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bwp@ 49 - Dezember 2025
Innovation und Transfer in der beruflichen Bildung
Hrsg.: , , &
Editorial bwp@49
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EDITORIAL zur Ausgabe 49:
Innovation und Transfer in der beruflichen Bildung
Innovation und Transfer gehören zu zentralen Leitbegriffen und allgegenwärtigen sowie positiv konnotierten Begriffen in der beruflichen Bildung. Beide Begriffe sind dabei bereits für sich genommen mit diversen Erwartungen und anspruchsvollen Zielsetzungen verbunden, die sich auf unterschiedliche Ebenen der Berufsbildung beziehen. Sie adressieren insgesamt mannigfaltige Gegenstandsbereiche, Institutionen sowie Akteure.
Auf einer normativen Ebene sind Innovation und Transfer mit gesellschaftlich als erstrebenswert betrachteten Zielsetzungen verbunden, wie der Steigerung der Attraktivität oder der Qualität und der Sicherung des Niveaus der beruflichen Bildung. Darüber hinaus sollen innovative, bedarfsgerechte und zielgruppenspezifische Konzepte und Bildungsangebote die berufliche Bildung weiterentwickeln und zukunftssicher machen. In der Umsetzung ist es dabei von besonderer Bedeutung, diese Konzepte und Angebote nachhaltig ins System der beruflichen Bildung zu transferieren sowie Strukturen zielbezogen zu verändern. Das Spannungsverhältnis zwischen Innovation, die offene Prozesse erfordert, und Transfer, der oft Standardisierung und Planbarkeit voraussetzt, erschwert den Innovationstransfer.
Mit dieser Ausgabe von bwp@ widmen wir uns zentralen Fragestellungen, unterschiedlichen Gegenstandsbereichen und Perspektiven auf Innovation und Transfer in der beruflichen Bildung. Wir haben die Beiträge in sechs Rubriken zusammengestellt.
Teil 1: Theoretische Fundierungen von Innovation und Transfer
Diese Rubrik umfasst Beiträge, die sich der Frage nach theoretischen Zugängen und Diskursen widmen. Die Beiträge liefern theoretische Erörterungen von Innovation und Transfer, sie hinterfragen traditionelle Vorstellungen von Transfer – also die Vorstellung einer unmittelbaren und unveränderten Weitergabe von Wissen, die als längst überholt gilt. Aktuelle Ansätze begreifen Transfer vielmehr als kommunikativen, reziproken und kontextsensitiven Prozess, der als Translationsprozess beschrieben werden kann, bei dem Wissen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis ausgehandelt, interpretiert und transformiert werden muss. In dem Zusammenhang stellt sich dann auch die Frage nach der Rolle von Wissenschaft.
Dieter Euler (Universität St. Gallen) und Peter F. E. Sloane (Universität Paderborn) untersuchen in ihrem Beitrag „Transfer als unterstützte Rezeption des Neuen. Einige transfertheoretische Überlegungen“ die Konzeptualisierung von Transfer als kommunikativen Prozess in der Berufsbildungsforschung. Sie führen ein Strukturmodell zur Analyse und Gestaltung von kommunikativen Aushandlungsprozessen zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis ein.
Robert Hantsch und Andreas Diettrich (Universität Rostock) adressieren in „Der Transfer ist tot. Lang lebe der Transfer. Kritische Reflexion von Innovations- und Transferansprüchen in der Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ das Spannungsfeld zwischen dem überholten funktionalistisch-linearen Transferverständnis und dessen fortbestehender Relevanz in bildungspolitischen Strategien. Sie entwickeln ein kritisch-transformatives Transferverständnis, das Transfer nicht als bloße Übertragung, sondern als emergenten, responsiven Prozess modelliert.
Sabine Seufert (Universität St. Gallen) untersucht in „Innovationslogiken in der Berufsbildung: Von der digitalen zur KI-Transformation“ den Wandel in der Berufsbildung, weg von der rein digitalen Transformation hin zur KI-getriebenen Innovation. Die digitale Transformation folgte demnach einer ergänzenden Innovationslogik, die primär bestehende Modelle wie das Arbeitsprozessmodell unterstützte. Die Verbreitung generativer KI erzwinge jedoch eine neue daten- und modellzentrierte Logik und mache ein konnektives Modell der Lernortkooperation (LOK) erforderlich. Dieses neue Modell betont systemische Vernetzung, gemeinsame Datenräume und die Ko-Konstruktion von Wissen, was pädagogische und berufliche Professionen tiefgreifend verändert.
In ihrem Diskussionsbeitrag „Wenn Innovationen tradierte Vorstellungen bestärken und ihr Transfer einen Stillstand für die berufliche Bildung ankündigt, ist es erneut an der Zeit, pädagogische Professionalität einzufordern!“ untersuchen Jan Breuer und Raif Kesmez (Universität Siegen) kritisch den Innovationsbegriff, der häufig zur Legitimation ökonomischer Rationalisierung und autoritärer Steuerungslogiken dient. Sie konstatieren, dass viele vermeintliche Neuerungen lediglich bestehende Denk- und Handlungsmuster reproduzieren, wodurch Innovationen einen Stillstand für die berufliche Bildung ankündigen. Die Autoren plädieren dafür, pädagogische Professionalität einzufordern, um Bildung als Raum für Mündigkeit, Selbstbestimmung und reflexive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Widersprüchen zu sichern.
Anja Schlöglmann (FBH) reflektiert in „Vom Projekt(-ergebnis) zum Transfer – eine reflexive Auseinandersetzung mit der Rolle der Wissenschaft“ die Rolle der Wissenschaft in Transferprozessen, insbesondere am Beispiel eines Berufsmonitoring-Systems aus der InnoVET-Förderlinie. Sie kommt zu dem Schluss, dass erfolgreicher Transfer einerseits die Abstraktion expliziten Wissens in allgemeingültige, anpassbare Instrumente erfordert. Andererseits ist die Vermittlung impliziten Wissens über Netzwerke und persönliche Beratung erforderlich, wobei die Wissenschaft bewusst zwischen den Polen „Praxis verstehen“ und „Praxis gestalten“ wechseln muss.
Teil 2: Gestaltung, Logiken und Herausforderungen zur Stärkung von Innovation und Transfer in und mit Förderprogrammen
Diese Rubrik umfasst Beiträge, die sich mit der Ausgestaltung von Innovation und Transfer in Förderprogrammen der beruflichen Bildung auseinandersetzen, Steuerungslogiken, Herausforderungen und Widerstände aufnehmen und exemplarische Ansätze darlegen.
Im ersten Beitrag „Der Weg als Ziel: Die Gestaltung von Transferprozessen in Innovationsprogrammen am Beispiel InnoVET“ setzt sich Desirée Daniel-Söltenfuß (Universität Paderborn) auf Basis einer Interviewstudie im Kontext der InnoVET Begleitforschung mit Gestaltungsbedingungen von Transferprozessen auseinander und richtet hier insbesondere den Blick auf die Prozessperspektive.
Auch der zweite Beitrag „Ich sehe was, das du nicht siehst…“: Eine kritische Reflexion programmbezogener Translationsprozesse“ von Nina Madeleine Peitz, Sandra Liebscher und Hubert Ertl (Bundesinstitut für Berufsbildung - BIBB) ist in der InnoVET Begleitforschung verankert und arbeitet die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung von Programmbegleitung heraus. Hier wird die Notwendigkeit herausgestellt, Partizipation, Ko-Kreation und Kommunikationsprozesse zu stärken. Basis ist eine Studie mit Stakeholdern aus den InnoVET-Projekten.
Moritz Ansmann, Barbara Hemkes, Katharina Kanschat, Heidi Grattenthaler und Dominik Wellhaeuser (BIBB) nehmen unter dem Titel „Innovation und Transfer auf Abruf? Förderprogramme der Berufsbildung als Gestaltungsräume sozialer Innovationen“‘ eine Analyse zum Zusammenspiel von Innovation und Transfer vor. Hierzu werden zentrale Programmmerkmale in einer Analysespinne zusammengeführt und in Bezug auf die Programme InnoVET, INVITE, BBNE-Modellversuche und NIB hinsichtlich der jeweiligen Ausprägungen untersucht.
Der Beitrag „Transfer & Innovation in der Berufsbildung – Theoretische Grundlegungen und praktische Umsetzungen im Förderprogramm Bedarfsorientierte Budgetierung an Beruflichen Schulen (BoB)“ von Dieter Euler (Universität St. Gallen) und Angela Hahn (Universität Erlangen-Nürnberg) zielt einerseits auf die Ausgestaltung von Innovationen im Rahmen einer budgetorientierten Budgetierung (BoB) und des Transfers von Förderkonzepte in weitere Bildungsgänge und der Relevanz der Innovationsprozesse für den Transfer der Förderkonzepte.
Einblicke in zielgerichtete Transferaktivitäten im Rahmen der ÜBS-Förderung sind Basis des Beitrags „Transfer als Aufgabe der Förderung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten – Erfahrungen und Reflexionen zur Gestaltung“ von Birgit Schneider, Christiane Köhlmann-Eckel, Marie Wagner und Virginia Gerard (BIBB). Die Reflexion ordnet Transferaktivitäten ein und stellt die Zusammenarbeit von Berufsbildungsforschung, -praxis und -politik heraus.
Philipp Bauer, Wolfgang Wittig und Heiko Weber (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) berichten aus Ihrer Praxis und analysieren die Herausforderung und Erfolgsfaktoren des Transfers von Bildungsinnovationen im Rahmen von ‚Jobstarter plus‘ und Kausa-Transfer-Projekten zur Ausbildungsförderung vor. Es werden Handlungsempfehlungen für Projektdurchführende herausgearbeitet.
Im Beitrag „Teilhabe fördern durch Innovation und Vernetzung: Die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) im Transferprozess der beruflichen Bildung“ wird der Blick auf die institutionelle Vernetzung mit Akteuren über Grenzen des Bildungs-, Wirtschafts- und Zivilgesellschaft gerichtet, entsprechende Strukturen aufgearbeitet und Gelingensbedingungen aufgezeigt. Sarah Lamb, Bastian Pelka, Jörg-Tobias Kuhn, Sarah Schulze, Jana York und Jan Jochmaring (Technische Universität Dortmund) leiten Impulse für die Netzwerkarbeit ab, um Transferprozesse zu stärken.
Fabienne-Agnes Baumann, Anne Busch, Annika Fünfhaus und Charleen Heins (VDI/VDE Innovation + Technik GmbH) nehmen Bezug auf Ausbildungscluster im ostdeutschen Braunkohlenrevier und fokussieren die Prägung von Innovationsprozessen und Innovationstransfer durch regionale, branchenspezifische und ausbildungsbezogene Bedingungen und deren Zusammenspiel in Umsetzung befindlicher Ausbildungscluster.
Der Beitrag „Arbeitsorientierte Grundbildung (AoG) als Bildungsinnovation. Erkenntnisse aus dem Kölner AoG-Modell“ arbeitet Herausforderungen und Bedarfe zur Realisierung der Innovation heraus. Dominique Dauser (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) Nürnberg) und Sabine Schwarz (Lernende Region – Netzwerk Köln e.V. (LRNK) bieten so auf Basis eines Innovationsprojekts Einblicke in Innovationsprozesse vor Ort.
Teil 3: Implementierung von Innovation: Didaktische Herausforderungen, digitale Tools und Strategien für die Bildungspraxis
In dieser Rubrik sind Beiträge zusammengestellt, die sich auf die Mikroebene der Umsetzung von Innovationen konzentrieren, wobei der Fokus auf didaktischen Herausforderungen, dem Einsatz digitaler Werkzeuge und konkreten Transferstrategien in der Bildungspraxis liegt. Die Autoren untersuchen Gelingensbedingungen für die Implementierung neuer Lernformate und -umgebungen, die von sprachsensiblen Rastern über digitale Lernplattformen bis hin zu arbeitsprozessorientierten Lernsituationen reichen.
Sophia Gentner und Jürgen Seifried (Universität Mannheim) untersuchen in ihrem Beitrag „Transfer von digitalen Bildungstechnologien in der beruflichen Bildung – Eine qualitative Analyse“ den Transfer einer simulationsbasierten Lernumgebung in die kaufmännische Berufsorientierung. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit, Transferprozesse durch aktive Einbeziehung der Praxisakteure und Berücksichtigung des organisationalen Kontexts zu begleiten.
Sylvia W. Schweigler-Zitko (Universität Hannover) gibt in ihrem Beitrag „Innovation oder Irritation? – Wie Lernende Learning Experience Platforms erleben und was das für die betriebliche Weiterbildung bedeutet“ einen Einblick darin, wie Lernende eine Learning Experience Platform (LXP) in einem großen Industrieunternehmen erleben, die zur Förderung selbstgesteuerten Lernens eingeführt wurde. Die LXP bietet zwar hohes Potenzial für flexibles, individuelles Lernen, erzeugt aber Irritationen, wenn die Lernziele unklar sind oder es an sozialen Austauschmöglichkeiten fehlt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Implementierung einer technologischen Innovation nur dann erfolgreich ist, wenn stimmige didaktische und personelle Voraussetzungen geschaffen werden.
Im Beitrag „Von der Theorie zur Praxis und zurück: Digitale Handlungskompetenz nachhaltig transferieren mit MIKA“ beschreiben Natalie Deininger, Maria Berg und Constanze Eick (Bundesinstitut für Berufsbildung) den Transfer des Modells der medienpädagogischen Kompetenz in das modulare Weiterbildungsangebot MIKA (Medien- und IT-Kompetenz für Ausbildungspersonal) am BIBB.
Silke Thiem, Jannis Zurheiden und Marius Ramm (Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Universität Hannover) diskutieren in ihrem Beitrag „Transfer gestalten: Lernsituationen als Transfermedium in der beruflichen Bildung“ die Entwicklung von Lernsituationen als didaktisches Format, um technologische Innovationen aus Forschungsprojekten in die berufliche Bildung zu überführen.
Der Beitrag von Lisa Brück und Anja Kirch (Berufskolleg Gelsenkirchen) „Systemische Sprachförderung zur Entwicklung individueller Lernwege in der beruflichen Bildung – Ein Entwicklungsvorhaben zur nachhaltigen Implementation von Kompetenzrastern im Berufskolleg für Technik und Gestaltung der Stadt Gelsenkirchen“ stellt ein Entwicklungsvorhaben vor, das auf die nachhaltige Implementation sprachsensibler Kompetenzraster zur Förderung von Zieltransparenz und Selbststeuerung abzielt.
Im Beitrag „Zur Rolle des Bildungsmarketings für den Innovationstransfer in der beruflichen Bildung – Ergebnisse einer Zielgruppenanalyse aus dem Projekt NaTuL“ stellen die Autor:innen Alina Hank, Alicia Janica Moss, Heye Saathoff und Andreas Slopinski (Universität Oldenburg) eine Studie vor, mit der am Beispiel des InnoVET PLUS-Projekts NaTuL (Nachhaltigkeit in der Transport- und Logistikbranche) die Relevanz einer empirisch fundierten Zielgruppenanalyse für den Innovationstransfer untersucht wurde.
Die Autor:innen Viktoria Bergmann, Martin Schwarz (KIT) und Lars Windelband (TUHH) thematisieren in ihrem Beitrag „Soziale Innovationspotentiale durch neue kooperative Akteurskonstellationen. Dargestellt am Beispiel des Lernraums von beruflichen Lernfabriken für den Kontext der Weiterbildung“ die unzureichende Nutzung von beruflichen Lernfabriken im Kontext der Weiterbildung, obwohl diese eine Antwort auf die Digitalisierung und Industrie 4.0 darstellen.
Teil 4: Curriculare Innovation als Transferaufgabe
In dieser Rubrik sind Beiträge versammelt, die sich auf die Transformation von Berufsbildern konzentrieren und untersuchen, wie Innovationen auf der Ebene der Curricula und der didaktischen Konzepte erfolgreich in die Bildungspraxis überführt werden können. Die Autor:innen zeigen, dass curriculare Innovationen nicht als einmalige Anpassung des Lehrplans zu verstehen sind, sondern als komplexe Transferaufgabe, die von der systematischen Einbindung aller Akteure und der institutionellen Verankerung abhängt.
Laura Weber, Lydia Schmidt, Martin Kommer-Hasenest und Anna Jöchner (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)) analysieren am Beispiel des Berufsbildes Kfz-Mechatroniker/in, wie sich curriculare Anforderungen im Zuge der automobilen Transformation verändern, und zeigen auf, wie Ausbildungsordnungen, Weiterbildungsstrukturen und betriebliche Lernprozesse innovations- und transferfähig weiterentwickelt werden können.
Marilisa Ohlwein (Universität Hannover) zeigt in einer systematischen Übersichtsarbeit zur beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung im Bauwesen, dass curriculare Innovationen nur dann wirksam werden, wenn didaktische Weiterentwicklungen mit strukturellen Transferstrategien, curricularer Verankerung und institutioneller Absicherung zusammengedacht werden.
Franziska Schwehm, Judith Rudiger und Juliana Schlicht (PH Freiburg) sowie Mila Lamm (Hochschule Offenburg) zeigen am Beispiel digital gestützter, konnektiver Lernmodule im SHK-Handwerk, wie curriculare Innovationen durch partizipative Entwicklung, enge Lernortkooperation und systematisch angelegte Transferstrategien nachhaltig in Ausbildung und Praxis verankert werden können.
Nils Weinowski, Lisa Meyne und Claudia Fenzl (ITB / Universität Bremen) analysieren den Transfer des Lernfeldkonzepts in die Laufbahnausbildung der Feuerwehr und verdeutlichen, dass curriculare Innovationen hier nicht durch einfache Übertragung, sondern nur über adaptive, kontextsensible Aushandlungsprozesse zwischen beteiligten Akteuren gelingen.
Lisa Vogt und Michael Heins (Berufliche Hochschule Hamburg) berichten aus der studienintegrierenden Ausbildung (siA), wie ein innovatives Coaching-Angebot curricular implementiert und lernortübergreifend verstetigt wurde, wobei organisationale Lernprozesse und institutionelle Rahmung als zentrale Transferbedingungen sichtbar werden.
Teil 5: Professionalität im Zentrum der Transformation: Neue Rollen und Kompetenzen
Die Beiträge dieser Rubrik beleuchten Professionalität als zentralen Faktor im Kontext von Innovations- und Transformationsprozessen in Bereich Bildung, Administration und Berufspraxis. Im Fokus stehen neue Rollenprofile sowie veränderte Kompetenzanforderungen, insbesondere im Hinblick auf (Selbst-)Reflexion, Kooperation und Digitalisierung.
Ekaterina Schlüter und Matthias Pilz (Universität zu Köln) stellen sich in ihrem Beitrag die Frage „Wer wird Evaluator:in?“ ihre Befragung von zwölf Evaluator:innen, die in der Evaluation der öffentlichen beruflichen Bildung in Deutschland tätig sind, ergab, dass sich die Evaluator:innen einerseits nur eingeschränkt auf diese Aufgabe vorbereitet fühlen, die Aufgabe andererseits aber mit großer Motivation und hohem Engagement begegnen.
Frieda Klaus, Michael Gessler und Susanne Peters (Universität Bremen) untersuchen die Innovationsorientierung von Trainer:innen in Überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS). Die Innovationskraft von ÜBS auf der Mikro-Ebene könne, so die Autor:innen, durch stärkere inter-institutionelle Kooperation noch weiter ausgeschöpft werden und die Funktion der ÜBS als Innovationszentren stärken.
Welche transferfähigen digitalen Kompetenzen benötigen Auszubildende, um sich zu innovativen Mitunternehmer:innen entwickeln zu können? Diese Frage bearbeiten Thomas Retzmann, Jan Hörsting und Steffen Spitzner (Universität Duisburg-Essen) in einem mehrstufigen analytisch-konzeptionellen Prozess.
Tatjana Hocker, Christian Schmidt und Manuela Stärk (Universität Gießen) vergleichen zwei phasenübergreifende hochschuldidaktische Konzepte in der beruflichen Lehrkräftebildung und zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den je zugrundeliegenden Innovationslogiken und Transferstrukturen herauszuarbeiten.
Stefanie Hiestand, Jennifer Dittrich, Franziska Wegemann und Nadine Nothstein (PH Freiburg) betrachten Innovationsprozesse in Krankenhäusern. Im Fokus stehen sogenannte Projektlots:innen, die als interne Lernprozessbegleiter:innen und Brückenbauer:innen zwischen divergierenden Zielen der Praxis fungieren.
Sophie Kaiser und Wolfram Gießler (PH Freiburg) stellen das das Change Laboratory als formative Intervention vor, um Lernprozesse in qualifikationsheterogenen Pflegeteams zu fördern. Der Beitrag gewährt Einblicke in eine laufende empirische Studie, die zeigen möchte, dass die (Re-)Konstruktion des pflegerischen Objekts kollektive Reflexionsräume eröffnet und positiv auf die Teamentwicklung wirken kann.
Teil 6: Die Akteurslogik des Transfers
In dieser Rubrik sind Beiträge versammelt, die sich mit der Akteurslogik des Transfers auseinandersetzen. Die Autor:innen betonen übergreifend, dass der Erfolg von Innovationsprozessen in der beruflichen Bildung weniger von der reinen Qualität des Innovationsprodukts, sondern maßgeblich von den Interpretationen, Interessenlagen und Handlungsspielräumen der beteiligten Akteure bestimmt wird. Die Beiträge beleuchten diese Akteurszentrierung in verschiedenen Kontexten.
Silvia Annen, Sabrina Sailer-Frank und Natalie Reiser (Universität Bamberg) analysieren am Beispiel der Automobilindustrie, wie betriebliche Innovationsprozesse von unterschiedlichen Akteursgruppen wahrgenommen und qualifikationsspezifisch umgesetzt werden, und zeigen, dass Transfer maßgeblich durch akteursspezifische Deutungen, Interessenlagen und Handlungsspielräume geprägt ist.
Thiemo Hagen, Olga Zlatkin-Troitschanskaia, Katharina Depré und Thomas Rinke (Universität Mainz) untersuchen, wie Start-ups beim Einstieg in die duale Berufsbildung durch gezielte Unterstützungsstrukturen begleitet werden können, und verdeutlichen, dass Transfer hier als wechselseitiger Lern- und Anpassungsprozess zwischen neuen und etablierten Akteuren zu verstehen ist.
Anna van Meegen und Marc Casper (Humboldt-Universität zu Berlin) sowie Anna Overbeck, Nadja Lauterbach und Melanie Baumgarten (f-bb, Berlin) zeigen anhand von Entwurfspartnerschaften, dass wissenschaftliche Begleitung dann transferwirksam wird, wenn Akteure sie als integrierte Fach- und Prozessberatung erleben und aktiv in schulische Entwicklungsprozesse einbinden.
Karin Reiber, Elena Tsarouha und Jan Braun (Hochschule Esslingen) analysieren die Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung und machen deutlich, dass Verständnis, Akzeptanz und Verstetigung dieser Innovation wesentlich von der Partizipationsbereitschaft, den institutionellen Rahmenbedingungen und der Koordination der beteiligten Akteure abhängen.
Die vorliegende Ausgabe von bwp@hatte sich zum Ziel gesetzt, Beiträge zu versammeln, die sich mit Innovation und Transfer in der Berufsbildung auseinandersetzen. Die Vielzahl der Beiträge mit den verschiedenen Schwerpunkten und unterschiedlichen Perspektiven zeigt die Relevanz des Themas.
Wir sind dankbar dafür, dass eine so große Anzahl an Autor:innen den CfP zum Anlass genommen hat, ein Beitragsangebot einzureichen. Wir möchten uns auf diesem Weg herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.
Unser besonderer Dank gilt – wie stets an dieser Stelle, aber in diesem Fall in ganz besonderem Maße – unseren Kolleg:innen in der Redaktion. Die vorliegende Ausgabe brachte auch aufgrund der Vielzahl an Beiträgen und der vielen (neuen) Autor:innen besondere Herausforderungen mit sich. Dass wir Herausgeber:innen unsere Arbeit in dieser Qualität leisten konnten, verdanken wir der hervorragenden Organisation, der Umsicht und dem Überblick sowie dem unermüdlichen, wertschätzenden und orientierenden Kommunizieren des Redaktionsteams.
Ein weiterer ausdrücklicher Dank richtet sich an unsere Webmasterin, die wieder einmal durch ihre schnelle, verlässliche und kompetente Unterstützung maßgeblich zum Gelingen beigetragen hat.
bwp@ ist in jeder Hinsicht ein Teamprojekt – und es ist eine große Freude, Teil dieses engagierten Teams zu sein.
Nicole Naeve-Stoß, H.-Hugo Kremer, Karl Wilbers und Petra Frehe-Halliwell
(im Dezember 2025)
Zitieren des Beitrags
Naeve-Stoß, N., Kremer, H.-H., Wilbers, K. & Frehe-Halliwell, P. (2025). Editorial zu Ausgabe 49: Innovation und Transfer in der beruflichen Bildung. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, 49, 1–8. https://www.bwpat.de/ausgabe49/editorial_bwpat49.pdf





