bwp@ Spezial HT2025 - Juli 2026

Nachhaltig – Digital – Chancengerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf

Hrsg.: Katharina Hartwich, Dietmar Heisler, Petra Lippegaus, Michelle Schmökel, Jana Schwede & Christian Sommer

(Digitalisierte) Fallstudien gestalten und unterrichten – Das TeC@ses-Tool als Unterstützung für Lehrkräfte

Beitrag von Paula Klein & Matthias Pilz
Schlüsselwörter: Fallstudien; Digitale Medien; Professionalisierung von Lehrkräften; Weiterbildung, Europäische Berufsbildung

Kaufmännische Fallstudien gelten als wirksamer didaktischer Ansatz, um Lernende auf komplexe berufliche Anforderungen vorzubereiten und Kompetenzen wie Problemlösefähigkeit, kritisches Denken, Teamarbeit und Selbststeuerung zu fördern. Gleichzeitig stehen Lehrkräfte häufig vor zeitlichen, organisatorischen und methodischen Herausforderungen bei der Entwicklung geeigneter Fälle. Der vorliegende konzeptionelle Beitrag aus der Praxis beschreibt, wie das Erasmus+-Projekt „TeC@ses“ Lehrkräfte der kaufmännischen Berufsbildung bei der Konzeption und Umsetzung (digitaler) Fallstudien unterstützt. Das TeC@ses-Tool ist ein modular aufgebautes, kostenloses Online-Weiterbildungsangebot, das praxisnah Grundlagen zur Gestaltung und Durchführung sowohl klassischer als auch digital erweiterter Fallstudien vermittelt. Dank seiner flexiblen, anwendungsorientierten Struktur können Lehrkräfte ihre didaktischen und digitalen Kompetenzen gezielt ausbauen und den Unterricht wirksam an die Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt anpassen.

Designing and Teaching (Digitalised) Case Studies – The TeC@ses Tool as a Support for Teachers

English Abstract

Business case studies are regarded as an effective didactic approach for preparing learners for complex professional demands and for fostering competencies such as problem-solving, critical thinking, teamwork and self-management. At the same time, teachers often face time-related, organisational and methodological challenges when developing suitable case studies. This conceptional article from practice describes how the Erasmus+ project “TeC@ses” supports teachers in commercial vocational education and training in the design and implementation of (digital) case studies. The TeC@ses tool is a modular, free online professional development offering that provides practical guidance on the design and implementation of both conventional and digitally enhanced case studies. Thanks to its flexible, application-oriented structure, teachers can develop their teaching and digital skills in a targeted manner and effectively adapt their lessons to the demands of a digitalised workplace.

1 Einführung

Zur gezielten Vorbereitung von Lernenden auf die Anforderungen einer komplexen und sich kontinuierlich verändernden Arbeitswelt stellen Fallstudien einen wirksamen didaktischen Ansatz dar. Fallstudien im kaufmännischen Unterricht können die Integration von authentischen betrieblichen Problemstellungen und das handlungs- beziehungsweise problemorientierte Lernen fördern. Sie verbinden theoretisches Wissen mit realitätsnaher Anwendung und tragen wesentlich zur Entwicklung der 21st Century Skills bei (National Education Association, 2012; Mauffette-Lenders et al., 2005). Das Lernen wird dabei als strukturierter Problemlösungs- und Entscheidungsprozess gestaltet, der durch Gruppendiskussionen „interaktives, reflexives und entscheidungsorientiertes Handeln“ (Brunold, 2017, 546) ermöglicht.

Obwohl Fallstudien in Hochschulen und Business Schools bereits fest etabliert sind, scheint ihr Einsatz in der deutschen kaufmännischen Berufsbildung bislang (noch) nicht flächendeckend verbreitet (Arndt & Pilz, 2020; Heuer & Pilz, 2022). Dabei liegt ihr Potenzial gerade in der Verbindung von schulischem Lernen und betrieblicher Realität: Lernende setzen sich aktiv mit praxisbezogenen wirtschaftlichen Fragestellungen auseinander, wodurch sie ein tieferes Verständnis für berufliche Zusammenhänge entwickeln. Die Diskussion authentischer Fälle aus der betrieblichen Praxis rückt so ins Zentrum des Lernens (Brunold, 2017).

2 Kompetenzorientiertes Lernen durch Fallstudien

Der Einsatz von Fallstudien erweist sich nicht nur als fachlich sinnvoll, sondern passt auch zu den veränderten Erwartungen der heutigen Lernenden an zeitgemäße Lehr-Lernarrangements zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Die digitale Transformation eben dieser Arbeitswelt erfordert neue didaktische Ansätze, die sowohl traditionelle Methoden als auch innovative, technologiegestützte Lernformen integrieren. In diesem Kontext bietet der Fallstudienunterricht ein hohes didaktisches Potenzial: Er ermöglicht es, sowohl in traditioneller Form als auch durch digitale Technologien erweitert, genau jene Formen des Lernens zu fördern, die den Bedürfnissen der Lernenden entsprechen und zugleich zentrale berufliche Kompetenzen gezielt weiterentwickeln (Schaumburg & Prasse, 2018). Die Integration digitaler Elemente in Fallstudien kann dabei neue Möglichkeiten für interaktives, kollaboratives und multimediales Lernen schaffen, ohne die bewährten Prinzipien der Fallstudienarbeit zu vernachlässigen (Kultusministerkonferenz, 2016).

Beim Einsatz von Fallstudien im kaufmännischen Unterricht lassen sich unterschiedliche Lernziele verfolgen, die auf eine umfassende Kompetenzentwicklung ausgerichtet sind. Im Zentrum steht dabei die Förderung der Handlungskompetenz, also die Fähigkeit, komplexe wirtschaftliche Problemstellungen zu analysieren, fundierte Lösungsstrategien zu entwickeln und tragfähige Entscheidungen zu treffen (Pätzold et al., 2003). Durch die Anwendung theoretischer Konzepte auf praxisnahe Szenarien wird zudem der Theorie-Praxis-Transfer unterstützt und der konkrete Nutzen für die spätere Berufswelt deutlich erfahrbar. Ein damit einhergehendes zentrales Lernziel ist die Problemlösekompetenz. Die Lernenden sollen befähigt werden, kreative und zugleich strukturierte Lösungsstrategien für unternehmerische Herausforderungen zu entwickeln (Mauffette-Lenders et al., 2005). Im Rahmen der Fallbearbeitung wird zudem das kritische und vernetzte Denken gestärkt, etwa durch die Bewertung von Informationen, die Abwägung unterschiedlicher Handlungsoptionen sowie den Vergleich und die Auswahl alternativer Lösungen (Pilz, 2013).

Da Fallstudien in der Regel in Gruppen bearbeitet werden, spielt die Förderung von Kollaboration und Kommunikation ebenfalls eine zentrale Rolle. Gemeinsame Diskussionen, arbeitsteilige Prozesse und das Präsentieren von Ergebnissen können soziale Kompetenzen und kooperatives Verhalten stärken (Mauffette-Lenders et al., 2005). Gleichzeitig fördert die Fallarbeit Selbstständigkeit und Eigenverantwortung: Die Schülerinnen und Schüler lernen, Informationen selbst zu recherchieren, Entscheidungen zu begründen und ihren Arbeitsprozess eigenständig zu strukturieren. Ergänzend dazu wird die Reflexionsfähigkeit gestärkt, indem sie ihre Ergebnisse kritisch hinterfragen und mit alternativen oder realen Lösungen vergleichen (Pätzold et al., 2003).

Die veränderten Erwartungen heutiger Lernenden an Lehr- und Lernprozesse verdeutlichen, warum der Einsatz von Fallstudien zunehmend an Relevanz gewinnen. Allerdings bringt der Einsatz von Fallstudien auch didaktische und organisatorische Herausforderungen mit sich (Arndt & Pilz, 2020).

3 Herausforderungen und digitale Potenziale des Fallstudienunterrichts

Eine der zentralen Schwierigkeiten des Fallstudienansatzes liegt in der zeitintensiven Erstellung geeigneter Fälle. Vorhandene Materialien sind oft kostenpflichtig oder an bestimmte Institutionen gebunden, was ihren Einsatz im breiten schulischen Kontext einschränkt (Arndt & Pilz, 2020). Die Entwicklung eines authentischen und komplexen Falls, der verschiedene Lösungsalternativen zulässt, benötigt einen hohen zeitlichen Aufwand. Dieser zusätzliche Aufwand, sowohl für die Planung als auch für die Durchführung, scheint im ohnehin eng getakteten Schulalltag oft schwer zu leisten. Darüber hinaus stellt die didaktische Aufbereitung Lehrkräfte vor die komplexe Aufgabe, sowohl curriculare Vorgaben zu erfüllen als auch heterogene Kompetenzniveaus der Schülerschaft zu berücksichtigen. Diese Herausforderung wird durch strukturelle Restriktionen verschärft: Die mangelnde Flexibilität vieler Bildungspläne kann im Widerspruch zu den spontanen und aktuellen Themen, die authentische Fallstudien charakterisieren, stehen. Zudem erweist sich die Vereinbarkeit des diskursorientierten und reflexiven Charakters der Fallarbeit mit konventionellen Bewertungsformaten als herausfordernd, da letztere individuelle Lösungsansätze und kreative Denkprozesse nur begrenzt abbilden können (Çakmak & Akgün 2018; Winter, 2022).

Die Digitalisierung bietet als Erweiterung des Fallstudienunterrichts die Chance, den Zugang zu aktuellen, vielfältigen Fallbeispielen zu erleichtern, adaptive Lernpfade zu ermöglichen und kooperatives Arbeiten in Echtzeit zu unterstützen (Drossel et al., 2019). Digitale Technologien können dabei helfen, komplexe Sachverhalte anschaulicher darzustellen, interaktive Elemente zu integrieren und die Zusammenarbeit zwischen Lernenden zu erleichtern. Um diese Potenziale auszuschöpfen, bedarf es jedoch geeigneter technischer Infrastruktur, klarer didaktischer Leitlinien und vor allem gezielte Fortbildungen (Runge et al., 2024). Nur wenn Lehrkräfte methodisch und technisch befähigt werden, können Fallstudien ihr volles Potenzial als Brücke zwischen schulischem Lernen und beruflicher Wirklichkeit entfalten.

4 Wie das TeC@ses-Tool unterstützt

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung und der wachsenden Bedeutung praxisorientierter didaktischer Ansätze wie Fallstudien setzt das Erasmus+-Projekt "Teaching case studies online: How to design and teach case studies in vocational schools" (TeC@ses) gezielt auf die Unterstützung von Lehrkräften. Ziel des Projekts ist es, Lehrkräfte in der kaufmännischen Berufsbildung dabei zu stärken, (digitale) Fallstudien zu konzipieren und erfolgreich in den Unterricht zu integrieren.

Entwickelt wird das Projekt unter der Leitung des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik und internationale Berufsbildungsforschung an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. TeC@ses ist als internationale Kooperation konzipiert: Neben der Universität zu Köln sind die Universität Antwerpen, die Universität Tampere sowie die Wirtschaftsuniversität Prag beteiligt. Die Projektlaufzeit erstreckt sich von Dezember 2023 bis November 2026. Über Ländergrenzen hinweg soll das Projekt Impulse für eine zeitgemäße, digital gestützte berufliche Bildung setzen und zur Professionalisierung von Lehrkräften in Europa beitragen.

Kernstück des Projekts ist ein modular aufgebautes Online-Weiterbildungsangebot. Das sogenannte TeC@ses-Tool bietet eine flexible, orts- und zeitunabhängige Möglichkeit zur Qualifizierung im Bereich Fallstudienarbeit, mit besonderem Fokus auf digitale und didaktische Kompetenzen. Im Zentrum stehen die zwei Bereiche „Design“ und „Teach“ (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Aufbau des TeC@ses-Tools (eigene Darstellung)Abbildung 1: Aufbau des TeC@ses-Tools (eigene Darstellung)

Der Bereich „Design“ vermittelt Grundlagen zur Gestaltung von Fallstudien für die berufliche Bildung. Neben der Entwicklung klassischer Szenarien stehen dabei auch digitale Erweiterungen im Fokus. Der Bereich besteht aus zwei Lerneinheiten: „Gestaltung traditioneller Fallstudien für die berufliche Bildung“ und „Digitale Potenziale bei der Gestaltung von Fallstudien in der beruflichen Bildung“. Sie bieten eine praxisnahe Hilfestellung bei der Auswahl geeigneter Themen, der Strukturierung von Materialien und der didaktischen Aufbereitung von Fallstudien.

Die Lerneinheit „Gestaltung traditioneller Fallstudien für die berufliche Bildung“ basiert auf der Fallstudiendidaktik und ist nach Lernzielen sowie fünf Qualitätskriterien für Fallstudien strukturiert (siehe Abbildung 2). Mit den Modulen wird die Frage beantwortet, wie die Qualitätskriterien bei der Gestaltung von Fallstudien erfüllt werden können. Die Lerneinheit „Digitale Potenziale bei der Gestaltung von Fallstudien in der beruflichen Bildung“ basiert ebenfalls auf der Fallstudiendidaktik, bezieht jedoch auch Bildungstechnologien mit ein. Sie ist nach den vier Prozessphasen einer Fallstudie und der Lernzielkontrolle strukturiert (siehe Abbildung 2). Mit den Modulen wird die Frage beantwortet, wo sich welche digitalen Tools bei der Gestaltung der verschiedenen Phasen von Fallstudien eignen. Der Bereich „Design“ gliedert sich in zwei Lerneinheiten mit sechs beziehungsweise fünf Elemente mit insgesamt 32 Modulen:

Abbildung 2: Inhalte des Bereichs „Design“ (eigene Darstellung)Abbildung 2: Inhalte des Bereichs „Design“ (eigene Darstellung)

Der Bereich „Teach“ behandelt die methodische Umsetzung im Unterricht. Hier lernen Lehrkräfte, wie Fallstudien sowohl traditionell als auch unter Einbezug digitaler Werkzeuge effektiv eingesetzt werden können. Die Lerneinheiten „Fallstudien traditionell in der beruflichen Bildung unterrichten“ und „Fallstudien mit digitalen Aspekten in der beruflichen Bildung unterrichten“ beleuchten didaktische Strategien, Sozialformen und Bewertungskriterien.

Die Lerneinheit „Fallstudien traditionell in der beruflichen Bildung unterrichten“ basiert auf didaktischen Orientierungspunkten, die häufige Herausforderungen des Fallstudienunterrichts berücksichtigen und ist entsprechend strukturiert (Harvard Kennedy School, o. J.; siehe Abbildung 3). Mit den Modulen wird die Frage beantwortet, wie diese Orientierungspunkte berücksichtigt werden können. Die Lerneinheit „Fallstudien mit digitalen Aspekten in der beruflichen Bildung unterrichten” basiert auf Kommunikationsstrukturen und Bildungstechnologien. Sie ist nach vier Sozialformen im Unterricht strukturiert (siehe Abbildung 3). Mithilfe der Module wird die Frage beantwortet, welche digitalen Tools sich bei den verschiedenen Interaktionsarten eignen. Der Bereich „Teach“ gliedert sich in zwei Lerneinheiten mit jeweils vier Elemente mit insgesamt 22 Modulen: 

Abbildung 3: Abbildung 3: Inhalte des Bereichs „Teach“ (eigene Darstellung)Abbildung 3: Abbildung 3: Inhalte des Bereichs „Teach“ (eigene Darstellung)

Die insgesamt 54 Module sind dabei identisch aufgebaut: Zuerst wird der Inhalt definiert und seine Relevanz für die Fallstudienentwicklung beziehungsweise den Fallstudienunterricht dargelegt. Danach folgt der Input zur Umsetzbarkeit und die Möglichkeit für eine persönliche Reflexion. Jedes einzelne Modul hat eine Bearbeitungsdauer von drei bis fünf Minuten. Als Beispiel sei hier das Modul „Vielfältige Perspektiven und Rollen“ aus dem Element „Komplexität und Pluralismus“ (Lerneinheit „Gestaltung traditioneller Fallstudien für die berufliche Bildung“, Abb. 2) genannt. Es behandelt die Frage, wie Lehrkräfte durch die Einbeziehung unterschiedlicher Interessensgruppen und Akteure Komplexität und Pluralismus erreichen können. Dazu wird im ersten Schritt der Inhalt definiert und seine Relevanz herausgestellt. Im zweiten Schritt erhalten Lehrkräfte Anregungen, wie sie vielfältige Perspektiven und Rollen in einen Fall integrieren können. Die abschließende Reflexion ermöglicht den Lehrkräften eine Prüfung des eigenen Wissens. Ein weiteres Beispiel ist das Modul „Umfragewerkzeuge“ im Element „Lehrkraft – Lernende“ (Lerneinheit „Fallstudien mit digitalen Aspekten in der beruflichen Bildung unterrichten“, Abb. 3). Nach Definition und Darlegung der Relevanz, wird den Lehrkräften nähergebracht, wie und mit welchen beispielhaften Umfragetools sie die Interaktion zwischen ihnen und ihren Lernenden im Fallstudienunterricht interaktiver gestalten können. Auch hier bietet die abschließende Reflexion die Prüfung des eigenen Wissenstandes.

5 Ausblick

Im Rahmen der Projektentwicklung werden länderübergreifend vorläufige Evaluationsdaten erhoben, um das TeC@ses Tool auf dieser Basis zu optimieren. Die ersten derzeit vorliegenden Rückmeldungen der kaufmännischen Lehrkräfte können in drei thematische Cluster überblicksartig zusammengefasst werden. Im Bereich Inhalt und Struktur zeigen sich durchschnittlich die stärksten Bewertungen des gesamten Tools: Die inhaltliche Umfänglichkeit sowie die klare Strukturierung der Module werden besonders positiv eingeschätzt. Dies deckt sich mit Befunden zur Wirksamkeit von Lehrerfortbildungen, die eine klare didaktische Strukturierung als zentrales Qualitätsmerkmal identifizieren (Lipowsky & Rzejak, 2021). Die praktische Relevanz der Inhalte wird ebenfalls positiv bewertet, was angesichts der Bedeutung von Praxisorientierung für die Transferwirksamkeit von Fortbildungen besonders hervorzuheben ist (Lipowsky & Rzejak, 2021). Im Bereich Technik und Usability beschreiben die Lehrkräfte die technische Funktionalität als zuverlässig, was als grundlegende Voraussetzung für die Nutzungsbereitschaft digitaler Lernumgebungen gilt (Venkatesh et al. 2003). Die visuelle Gestaltung und die motivationale Ansprache der Lerneinheiten wurden etwas verhaltener bewertet; diese Rückmeldungen wurden im Zuge der finalen Überarbeitungsphase bereits aufgegriffen. Die aktuellen Evaluationswerte spiegeln den finalen Stand des Tools daher noch nicht vollständig wider. Insgesamt deuten die vorläufigen Evaluationsergebnisse auf eine belastbare Grundlage des TeC@ses-Tools hin, die durch die finale Optimierungsrunde weiter gestärkt wird. Weiterführende, methodisch kontrollierte Evaluationen sowie ländervergleichende Analysen sind geplant und sollen in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht werden. Bis Ende 2026 wird das Tool kontinuierlich weiterentwickelt, an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst und in fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Finnisch, Niederländisch und Tschechisch) übersetzt. So soll das Projekt einen aktiven Beitrag zur Qualitätssicherung und Modernisierung der beruflichen Bildung leisten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass dem Projekt in der aktuellen Zeit besondere Bedeutung zukommt. Der Einsatz digital gestützter Fallstudien im kaufmännischen Unterricht kann neue Wege für ein praxisnahes, kollaboratives und kompetenzorientiertes Lernen eröffnen. Dabei werden zentrale Kompetenzen gefördert: Problemlösefähigkeit, kritisches Denken, Teamarbeit sowie selbstgesteuertes Lernen; Kompetenzen, die im Zuge der digitalen Transformation der Arbeitswelt immer stärker gefordert werden.

Literatur

Arndt, P. J. & Pilz, M. (2020). Die Bedeutung von Fallstudien im Unterricht aus Sicht von Lehrkräften. Kölner Zeitschrift für Wirtschaft und Pädagogik, 35(68), 35–67.

Brunold, A. (2017). Fallstudie und exemplarisches Prinzip. In V. Reinhardt & D. Lange (Hrsg.), Basiswissen Politische Bildung, Band 2: Forschung, Planung und Methoden Politischer Bildung. Handbuch für den sozialwissenschaftlichen Unterricht (S. 545–553). Schneider Verlag Hohengehren.

Çakmak, Z. & Akgün, İ. H. (2018): A Theoretical Perspective on the Case Study Method. Journal of Education and Learning, 7(1), 96–102. https://doi.org/10.5539/jel.v7n1p96

Drossel, K., Eickelmann, B., Schaumburg, H. & Labusch, A. (2019): Nutzung digitaler Medien und Prädiktoren aus der Perspektive der Lehrerinnen und Lehrer im internationalen Vergleich. In B. Eickelmann, W. Bos, J. Gerick, F. Goldhammer, H. Schaumburg, K. Schwippert, M. Senkbeil & J. Vahrenhold (Hrsg.), ICILS 2018 #Deutschland. Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im zweiten internationalen Vergleich und Kompetenzen im Bereich Computational Thinking (S. 205–240). Waxmann. https://doi.org/10.25656/01:18325

Harvard Kennedy School (o. J.): Common Case Teaching Challenges and Possible Solutions. https://case.hks.harvard.edu/content/Common%20Case%20Teaching%20Challenges%20and%20Possible%20Solutions.pdf

Kultusministerkonferenz (2016): Bildung in der digitalen Welt: Strategie der Kultusministerkonferenz. Beschluss vom 08.12.2016, in der Fassung vom 07.12.2017. https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2016/2016_12_08-Bildung-in-der-digitalen-Welt.pdf

Lipowsky, F. & Rzejak, D. (2021): Fortbildungen für Lehrpersonen wirksam gestalten. Ein praxisorientierter und forschungsgestützter Leitfaden. BertelsmannStiftung

Mauffette-Leenders, L. A., Erskine, J. A. & Leenders, M. R. (2005): Learning with Cases, 3. Aufl. Ivey Publishing.

National Education Association (2012): Preparing 21st century students for a global society: An educator's guide to "the four Cs". https://dl.icdst.org/pdfs/files3/0d3e72e9b873e0ef2ed780bf53a347b4.pdf

Pätzold, G., Klusmeyer, J., Wingels, J. & Lang, M. (2003): Lehr-Lern-Methoden in der beruflichen Bildung. Eine empirische Untersuchung in ausgewählten Berufsfeldern. Beiträge zur Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Band 18. BIS – Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg.

Pilz, M. (2013): Fallstudienarbeit im Kontext von Entscheidungsfindung und vernetztem Denken: Eine theoretische Einführung. In M. Pilz & J. Krüger (Hrsg.), Vernetztes Denken und Entscheidungsfindung im Ökonomieunterricht – Eine Fallstudiensammlung (S. 5–13). Europa Lehrmittel.

Runge, I., Scheiter, K., Rubach, C., Richter, D. & Lazarides, R. (2024): Lehrkräftefortbildungen im Kontext digitaler Medien: Welche Bedeutung haben digitalbezogene Fortbildungsthemen für selbsteingeschätzte digitale Kompetenzen und selbstberichtetes digital gestütztes Unterrichtshandeln? Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 27, 637–660. https://doi.org/10.1007/s11618-024-01227-6

Schaumburg, H. & Prasse, D. (2018): Medien und Schule: Theorie – Forschung – Praxis (Studientexte Bildungswissenschaften). Klinkhardt.

Venkatesh, V., Morris, M. G., Davis, G. B. & Davis, F. D. (2003): User Acceptance of Information Technology: Toward a Unified View. MIS Quarterly, 27 (3), 425–478. https://doi.org/10.2307/30036540

Winter, F. (2022). Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Schülerleistungen. Grundlagen der Schulpädagogik, Band 49, (8. Aufl.) Schneider Verlag Hohengehren.

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Klein, P. & Pilz, M. (2026). (Digitalisierte) Fallstudien gestalten und unterrichten – Das TeC@ses-Tool als Unterstützung für Lehrkräfte. In K. Hartwich, D. Heisler, P. Lippegaus, M. Schmökel, J. Schwede & C. Sommer (Hrsg.), bwp@ Spezial HT2025: Nachhaltig – Digital – Chancen­gerecht. Zukunftsszenarien von Arbeit, Bildung und Beruf (S. 1–9). https://www.bwpat.de/ht2025/klein_pilz_ht2025.pdf