Spezial HT2025
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bwp@ Spezial HT2025 - Juli 2026
Nachhaltig – Digital – Chancengerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf
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Editorial zu bwp@ Spezial HT2025: Nachhaltig – Digital – Chancengerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf
EDITORIAL zu Spezial HT2025:
Nachhaltig – Digital – Chancengerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf
Unter dem Titel „Nachhaltig – Digital – Chancengerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf“ fanden vom 17. bis 19. März 2025 die Hochschultage Berufliche Bildung (HTBB) an der Universität Paderborn statt. In bewährter Tradition widmeten sich die Hochschultage aktuellen Themen und Herausforderungen der beruflichen Bildung. In insgesamt 17 Fachtagungen, 16 Symposien und Workshops, 31 Postern und acht Table Sessions wurden aktuelle Themen, Forschungsarbeiten und ihre Ergebnisse präsentiert und diskutiert.
Mit dieser bwp@ Spezial- Ausgabe möchten wir den Tagungsteilnehmenden und Beitragenden die Gelegenheit geben, ihre Arbeiten und Beiträge zu veröffentlichen und in den disziplinären Diskurs der Berufs- und Wirtschaftspädagogik einzubringen.
1 Rahmenthema: Nachhaltig, Digital und Chancengerecht
Die berufliche Bildung zählt zu den zentralen Gestaltungsfeldern unserer Gesellschaft. Wie andere Bereiche des Bildungssystems auch, ist sie immer wieder aufgefordert, sich den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in einer von Krisen gezeichneten, sich transformierenden Welt unter neuen geopolitischen Rahmenbedingungen zu stellen und geeignete Lösungen für die damit einhergehenden Aufgaben zu entwickeln. Gerade die derzeitigen Diskussionen stehen dabei unter dem Einfluss sog. Megatrends oder Megathemen, zu denen Nachhaltigkeit (Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung – BBNE) und Digitalisierung sowie insbesondere die Künstliche Intelligenz (KI) gehören. Durch den Begriff der „Chancengerechtigkeit“ sollen dabei die Aspekte von Integration und Inklusion über Heterogenität, Gender, Migration bis Demokratieförderung und Wertebildung hervorgehoben werden. All das ist mit Blick auf gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen zu betrachten:
Um die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit und ungerechte Ressourcenverteilung zu bewältigen, ist ein Umdenken in allen gesellschaftlichen Bereichen notwendig. Im Fokus stehen dabei u. a. die sog. Sustainable Development Goals (SDGs), bei deren Umsetzung die berufliche Bildung für nachhaltige Entwicklung eine zentrale Rolle spielt.
Der klimapolitische Umbau unseres Landes erzeugt gesellschaftliche Spannungen, weil einige Menschen sich dadurch in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt und ihren Wohlstand bedroht sehen. Andere hingegen bewerten Tempo und Umfang des Transformationsprozesses eher als unzureichend.
Herausforderungen stellen sich zum einen durch die wirtschaftliche Gesamtlage. Die Wirtschaft beschreibt ein Bedrohungsszenario für den Wirtschaftsstandort Deutschland auch mit Blick auf steigende Energiepreise, fehlende staatliche Unterstützung, überbordende Bürokratie, steigende Zölle, zunehmenden Nationalismus und Protektionismus im internationalen Raum etc. Die daraus resultierende wirtschaftliche Schwäche und Rezession werden u. a. als drohende Deindustrialisierung wahrgenommen, wovon insbesondere die energieintensiven Wirtschaftszweige, z. B. die Stahl- oder Automobilindustrie, betroffen sind (Falck & Pfaffl, 2022). Darüber hinaus verschärfen geopolitische Herausforderungen wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine diese Entwicklung zusätzlich. Damit einhergehende politische Spannungen innerhalb der Bundesregierung führten 2024 zur Auflösung der sog. Ampelkoalition und zu vorgezogenen Neuwahlen, die unmittelbar im Vorfeld der Hochschultage, im Februar 2025, stattfanden.
Auch die Corona-Pandemie war zum Zeitpunkt der Hochschultage noch sehr präsent. Diese hatte nachhaltige und weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. Studien verdeutlichen immer wieder das hohe Ausmaß, in dem die Pandemie, die damit einhergehenden Lockdowns und Schulschließungen auch soziale Ungleichheit und ungleiche Bildungsteilhabe, vor allem für Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Milieus, verschärft haben (Kohlrausch, Zucco & Hövermann, 2020). Darüber hinaus hatte die Pandemie gesellschaftliche und technologische Entwicklungen, z. B. im Bereich der Digitalisierung, sowie Entwicklungen im Berufsbildungssystem beschleunigt und zu Veränderungen im Beschäftigungssystem geführt, wodurch z. B. mobiles Arbeiten und Distanzunterricht an Bedeutung gewonnen haben.
Die jährlich auftretenden Covid- und Grippewellen sorgen auch heute immer wieder für einen hohen Krankenstand in der Bevölkerung und bei Arbeitnehmer:innen. Die damit einhergehenden Einschränkungen, z. B. im ÖPNV, Unterrichtsausfälle in den Schulen, die Unterbrechung von Lieferketten und Lieferengpässe, bspw. in der Lebensmittelversorgung, führen uns schließlich die Fragilität des Wirtschaftssystems vor Augen.
Eine zentrale Herausforderung bleibt – trotz inzwischen steigender Arbeitslosigkeit – der in vielen Branchen bestehende Fachkräftemangel, den die Hochschultage Berufliche Bildung 2023 bspw. im Fokus hatten (vgl. Gerholz, Annen, Braches-Chyrek et al., 2024).
Entsprechend groß ist zudem die Sorge, dass rechtspopulistische und -extreme politische Kräfte in Deutschland diese und andere Themen für ihre eigene politische Agenda instrumentalisieren und für die Polarisierung und Spaltung unserer Gesellschaft nutzen. Sie tragen damit zur Destabilisierung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bei.
Vor diesem Hintergrund ist die Berufsbildung nicht nur als Baustein und zentrales Instrument für Fachkräftesicherung, für Fortschritt und wirtschaftlichen Erfolg zu betrachten, sondern auch als Beitrag zur (allgemeinen Menschen-)Bildung, zur Demokratie- und Werteentwicklung, für Teilhabe und Stabilität in unserer Gesellschaft. In der Vergangenheit wurde dieser Anspruch an das Berufsbildungssystem oft als kaum einlösbarer, ideologischer Ballast betrachtet, der aus einem geisteswissenschaftlich orientierten, kritisch-emanzipatorischen Verständnis beruflicher Bildung und Erziehung resultiert und der die Berufsausbildung, insbesondere die duale Ausbildung, tendenziell überfordere.
Gleichzeitig ist insbesondere die Jugend aufgefordert, politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Veränderungsprozesse mitzugestalten. Daraus resultiert der Anspruch an die Berufsbildung – als Teil unseres Bildungssystems – und an alle ihre Akteur:innen, diese Prozesse zu unterstützen und bei der Gestaltung des Berufsbildungssystems mitzudenken.
In diesem Feld der Herausforderungen stellten die Hochschultage Berufliche Bildung 2025 die Frage nach der Zukunft der Berufsbildung und hob vor allem die zentralen Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Chancengerechtigkeit hervor. Sie öffneten den Raum für die Beantwortung, Reflexion und Diskussion von Fragen zu(r):
- Gestaltung von Berufsorientierung und -wahl,
- Gestaltung von attraktiven und zukunftsfähigen (sowie zukunftsrelevanten) Berufen und Bildungsgängen,
- Entwicklungen und Herausforderungen beruflicher Bildungsgänge,
- Entwicklung von Berufsbildern (Berufsforschung),
- Qualitätsentwicklung beruflicher Bildung,
- Gestaltung beruflicher Lehr-Lernprozesse,
- Lernortkooperation,
- Beteiligungsmöglichkeiten von Auszubildenden bei der nachhaltigen Gestaltung von Ausbildung, Arbeit und Beruf,
- Lehrer:innenbildung und Professionalisierung,
- Förderung benachteiligter Zielgruppen am Übergang in Ausbildung und in beruflichen Lernprozessen,
- Integration und Inklusion in der beruflichen Bildung,
- Zertifizierung formell und informell erworbener Kompetenzen
Diese und weitere Themen wurden im Rahmen der Hochschultage Berufliche Bildung (HTBB) vorgestellt und diskutiert und finden sich nun auch in diesem bwp@ Spezial.
2 Zu den Beiträgen
Die vorliegenden 48 Beiträge wurden in fünf Teile geordnet. Mit dieser Struktur wurde versucht, die Schlagworte im Titel der Hochschultage – Nachhaltig, Digital und Chancengerecht – abzubilden.
In Teil 1, unter dem Schlagwort „Nachhaltig“, stehen im Beitrag von Harald Hantke und Martin Kenner die Themenbereiche „Demokratie“ und „Nachhaltigkeit“ im Vordergrund. Die Bereiche repräsentieren aktuelle gesamtgesellschaftliche Entwicklungen mit hohem Problemgehalt. Im Rahmen der Hochschultage wurden aus der Perspektive der berufsbezogenen politischen Bildung sowohl konzeptionelle als auch empirische Beiträge vorgestellt, mit dem Publikum diskutiert und im vorliegenden Beitrag zusammengefasst. Peter Elflein, Alessa Gravemann, Fiona Latzel, Wiebke Langer und Yoon-Sun Huh befassen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit im Schulsport und insbesondere mit den Herausforderungen bei der Planung von Sportunterricht.
Der Beitrag von Christiane Thole, Anna-Franziska Kähler, Julia Pargmann und Clara Kick untersucht das derzeitige Verhältnis von Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) und Gesundheitsförderung. Angesichts einer starken Verbreitung psychischer Erkrankungen bei den Beteiligten der beruflichen Bildung gehen die Autorinnen der Frage nach, welchen Beitrag BBNE zur Gesundheitsförderung leisten kann und sollte.
Die Beiträge in Teil 2 dieser bwp@ Spezial-Ausgabe befassen sich mit der „Digitalisierung“. Linda Hommel untersucht bspw. die Frage nach dem Einfluss virtueller Communities of Practice (VCoP) auf die berufliche Identitätsbildung von Pflegefachkräften. Sie geht davon aus, dass seit der Covid-Pandemie Auszubildende und Lehrpersonen gefordert sind, verstärkt digitale Möglichkeiten zur Gestaltung von Lehr-Lernprozessen zu nutzen. Mit dem zunehmenden Einsatz sozialer Medien nehmen insbesondere die Möglichkeiten der virtuellen Vernetzung und des Austausches von Wissen und Erfahrungen zu. Für Berufsangehörige und Auszubildende eröffnen sich so alternative Zugänge zur beruflichen Identitätsarbeit.
Im gleichen Teil berichten Johannes Laser, Michaela Evans-Borchers, Simone Lienenbrink u. a. über Forschungsbefunde des Projektes „DibAP – Digitalisierungsprozesse der beruflichen Ausbildung in den Pflegeschulen“. Hierbei geht es um Analysen zum Zusammenwirken von Digitalisierungs- und Schulentwicklungsprozessen an Pflegeschulen.
Marc Beutner, Sebastian N. Koppius, Johannes Schäfers und Katrin Temmen untersuchen Chancen und Nutzen der 5. Generation des Mobilfunkstandards (5G). Dieser sei in der beruflichen Bildung kaum erforscht. 5G biete schnellere Übertragungen, weniger Latenzzeit, und stabilere Verbindungen, wodurch neue Anwendungen in der Industrie möglich werden, wie der Einsatz von Augmented Reality oder die Echtzeitübertragung von Daten. Daraus resultieren neue Anwendungsbeispiele im Unterricht kaufmännischer und gewerblich-technischer Berufe.
Ähnlich untersuchen auch Anna-Teresa Engl und Claudia Nerdel den Einsatz digitaler Technologien, hier von Patientensimulationen im Unterricht, und fragen nach den Folgen für die Professionalisierung angehender Lehrkräfte. Im Beitrag von Paula Klein und Matthias Pilz geht es um den Einsatz digitalisierter Fallstudien. Bei Marco Strate und Bernadette Dilger steht der Einsatz von KI bei der Entwicklung individueller Kompetenzportfolios zur Sichtbarmachung individueller Kompetenzprofile im Vordergrund.
Teil 3 befasst sich mit dem Schlagwort der „Chancengerechtigkeit“ und ist unterteilt in fünf Unterkapitel: Die Beiträge im Teil 3.1 dokumentieren die Fachtagung 11 „Berufliche Bildung unter Inklusionsaspekten“. Einleitend plädieren Ulrike Buchmann und Erika Gericke für eine stärkere Ausrichtung inklusiver Berufsbildung an pädagogischen Zielsetzungen gegenüber einer primären Orientierung an den Qualifikationsanforderungen des Beschäftigungssystems. Als zentrale Dimensionen einer entsprechenden Professionalisierung heben sie Subjekt-, Curriculum-, Institutionen- und Netzwerkwissen hervor.
Mit der Diversitätskompetenz in den Gesundheitsberufen greift Ilka Benner einen zentralen Aspekt professionellen Handelns auf. Im Rahmen des Projekts „CuPiD (Curriculumanalyse, Pflegewissenschaft inklusive Diversität)“ wird untersucht, inwieweit Diversitätskompetenz in den Curricula pflegewissenschaftlicher Studiengänge an deutschen Hochschulen verankert ist und didaktisch umgesetzt wird. Dabei wird Diversitätskompetenz als wesentliche Voraussetzung für diskriminierungssensible Interaktionen und eine diversitätssensible Gesundheitsversorgung verstanden.
Jan Breuer widmet sich der Frage nach den Potenzialen und Risiken generativer künstlicher Intelligenz für Inklusion. Ausgehend von einer explorativen Studie untersucht er, welche pädagogischen Herausforderungen mit dem Einsatz von KI verbunden sind und welchen Beitrag sie zu einer inklusiven Gesellschaft leisten kann. Auf dieser Grundlage betont er die Bedeutung einer systematischen Förderung kritischer Reflexions- und Urteilsfähigkeit.
Multiprofessionelle Teamarbeit wird von Marie-Ann Kückmann in den Blick genommen. Ausgehend von den Befunden einer rekonstruktiven Mehrebenenanalyse arbeitet sie entsprechende Professionalisierungsbedarfe heraus und bringt diese mit Ansätzen der (Visual) Facilitation zur Gestaltung von Gruppenprozessen in Verbindung. Deren Eignung für den berufsbildenden schulischen Kontext werden hierbei kritisch diskutiert.
Ulrike Stahl-Matena nimmt das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen, digitaler Sozialisation und pädagogischer Professionalität in den Blick. Dazu zeichnet sie zunächst gesellschaftliche Wandlungsprozesse nach, die zur Herausbildung eines narzisstischen Sozialcharakters beitragen, und untersucht anschließend dessen Zusammenhang mit medialer Sozialisation, insbesondere durch soziale Medien. Vor diesem Hintergrund verdeutlicht sie, inwiefern entsprechende Narrative dem Anspruch pädagogischer Professionalität und inklusiver Bildung zuwiderlaufen können.
Ausgehend von der BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie 2024 zeichnet Sabrina Inez Weller den Verbleib registrierter Ausbildungsstellenbewerber:innen mit Förderschulabschluss nach. Betrachtet werden ihr Wissen über Ausbildungsmöglichkeiten, ihre Strategien bei der Ausbildungsplatzsuche sowie die Nutzung und Bewertung schulischer und außerschulischer Berufsorientierungsangebote. Die Befunde unterstreichen die zentrale Bedeutung schulischer Unterstützung und verweisen zugleich auf die Notwendigkeit, die Übergangsprozesse der untersuchten Gruppe künftig differenzierter zu erfassen.
Teil 3.2 dokumentiert die Ergebnisse des Workshops zu prekären Übergängen in die Arbeitswelt. Frank Neises berichtet zunächst, wie bundesweit Jugendberufsagenturen ausgebaut und gestaltet werden, um den Übergang Schule – Beruf inklusiv auszurichten und mehr Teilhabe an den regulären Angeboten der Beruflichen Bildung zu ermöglichen.
Jörg A. Meier & Cortina Gentner stellen den Übergangsbereich und seine zahlreichen Programme kritisch im Hinblick auf seine Selektionswirkung dar. Sie arbeiten Herausforderungen heraus und fordern eine nachhaltige Verbesserung hin zu einem systematischen und pädagogisch gestalteten Übergangsbereich.
Lisa Steinberg untersucht aus der Perspektive junger Menschen die Rolle von Unterstützungsangeboten und -strukturen für ihre berufliche und soziale Integration. Beleuchtet werden Erfahrungen mit Beratung, Orientierung und Ausbildungsvorbereitung sowie mit dem Bezug und der Beantragung von Grundsicherung.
Dirk Plikat behandelt ergänzende Lernwege durch Produktionsschulen, er schlägt die Lernstrategie gemeinschaftliche Aufgabenbewältigung als komplementäres Potenzial in der der Ausbildungs- und Arbeitsförderung vor. Dazu nutzt er aktuelle Befunde aus der dänischen Beschäftigungsindikatorforschung und hieraus abgeleiteter Förderkonzepte in Skandinavien.
Der Beitrag von Martin Mertens & Thomas Vollmer verbindet die Debatte um Produktionsschulen und damit verbundene Ansätze einer beruflichen Förderung junger Menschen im Übergang in Ausbildung und Arbeit und den Diskurs um Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Berufspädagogik. Er zielt auf Überlegungen zur Weiterentwicklung von Produktionsschulen als Orte nachhaltiger beruflicher Bildung.
Martin Koch geht davon aus, dass immer weniger Menschen von Bildungsangeboten des Übergangsbereichs erreicht werden und sich die Lebenswelten der jungen Menschen immer weiter von der Arbeitswelt entfernen. Er fordert ein inklusives Bildungsverständnis, das Erfahrungen mit schulischen und betrieblichen Anforderungen verbindet. Der Beitrag greift mit der Tätigkeitstheorie eine vergessene Wurzel der Produktionsschulbewegung auf.
Der Beitrag von Wolfgang Mack fokussiert auf Lernen Jugendlicher und junger Erwachsener in einer biografischen Perspektive. Es wird danach gefragt, wie jungen Erwachsenen im Übergang in die Arbeitswelt Räume eröffnet werden können, in denen sie in biografischer Sicht dysfunktionale Bewältigungsstrategien aufgeben und neue, für eine gelingende soziale und berufliche Integration konstruktive Formen der Bewältigung erlernen können.
Teil 3.3 fasst Beiträge zum Thema Berufswahl und Übergänge zusammen. Die Berufswahl junger Erwachsener unterliegt nach wie vor einer binären vergeschlechtlichen Logik. Das NRW-Talentscouting scheint dieser Segregation entgegenzuwirken, ohne dass dies ein explizites Programmziel ist. Dennis Krell stellt sein Promotionsvorhaben vor, das die Bedeutung des NRW-Talentscoutings für die Teilnehmenden untersucht, die sich für eine geschlechtsuntypische akademische oder berufliche Ausbildung entschieden haben.
Berufswegekonferenzen begleiten Jugendliche mit attestiertem Förderbedarf beim Übergang von der Schule in das Berufsleben. Sie sollen partizipativ und personenzentriert angelegt sein, bilden jedoch bislang eine wissenschaftliche Blackbox. Das hier von Katja Baucke dargestellte Dissertationsprojekt untersucht, wie Ungleichheiten in einem formal partizipativen Setting (re-)produziert werden.
Pia Gerhards nimmt die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung in den Blick. Ihr Beitrag stellt ein BIBB-Forschungsprojekt vor, das analysiert, ob die höherqualifizierende Berufsbildung (HQBB) mit Abschlüssen wie Bachelor und Master Professional HQBB eine attraktive Alternative zum Masterstudium sein kann und welchen Nutzen sie etwa zur Fachkräftesicherung bieten kann.
Die Beiträge in Teil 3.4 wurden mit dem Titel „Integration und Inklusion“ zusammengefasst: Zu Beginn stellen Yoon-Sun Huh, Anna Adlwarth und Marie Engel in ihrem Beitrag das Konzept sowie eine erste Studie des Forschungsprogramms „Bildungsbiographien, Identitäts- und Gesundheitsentwicklungen von Migrantinnen“ vor. Im Fokus stehen biografische Faktoren, welche die Identitäts-, Kompetenz- und Gesundheitsentwicklung von Migrantinnen beeinflussen, sowie die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Bewältigung migrationsbedingter Herausforderungen.
Im Anschluss gehen Stefan Kohlhof und Burcu Köse der Frage nach, wie inklusive berufliche Bildung gestaltet werden kann, um die Teilhabe vulnerabler Gruppen am Arbeitsmarkt zu fördern und zugleich dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Ergebnisse aus Workshops und Expert:innendiskussionen verdeutlichen zentrale Herausforderungen sowie Ansätze zur Entwicklung universeller Zugänge in Bildungs- und Unternehmensstrukturen.
Abschließend untersuchen Jana York, Sarah Lamb, Sarah Schulze, Bastian Pelka, Jörg-Tobias Kuhn und Jan Jochmaring die Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) als soziale Innovation im Bereich beruflicher Rehabilitation und Teilhabe und analysieren deren Implementierung, Arbeitsweisen und Wirkungen. Auf Grundlage eines partizipativ-dialogischen Forschungsdesigns werden erste Erkenntnisse zu neuen Vernetzungsimpulsen und zur Sensibilisierung von Arbeitgebenden für Inklusion herausgearbeitet.
Die beiden Beiträge im Teil 3.5 widmen sich der integrativen Sprachbildung und damit einem sehr spezifischen Bereich der Berufsbildungsforschung. Simone Amorocho fokussiert sich auf die kommunikativen Anforderungen im Pflegeberuf und in der theoretischen Pflegeausbildung. Dabei analysiert sie deren Berücksichtigung in den Rahmenlehrplänen und leitet daraus Ansätze für einen sprachbildenden Unterricht in der Pflegeausbildung ab.
Göntje Erichsen, Sonja Domes und Inger Petersen thematisieren auf Grundlage von Interviews mit Pflegeauszubildenden mit spätem Zweitspracherwerb die sprachlichen Herausforderungen am Lernort Praxis sowie die von ihnen angewandten Lern- und Kommunikationsstrategien. Die Ergebnisse verdeutlichen eine enge Verbindung von Sprachaneignung und beruflicher Partizipation und unterstreichen die Bedeutung des Lernorts Praxis als Ort der Sprachbildung.
Teil 4 steht unter dem Titel der „Didaktik und Fachdidaktik beruflicher Fachrichtungen“. Darin befassen sich die Autor:innen mit der Entwicklung und Weiterentwicklung diverser (Fach-)Didaktiken und (fach-)didaktischer Ansätze in der beruflichen Bildung bzw. beruflicher Fachrichtungen. Der Beitrag von Anna Bobe, Nina Göddertz, Anke Karber, Moritz Paesche, Michelle Schmökel, Astrid Seltrecht und Anja Schwertfeger zeichnet die Entwicklungslinien der beruflichen Fachrichtung Sozialpädagogik und die Herausbildung einer eigenständigen Didaktik dieser Fachrichtung nach. Dabei werden Professionalisierungsprozesse, die Entwicklung einer wissenschaftlichen Community sowie aktuelle Fragen der disziplinären Verortung sozialpädagogischer Fachdidaktik diskutiert.
Janus Niederlechner, Alexandra Brutzer und Roland Stähli widmen sich der theoretischen Fundierung und disziplinären Verortung der Fachdidaktik Agrarwirtschaft. Durch Expert:innengespräche und Literaturanalysen entwickeln sie ein Modell zur Strukturierung von zentralen Merkmalen, Lernprozessen und Prinzipien der Disziplin.
Im Beitrag von Hannes Ranke wird der Frage nachgegangen, inwiefern technische Normen als Strukturierungs- und Entscheidungshilfen für berufliche Lehr- und Lernprozesse genutzt werden können. Joel-Nikolas Suhlmann rückt in seinem Beitrag handlungsbezogene Fehler im Bauwesen als bislang wenig beachtete Ursachen von Bauschäden in den Fokus und zeigt auf, wie Fehler als Lernanlässe genutzt werden können, um reflektiertes und verantwortungsbewusstes berufliches Handeln in der Baupraxis zu fördern.
Anschließend beleuchtet Alessa Gravemann die besonderen Herausforderungen des Sportunterrichts an berufsbildenden Schulen und zeigt den Bedarf einer eigenständigen, wissenschaftlich fundierten Fachdidaktik auf. Am Beispiel des Osnabrücker Studienmodells werden Ansätze zur Professionalisierung von Sportlehrkräfte und zur Weiterentwicklung einer praxisorientierten Sportdidaktik in der beruflichen Bildung vorgestellt. Zum Schluss gibt Michael Pfitzner einen Überblick über die Entwicklung kompetenzorientierter Lernaufgaben im Sportunterricht und ordnet diese in den fachdidaktischen Diskurs ein. Dabei wird insbesondere das Fehlen eines konsensfähigen Kompetenzmodells als zentrale Herausforderung für die Gestaltung kompetenzförderlicher Lernaufgaben herausgearbeitet.
Der fünfte Teil ist den Themen „Professionalisierung und Strukturentwicklung“ gewidmet. Birthe Wichmann und Johanna Heitzer stellen in ihrem Beitrag ein Dissertationsprojekt vor, das etablierte Mathematikdidaktik-Module durch schulformspezifische Lehr-Lern-Anreicherungen für die Berufsschule erweitert. Mit einem Design-Research-Ansatz zielt das Projekt auf eine praxisnahe Verbesserung der Lehre sowie chancengerechte Professionalisierung Studierender ab und liefert erste Ergebnisse einer Pilotierung.
Der Beitrag von Ilka Benner, David Gräter und Sandra Tschupke thematisiert die aktuelle Professionalisierung von Notfallsanitäter:innen in der präklinischen Notfallversorgung mit dem Schwerpunkt auf autonome Notfall- und Entscheidungskompetenz zur eigenverantwortlichen Aufgabenbewältigung. Es werden Implikationen für die rettungsdienstliche Bildung und Rahmenbedingungen für die Kompetenzentwicklung als Workshopergebnisse zusammengefasst.
Ausgehend von dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „InnoVet PLUS – Berufspädagogik Connect (BeConnect)“ beschreiben Gwenda Gassel, Dietmar Frommberger, Silke Lange, Cindy Brandes, Jan Handelmann und Leonie Zeitz die vielfältigen Qualifikationen und (beruflichen) Bildungsbiografien von Berufsbildungspersonal. Es werden der Projektmonitor sowie Überlegungen zur Entwicklung evidenzbasierter Maßnahmen zur Professionalisierung dieser Berufsgruppe dargelegt.
Dennis Kaufmann beleuchtet in seinem Beitrag mit Blick auf die Qualifizierung von Fachkräften die Passungen zwischen beruflicher Arbeitspraxis und Berufsbildern in der Baubranche. Die vorgestellte Fallstudie untersucht diese Fragestellung mit dem Ziel, die Passung systematisch zu analysieren, um diese bspw. in der Curriculumentwicklung zu verbessern.
In dem Beitrag von Anja Walter werden die Ergebnisse einer Absolvent:innen-Befragung mit dem Fokus auf Curriculumevaluation in der Pflegeausbildung dargestellt, die im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojektes „Implementierung der Ausbildung nach Pflegeberufegesetz an sächsischen Berufsfachschulen“ durchgeführt wurde. Die Ergebnisse ermöglichen Rückschlüsse für Pflegelehrende, um den Übergang in den pflegeberuflichen Alltag zu unterstützen.
Fiona Latzel stellt ein Sportspielvermittlungskonzept in der Sportlehrkräftebildung am Beispiel Handball vor, das Theorie und Praxis systematisch verknüpft. Ziel ist die doppelte Professionalisierung angehender Sportlehrkräfte, die eine Übertragung spielerischer Bildungsprozesse in schulische und berufliche Kontexte ermöglicht, da diese aktuell durch Diskrepanzen zwischen Wissenschaft und schulischer Praxis erschwert wird.
Nach vier Jahren generalistischer Pflegeausbildung ziehen Elena Tsarouha, Antje Krause-Zenss, Daniel Grossmann, Jan Braun, Marlene Benkert, Markus Wochnik, Bernd Reuschenbach und Karin Reiber in ihrem Beitrag Bilanz. Sie beschreiben die Entwicklungen auf Basis deutschlandweiter Begleitforschung, welche Einblicke in Verständnis, Akzeptanz und Zufriedenheit bei ausbildenden Akteuren, Auszubildenden und innerhalb der Pflegepraxis ermöglicht. Gleichzeit zeigen die Ergebnisse, dass der Transformationsprozess zu einer Generalistik in der Pflege weiterhin andauert.
Jana Werner, Jonas Hänel und Angelika Unger diskutieren in ihrem Beitrag politische Bildung im Pflegebereich. Dieses Thema wird bislang im Forschungsdiskurs wenig systematisch berücksichtigt, gewinnt aufgrund aktueller gesundheits- und gesellschaftspolitischer Entwicklungen jedoch an Relevanz. Ausgehend von einer Podiumsdiskussion werden Implikationen einer stärkeren Berücksichtigung politischer Bildung für die Handlungsfelder der Pflegedidaktik dargelegt.
In dem Beitrag von Natalie Banek und Ariane Steuber wird das universitätsinterne und strukturbildende Kooperationsprojekt „Mindful Campus – mentale Gesundheitskompetenz bei Studierenden stärken (MinCa)“ beschrieben, das Studierende des beruflichen Lehramts fokussiert und auf die Etablierung eines Studentischen Gesundheitsmanagements abzielt. Neben theoretischen und empirischen Grundlagen werden Rahmenbedingungen zur Förderung von mentaler Gesundheitskompetenz im Studium diskutiert.
Der Beitrag von Maren Baumhauer und Johannes Schäfers erörtert die Integration generativer KI in die Lehrkräftebildung am Beispiel des Projekts „Fit with AI“, um Studierende auf den schulischen Einsatz dieser Technologien vorzubereiten. Es wird aufgezeigt, wie eine didaktische Einbindung gestaltet werden kann, die den praxisorientierten Umgang mit den Tools, die kritische Reflexion sowie neue Kompetenzanforderungen beinhaltet.
Mareen Derda, Carrolin Lohse und Laurenz Blömer stellen in ihrem Beitrag das Modul „Future Class: Zukunftstechnologien sinnvoll anwenden und vermitteln“ des Projekts „D³@TU macht Schule“ vor. Es zielt darauf ab, durch die interdisziplinäre Entwicklung und Erprobung praxisnaher Lehr-Lern-Arrangements zu digitalen Zukunftstechnologien die fachdidaktischen und pädagogischen Kompetenzen von gewerblich-technischen Lehramts- und Ingenieurwissenschaftsstudierenden zu fördern.
3 Danksagung
In den 48 vorliegenden Texten zeigt sich das breite Spektrum der Themen, mit denen sich die Hochschultage Berufliche Bildung 2025 beschäftigt haben. Dabei repräsentieren diese nur einen Bruchteil der Keynotes, Poster, Vorträge, Redebeiträge etc. Wir danken allen Redner:innen und Autor:innen dafür, dass sie die Hochschultage mit ihren Beiträgen bereichert und zu einer großartigen Veranstaltung mit vielfältigen Möglichkeiten zum Austausch, Diskurs und der Vernetzung gemacht haben.
Sowohl die Vorbereitung und Umsetzung der Hochschultage als auch die Verwirklichung des vorliegenden bwp@ Spezials wären ohne die Unterstützung verschiedener Institutionen und Menschen nicht möglich gewesen: Unser Dank richtet sich deshalb an den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Berufliche Bildung e. V., Marianne Friese, Dieter Münk und Michael Heister, die uns mit der Ausrichtung der Hochschultage in Paderborn betraut haben. Danke für Euer Vertrauen und die Unterstützung!
Unser Dank richtet sich an die Hans-Böckler-Stiftung und den Stifterverband der Deutschen Wirtschaft, welche die Ausrichtung der Hochschultage finanziell unterstützt haben.
Wir danken den vielen Menschen an der Universität Paderborn, die uns inhaltlich, organisatorisch und formal bei der Abwicklung der Hochschultage unterstützt haben. Genauso danken wir dem Kreis und der Stadt Paderborn.
Last but not least bedanke ich (Dietmar Heisler) mich bei meinen Mitarbeitenden und studentischen Hilfskräften nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch für ihre Ausdauer und Geduld bei der Ausrichtung der Hochschultage Berufliche Bildung 2025.
Literatur
Falck, O. & Pfaffl, C. (2022). Die Deindustrialisierung Deutschlands: berechtigte Sorge oder German Angst? Wirtschaftsdienst, 12 (102), 936–940. https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2022/heft/12/beitrag/die-deindustrialisierung-deutschlands-berechtigte-sorge-oder-german-angst.html
Gerholz, K.-H., Annen, S., Braches-Chyrek, R., Hufnagl, J. & Wagner, A. (2024). Editorial zu bwp@ Spezial HT2023: Fachkräftesicherung – Zukunftsweisende Qualifizierung, gesellschaftliche Teilhabe und Integration durch berufliche Bildung. In K.-H. Gerholz, S. Annen, R. Braches-Chyrek, J. Hufnagl & A. Wagner (Hrsg.), bwp@ Spezial HT2023: Hochschultage Berufliche Bildung 2023 (S. 1–10). http://www.bwpat.de/ht2023/editorial_ht2023.pdf
Kohlrausch, B., Zucco, A. & Hövermann, A. (2020). Verteilungsbericht 2020. Die Einkommensungleichheit wird durch die Corona-Krise noch weiter verstärkt. WSI Report, 62. Hans-Böckler-Stiftung. https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_62_2020.pdf
Zitieren des Beitrags
Hartwich, K., Heisler, D., Lippegaus, P., Schmökel, M., Schwede, J. & Sommer, C. (2026). Editorial zu bwp@ Spezial HT2025. In K. Hartwich, D. Heisler, P. Lippegaus, M. Schmökel, J. Schwede & C. Sommer (Hrsg.), bwp@ Spezial HT2025: Nachhaltig – Digital – Chancengerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf (S. 1–12). https://www.bwpat.de/ht2025/editorial_ht2025.pdf







