystem beitragen kann. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 23 (1), 9–59.

Schreiner, C., Wiesner, C., Breit, S., Dobbelstein, P., Henrich, M. & Steffens, U. (Hrsg.). (2019). Praxistransfer Schul- und Unterrichtsentwicklung. Waxmann.

Simplicio, H., Gasteiger, H., Dorneles, B., Grimes, K., Haase, V. G., Ruiz, C., Liedtke, F. & Moeller, K. (2020). Cognitive Research and Mathematics Education: How Can Basic Research Reach the Classroom? Frontiers in Psychology, 11, Artikel 773, 1–5. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.00773

Sloane, P. F. E. (2018). Kann Evidenzbasierung Grundlage einer qualitativ hochwertigen schulischen und betrieblichen Ausbildung sein. Chancen und Grenzen dieses Anliegens. berufsbildung, 170, 2–5.

Stangl, T. (2020). Von Evidenzbasierung zur fachlich-reflektierten Wirkungsorientierung. Magazin erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs, 40.

Thompson, C. (2017). Übersetzungsverhältnisse. Pädagogisches Sprechen zwischen Theorie und Praxis.: Autorisierungen des pädagogischen Selbst: Studien zu Adressierungen der Bildungskindheit, 231–265.

Trempler, K., Hasselkuß, M., Heckersbruch, C. M., Gräsel, C., Baedeker, C. & Schneidewind, U. (2014). Implementation von Bildungsinnovationen in Netzwerken – Analyse von Schul-Unternehmens-Kooperationen. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 17 (S5), 79–95. https://doi.org/10.1007/s11618-014-0553-y

van Ackeren, I., Heinrich, M. & Thiel, F. (2013). Evidenzbasierte Steuerung im Bildungssystem? Befunde aus dem BMBF-SteBis-Verbund (Vol. 12). Waxmann.

Wissenschaftsrat. (2021). Impulse aus der COVID-19-Krise für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland: Positionspapier. https://www.wissenschaftsrat.de/download/2021/8834-21.html

Zitieren des Beitrags

Peitz, N.-M., Liebscher, S. & Ertl, H. (2025). „Ich sehe was, das du nicht siehst …“: Eine kritische Reflexion programmbezogener Translationsprozesse. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, 49, 1–35. https://www.bwpat.de/ausgabe49/peitz_etal_bwpat49.pdf

Veröffentlicht am 18. Dezember 2025